Barrierefreie digitale Lehr-/Lernmaterialen und -umgebungen
Barrierefreie digitale Lehr-/Lernmaterialien und -umgebungen sind wichtige Voraussetzungen für Studierende, um mit gleichen Chancen unabhängig von ihren persönlichen Umständen zu studieren. Wenn Kriterien der digitalen Barrierefreiheit von allen an Lehr-/Lernprozessen beteiligten Personen bei der Erstellung von Dateien und anderen digitalen Materialien berücksichtigt werden, kommen sie allen Menschen zugute und nicht nur denjenigen mit Einschränkungen.
Auf dieser Seite finden Sie eine Zusammenstellung von Informationen und kommentierten Links zum Thema Digitale Barrierefreiheit, die für die Lehre und im Studium weiterhelfen können.
Grundlagen

Auf der Seite www.barrierefreies-blinddate.de können Sie Studierenden-Personas mit Beeinträchtigung begegnen und lernen ihren Studienalltag kennen. Sie erhalten konkrete Handlungsempfehlungen, die Ihnen helfen können, Barrieren in Lerngruppen, in der Lehre und im täglichen Miteinander zu erkennen und abzubauen.

Der Einsatz digitaler Medien kann einerseits dazu beitragen, Barrieren für Studierende zu reduzieren. Andererseits können durch digitale Inhalte und Werkzeuge in der Lehre jedoch auch neue Barrieren aufgebaut werden. e-teaching.org gibt im Artikel Barrierefreiheit: Inklusives E-Learning einen guten Überlick über das Thema Barrierefreiheit in der universitären Lehre.
Checklisten
Vorbemerkung: Texte im hier gemeinten Sinne sind beispielsweise Fließtexte in Textdokumenten, Texte auf Webseiten (z. B. Typo3-Seiten oder Moodle-Kursseiten) und in PowerPoint-Präsentationen oder Sprechtexte für Videos und Audio-Podcasts etc.
Einfachheit
- Die Sätze sind kurz und einfach konstruiert, d.h. Schachtelsätze und Nominalisierungen werden vermieden.
- Der Text enthält überwiegend geläufige Wörter und keine „exotischen“ oder inhaltsleeren Begriffe und Floskeln.
- Fachbegriffe, Abkürzungen und ungeläufige Wörter sind erklärt (z. B. im Text, in Fußnoten, in einem Glossar).
- Die Sätze sind gut zu verstehen. Sie enthalten anschauliche Formulierungen.
- Der Text ist inhaltlich und sprachlich (Formulierungen und Wortwahl) für die Zielgruppe geeignet.
Gliederung
- Der Text hat eine klare Struktur: Er ist nachvollziehbar, folgerichtig und nicht zu detailliert gegliedert.
- Wesentliches kann gut von Unwesentlichem unterschieden werden.
- Der rote Faden des Textes ist jederzeit sichtbar, d.h. die inhaltlichen Bezüge sind eindeutig.
- Alle Aspekte und Argumente sind in der richtigen Reihenfolge dargestellt und bauen logisch aufeinander auf.
- Bei Lehrinhalten kann die Angabe von Lehrzielen sinnvoll sein (z. B. bei großer Stoffmenge).
- Die Gliederung wird durch prägnante Überschriften und das Inhaltsverzeichnis sichtbar gemacht.
- Der Text wird durch weitere Elemente (z.B. Nummerierungen, Aufzählungen, Kasten) gegliedert.
- Die wichtigsten Begriffe und Argumente werden zusammengefasst und eingeführt (besonders bei langen Texten).
- An das Wissen der Lernenden wird in einem Vortext angeknüpft (speziell bei schweren Texten mit neuem Lerninhalt).
Kürze und Prägnanz
- Der Text ist kurz und beschränkt sich aufs Wesentliche, ohne lückenhaft zu sein.
- Jedes Wort im Text ist notwenig.
- Das Vorwissen der Lernenden wird im Text berücksichtigt.
Anregende Zusätze
- Im Text wird jederzeit Bezug zur Problemstellung genommen.
- Beispiele unterstützen das Verstehen und den Transfer.
- Die Lernenden werden persönlich angesprochen.
