Von Flötenspielern, Flashmob-Studies und dem Flow - Drittes TriaS-Treffen
Am 16. Januar 2026 fand das dritte TriaS-Treffen statt. Auch dieses Mal kamen erfahrene und neue studiosae und studiosi in bewährter Manier zusammen, um sich dem Thema „Musik und Tanz in der Antike“ zu widmen.
Am Vorabend wurden wir bereits auf die Thematik im wahrsten Sinne eingestimmt: So hielt PD Dr. Markus Stachon einen Gastvortrag mit dem Titel „Gibt es antike Melodien zu den Oden des Horaz?“, der uns eindrücklich die ureigene Musikalität von Sprache vermittelte und an Horazens Ode 1,38 auch selbst mit Gesang vorführte. Markus Stachon bereicherte zudem beim eigentlichen Treffen am darauffolgenden Tag den Austausch mit seiner Expertise, wofür wir sehr dankbar sind.
Mit dem dritten Treffen konnten wir die TriaS nun nicht nur als Tradition etablieren, sondern erfreulicherweise auch die bis dato größte Runde begrüßen.
Bei der zu Beginn üblichen Vorstellungsrunde zeigte sich, dass die Gruppe eine breite Expertise in musikalischen und bisweilen auch tänzerischen Fähigkeiten vorweisen konnte. Im Anschluss zeigte Annette Hillgruber schlaglichtartig einige Beispiele zu Musik und Tanz, die in engem Bezug zu Bamberg stehen. Diesen folgte ein Brainstorming zu individuellen und kollektiven Aspekten von Musik und Tanz in zeitgenössischer und überzeitlicher Perspektive. Hierbei sprudelten die Überlegungen nur so, was zu Gesprächen über den sogenannten Flow, über individuelle Geschmäcker, zur religiösen Dimension von Musik und Tanz und nicht zuletzt auch zur Frage führte, ob es sich bei einem ‚Flashmob‘ um ein modernes oder doch überzeitliches Phänomen handelt. Die vorläufige Lösung dieser Frage sollte nicht lange auf sich warten lassen:
Leon Oberst führte uns zu den Anfängen von Musik und Tanz im 5. Buch von Lukrezens Gedicht De rerum natura mit einer Einbettung in die Kulturentstehung, die Voraussetzungen und Impulse durch Nachahmung der Natur; die Diskussion sollte zeigen, dass Lukrez mit seinen Vorstellungen nicht weit von moderner Evolutionstheorie entfernt war. Mit dem Verweis darauf, dass es sich bei der Erfindung des rituellen Tanzes in diesem Gedicht um einen antiken – vielleicht den ersten bezeugten – Flashmob gehandelt haben könnte, bekräftigte Leon Oberst seine Position, dieser sei ein überzeitliches Phänomen – der Grundstein für eine neue Forschungsrichtung war gelegt: ‚flashmob studies‘. Josie Ostmann widmete sich der antiken Sängerfigur Orpheus anhand zentraler Texte von Apollonios von Rhodos, Vergil und Ovid und zeigte ihn als Kristallisationsfigur von Musik und Tanz und dem Wirken seines Leierspiels und Gesangs auf Tiere, Pflanzen und Menschen. Benjamin Sieber lenkte unseren Blick dann auf ekstatische Formen des Tanzes als Ausdrucksform von Gedanken- und Gefühlswelten, als kultische Performanz in dionysischer Manier, geradezu in einem Flow, sowie als List in der Aeneis.
Im zweiten, archäologischen Input des Tages breitete Jacob Schöning ein wahres Panorama der Darstellungen von Instrumentalisten aus, die wiederum unterschiedliche Phänomene widerspiegeln: Zum einen belegen sie mithilfe von technischen und sozialen Aspekten in der Darstellung sowie durch die gezeigten Figuren (Musen oder Apoll) einen kulturellen Transfer, und zwar von Griechenland nach Rom sowie von der Lyra zur Kithara. Zum anderen lässt sich mithilfe der Abbildungen auch nachvollziehen, dass Flöten- und Leier-Spieler in Vereinigungen von Berufsmusikern eingebunden waren und zu unterschiedlichen Gelegenheiten die musikalische Untermalung darboten: bei Kultfeiern und Leichenzügen, beim Sport und (Waffen-)Tanz, ja sogar beim Reiten.
Verschiedene kanonisierte Orpheus-Szenen schlugen dabei einen willkommenen Bogen zum philologischen Input. Schließlich kam die römische Orgel, die Hydraulis, zu ihrem Recht, die vermutlich nicht zuletzt das ‚Storytelling‘ bei Gladiatorenkämpfen unterstützte; ein Video zur Vorführung einer nachgebauten Orgel vermittelte uns einen Eindruck, wie dieses antike Musikinstrument geklungen haben könnte. An seinen Beitrag schlossen sich rege Diskussionen über Funktionsweisen von Instrumenten an, zu der die erfahrenen Musikerinnen und Musiker der Runde ihr Praxiswissen besteuern konnten; viele praktische Aspekte zur Bedienung und zum Klang insbesondere der Orgel bleiben für uns heute jedoch nach wie vor schwierig zu rekonstruieren.
Das wieder reichlich ausgestattete Mitbringbuffet bot Gelegenheit zur Vernetzung und wohlverdienten Pause, bevor der dritte Input die Disziplinen-Trias komplettierte: Den althistorischen Input teilten sich schließlich Quirin Blender und Caroline Kreutzer unter dem gemeinsamen Fokus auf antike Hymnen. Mit den Hymnen am Schatzhaus in Delphi waren erstmals auch Inschriften bei den Tria Studia prominent vertreten. Die Hymnen waren in Festkontexte eingebunden, hatten repräsentativen Charakter und unterliegen sprachlich einer klassischen Dreiteilung in Epiklese, Lobpreis und Bitte. Und die delphischen Hymnen beinhalten zudem eine einzigartige Besonderheit: sie überliefern die antike Notation von Musik. Mit dem ambrosianischen Hymnengesang ging es schließlich in die Spätantike: Es wurden Texte vorgestellt, die Einblicke in den spätantik-christlichen Kirchengesang liefern und bis heute durch ihr Nachwirkung bestechen. So banden die Hymnen die Kirchengemeinde in den Wechselgesang ein, wirkten in ihrer besonderen Gestaltung identitätsstiftend und verbanden die Gemeinde eng mit ihrem Bischof.
Die Abschlussdiskussion zeigte die hervorragende Verzahnung der Inputs und weckte Vorfreude auf weitere Treffen. Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das wunderbare Treffen und freuen uns auf die gemeinsamen Veranstaltungen im Sommersemester 2026 zum Leitthema „Schifffahrt in der Antike“!