Weiterführende Informationen
- Langer, I., Schulz von Thun, F., & Tausch, R. (2006). Sich verständlich ausdrücken: [Anleitungstexte, Unterrichtstexte, Vertragstexte, Gesetzestexte, Versicherungstexte, Wissenschaftstexte, weitere Textarten] (8. Aufl.). Reinhardt.
- KI-Chatbots können als Werkzeug helfen, Texte zu überarbeiten oder in einfache Sprache zu übersetzen.
- Informationen vom Netzwerk für leichte Sprache
- Für den Fließtext in Online-Medien wird serifenlose Schrift verwendet. Falls Sie eine Serifenschrift verwenden, achten Sie auf gute Lesbarkeit der Schrift und bedenken Sie, dass viele Texte heute am Bildschirm gelesen werden.
- Der Schriftgrad für den kleingedruckten Text liegt bei mindestens 10 pt. Fließtext ist entsprechend in einem größeren Schriftgrad formatiert (z. B. 12 pt).
- Wichtige Schlüsselwörter sind hervorgehoben (z.B. durch Fettung oder Farbe).
- Gliederungen (Überschriften, Aufzählungen und Nummerierungen) sind mit entsprechenden Formatvorlagen formatiert.
- Bilder, Grafiken und Tabellen verfügen über eine Beschreibung und/oder über einen Alternativtext. Sie überlappen nicht, damit sie von einem Screenreader klar erkennbar und lesbar sind.
- Texte und Grafiken sind klar wahrnehmbar und vom Hintergrund gut unterscheidbar (Kontrast).
- Alle Elemente sind auch nach Vergrößerung am Bildschirm gut erkennbar und lesbar.
- Gescannte Dokumente wurden vor Veröffentlichung mit Texterkennung (OCR) bearbeitet.
Weiterführende Informationen
- Checklisten barrierefreie Dokumente (Quelle: Universität Bielefeld)
- Informationen der Universität Bamberg zur Erstellung von barrierefreien Dokumenten
- Gescannte PDF-Dokumente bearbeiten (Quelle: Adobe)
- Kontraste für eine barrierefreie Gestaltung (Quelle: Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik)
- Barrierefreiheit: Farbe & Typografie (Quelle: arcgis.esri.de)
- KI in der Lehre #12: Lehr- und Lernmaterial barrierefrei gestalten mithilfe von Chat-GPT (Youtube-Video der Universität Marburg)
- Tipp: Moderne Office-Programme verfügen über Hilfsmittel zur Erstellung von barrierefreien Dokumenten, um die Lesereihenfolge zu bearbeiten, Alternativtexte festzulegen und die technische Barrierefreiheit des Dokumentes zu überprüfen.
Bilder
- Das Bild ist inhaltlich und im Detaillierungsgrad für die Zielgruppe gut geeignet.
- Die Abbildung ist klar und verständlich (gut erkennbar durch Kontrast und Farbgestaltung).
- Das Bild ist relevant für den Lernprozess, nicht nur einfach Dekoration. Ist das Bild nur zu illustrativen Zwecken eingesetzt, ist dies auch entsprechend erkennbar.
- Bildgröße, -auflösung und -format sind für die Veröffentlichung im Web optimiert.
- Das Bild wird durch einen alternativen Text und durch eine Bildbeschreibung erläutert (in manchen Systemen gibt es nicht beide Möglichkeiten, umso wichtiger ist es, die vorhandene Alternative mit sinnvollen Inhalten zu füllen).
Kombination Text + Bild
- Das Bild bezieht sich inhaltlich auf eine Textpassage in unmittelbarer Umgebung.
- Im Text wird direkt Bezug auf das Bild genommen und dieses kurz erläutert.
- Worte und Bilder, die zusammengehören, sind nahe beieinander platziert.
- Das Bild macht den Text für Lesende konkreter und verständlicher.
- Das Bild zeigt genau das an, was im Text angesprochen wird.
- Das Bild wird in einem besonders schwierigen Teil des Textes verwendet.
- Das Bild ist Teil einer leicht verständlichen Textpassage und provoziert eine eigene bildliche Vorstellung.
- Die Aufgabenstellung ist klar und eindeutig formuliert.
- Es ist klar erkennbar, ob und wo das Aufgabenergebnis abgegeben werden soll.
- Zeitpunkt und Ort der Aufgabeneinreichung ist angegeben und unmissverständlich.
- Die Lernenden erfahren, was mit den Ergebnissen geschehen wird (z.B. Diskussion, Feedback, Benotung).
- Es gibt Hinweise auf Verbindlichkeit (z. B. was passiert, wenn jemand nicht oder verspätet abgibt).
- Format und Medium der Ergebnisse sind klar definiert (z. B. Darstellungsform, Hinweise zur Länge, Dateiformat).
- Die Sozialform für die Aufgabenbearbeitung und -einreichung ist deutlich (z. B. Einzel-, Paar- oder Gruppenarbeit).
- Für Nachfragen werden Kontaktdaten und -möglichkeiten angegeben.
- Videos mit Tonspur verfügen über Untertitel.
- Die im Video ausschließlich visuell wahrnehmbaren Elemente sind durch eine Audiodeskription beschrieben.
- Das Video wird durch eine Transkription als Alternativformat ergänzt.
- Für Videos, die keine Tonspur enthalten, stehen alternative Formate zur Verfügung (Audiodeskription oder Text).
- Eventuell vorhandene Musik im Video ist angemessen leise und passend, lenkt nicht ab. Musik in Videos kann hilfreich sein, um das Intro und Outro zu erkennen und sie kann helfen, die Aufmerksamkeit zu lenken, die Story zu unterstützen und eine bestimmte Stimmung zu erzeugen oder Emotionen zu wecken.
- Auch in Videos gelten die für Texte oben genannten Kriterien: kurz und ohne Verschachtelungen formulieren.
- Wenn Sie selbst im Video sprechen: Sprechen Sie langsam und deutlich. Legen Sie Sprechpausen ein.
- Das Video ist in Gebärdensprache übersetzt, wenn Gehörlose Zielgruppe der Inhalte sind.
Weiterführende Informationen
- 4 Tipps für barrierefreie Videos – So machst du deine Inhalte für alle zugänglich (Quelle: Aktion Mensch)
- Barrierefreie Videos (Quelle: Bundesministerium des Innern)
- Leitfaden barrierefreie Online-Videos (Quelle: BIK für alle, BIK = barrierefrei informieren und kommunizieren)
- Umsetzungshilfe “Video barrierefrei” (Quelle: openmoodle.uni-bielefeld.de)
Universitäten in Nordrhein-Westfalen haben gut strukturierte und umfassende Informationen zu barrierefreien Moodle-Kursen zusammengestellt:
Wichtige Kriterien für barrierearme Videokonferenzen
- Informationen über die Bedarfe der Teilnehmenden hinsichtlich der Barrierefreiheit einer Videokonferenz sind vorhanden. Teilnehmende hatten die Möglichkeit, diese Information vertraulich mitzuteilen.
- Teilnehmende wurden über technische Möglichkeiten des Videokonferenzsystems informiert.
- Material, das während der Videokonferenz benötigt wird, steht Teilnehmenden zur Vorbereitung zur Verfügung (Teilnehmende mit Beeinträchtigungen können das Material mit Assitenzprogramm vor der Konferenz sichten).
- Die Funktion für automatische Untertitel und Transkripte ist im Videokonferenzsystem aktiviert (Anleitungen siehe unten).
- Die Videokonferenz wird frühzeitig vor dem eigentlichen Beginn gestartet, damit Teilnehmende mit Beeinträchtigung Einstellungen am Computer (z. B. Schriftgröße) anpassen können.
- Nebengeräusche und Rückkopplungseffekte während der Konferenz sind möglichst ausgeschaltet.
- Regeln für die Kommunikation während der Konferenz werden transparent gemacht:
- Mehrere Möglichkeiten der Beteiligung, also beispielsweise schriftlich (per Chat) und mündlich (durch freigeschaltetes Mikrofon.
- Meldung per Handzeichen-Funktion im des Videokonferenzsystems, damit auch Nutzende von Screenreadern automatisch informiert werden, wer spricht.
- Sprechende Personen nennen zuerst ihren Namen, damit alle Teilnehmenden wissen, welche Person gerade spricht.
Da Zoom und Microsoft Teams die Standardsysteme für Videokonferenzen an der Universität Bamberg, finden Sie hier vor allem Informationen zu diesen beiden Systemen.
Weitere Inhalte folgen in Kürze

