Rückblick auf die gesellschaftlichen Bedingungen von Gleichstellung
Das Verständnis von Gleichstellung hat sich über die Jahre verändert. Das liegt daran, dass sich die strukturellen Hürden verschoben haben und dass sich ein erweitertes Bewusstsein entwickelt hat.
1900 haben die ersten Frauen* in Deutschland ihre universitären Zulassungen bekommen. Selbstverständlich bedeutete das noch lange keine Gleichstellung. Zu der Zeit war das Studium für die gesellschaftliche Elite gedacht. Außerdem haben Studentinnen viel Gegenwind von Seiten ihrer Kommilitonen und Professoren erfahren. Nachdem die ersten Schritte in die richtige Richtung gegangen wurden, beschwor die NS-Ideologie das Idealbild von Frauen* als Mütter und Hausfrauen*. Das, was Weimar erreicht hatte, machte das NS-Regime zunichte. Nach dem Krieg nahmen Männer ihre (Führungs-)Positionen wieder ein und verdrängten Frauen* aus der Arbeitswelt in den häuslichen Raum. Nur weil etwas per Gesetz nicht verboten ist, heißt es nicht, dass es gesellschaftlich wirklich akzeptiert ist. Erst die zweite Frauen*bewegung Ende der 1960er und die Bildungsreform ebneten den Weg für eine signifikante Steigerung des Frauen*anteils in bestimmten Studienrichtungen.
Seit 1989 gibt es das Amt der Frauen*beauftragten – ein Meilenstein für die Gleichstellung an deutschen Universitäten.
Die Anfänge der Gleichstellungsarbeit an der Universität Bamberg
Die kUNIgunde-Ausgabe aus dem Wintersemester 1997/98 beschreibt die strukturellen Hürden, mit denen Frauen* konfrontiert wurden und werden. Die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf traf Frauen* stärker als Männer – dem ist auch im Jahr 2026 noch so. Studenten kamen häufiger zu Wort, Wissenschaftler bekamen häufiger eine Assistentenstelle und trotz der Gesetzeslage, die Frauen* unterstützen wollte, kamen die Gedanken der Gleichstellung nicht bei allen Professoren und Männern an.
Die Lehrveranstaltungen, die in der kUNIgunde thematisiert wurden, kämpften dagegen an. Es wurden Angebote zu Partner*innenschaft, alleinerziehenden Müttern, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Gewalt gegen Frauen* und vieles mehr zu Verfügung gestellt.
Allgemein lassen sich auch damals schon die Bemühungen der Universität Bamberg erkennen, Frauen* in der Karriere zu unterstützen und zu fördern. kUNigunde informiert jedes Semester über Seminare, die Interessierten beibringen, wie sie selbstsicher auftreten, wie eine Bewerbung geschrieben wird und welche Präsentationstechniken es gibt.
Gesetze und Richtlinien zugunsten der Gleichstellungsarbeit an Universitäten
Über Gesetze und Richtlinien aufzuklären, gehört auch zu den Aufgaben der kUNIgunde. Auch wenn das auf den ersten Blick ziemlich langweilig und trocken klingen mag, bilden Gesetze einen essenziellen Teil der Ermöglichung von Gleichstellungsarbeit. Sie sichern die Durchsetzung von Gleichstellungsanliegen an Universitäten.
In den 1990ern wird das bayrische Hochschulgesetz zugunsten der Frauen*beauftragten geändert: Gleichstellungsinteressen werden durch die Frauen*beauftragte in Gremien vertreten, Mutterschaftsurlaub und Elternzeit für Studierende werden verbessert und Gleichstellung wird Teil der Aufgabenbereiche jeder Universität.
Die Hochschulnovelle von 2006 markierte ebenfalls einen wichtigen Meilenstein. Das Stimmrecht der Frauen*beauftragten wurde maßgeblich aufgewertet, indem sie zu stimmberechtigten Mitgliedern in entscheidungsrelevanten universitären Gremien wurden. Auch die Arbeit der Frauen*beauftragten wurde unterstützt, indem sie erstmals von anderen Tätigkeiten entlastet wurden.
Ein weiterer Beitrag zur Gleichstellung stellt die Regelung des Mutterschutzgesetzes für Studierende dar. Seit 2018 werden Betroffene an Universitäten mit Hilfe von Schutzmaßnahmen unterstützt.
Das Gleichstellungsbüro Wissenschaft hieß früher Frauenbüro. Das hat sich aufgrund des bayrischen Hochschulgesetzes im Jahr 2023 geändert. Das bayrische Hochschulgesetz wurde in diesem Jahr zum Bayrischen Hochschulinnovationsgesetz. Damit haben sich Bezeichnungen und Rahmenbedingungen für die Gleichstellungsarbeit entwickelt. Aus „Frauenbeauftragte“ wurde „Beauftragte für die Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft und Kunst“. An der Uni Bamberg kürzen wir das ab und es bleibt: Gleichstellungsbüro.
Aufgepasst, Verwechslungsgefahr: Gleichstellungsbüro Wissenschaft und Gleichstellungsbeauftragte. Wer ist wer? Der kUNIgunde-Blog ist Teil des Gleichstellungsbüros Wissenschaft. Die Mitarbeitenden sind für Wissenschaftlerinnen, weibliche Lehrpersonen und Studierende zuständig. Die Gleichstellungsbeauftragten sind Teil der Verwaltung der Universität und sind für wissenschaftsstützendes Personal die Ansprechpersonen.
kUNIgunde über Förderung
2003 fällt in der kUNIgunde das erste Mal der Begriff „Gender Mainstreaming“. Diesbezüglich hat das Gleichstellungsbüro mit verschiedenen Kooperationspartner*innen einen Vortrag ins Leben gerufen. kUNIgunde erklärt: Gender-Mainstreaming verfolgt das Ziel Gleichstellung politisch und gesellschaftlich zu erreichen, indem Ungleichheiten bei allen Entscheidungen anerkannt und bekämpft werden. Heute wird Gleichstellung als Leitprinzip oder Querschnittsaufgabe der Universitäten festgehalten.
Mit der Initiative „Forschende Frauen in Bamberg“, die 2008 entstand, wurde Frauen* in der Promotion die Möglichkeit gegeben, ihre Arbeiten im Rahmen eines Kolloquiums zu präsentieren. Durch die Veröffentlichung der verschriftlichen Beiträge in der University of Bamberg Press wurde Wissenschaft von Frauen* gezielt in den Mittelpunkt gerückt und das Publizieren vereinfacht. Die Buchreihe wurde dieses Jahr endgültig eingestellt, da sich die wissenschaftlichen Karrieren verändert haben. Das Publizieren von Beiträgen in Fachzeitschriften ist gängige Praxis, daher braucht es keine Sammelbände von Early Career Researchers mehr.
Immer wieder berichtete die kUNIgunde über Kooperationen des Frauenbüros. Für Frauen*, die an der Gründung interessiert sind, gab es beispielsweise einige Jahre lang einen Gründer*innenworkshop, in dem Ideen präzisiert werden konnten und erste Gedanken zur Umsetzung entstanden.
Im Sommersemester 2007 verkündete die kUNIgunde die Verleihung des PUSh-Preises (Preis der Universitätsgleichstellungsbeauftragten in der Wissenschaft für Studentinnen mit hervorragenden Leistungen), mit dem damals Diplom-, Magister- und Zulassungsarbeiten und heute Master- und Zulassungsarbeiten ausgezeichnet werden. Damals war der PUSh Preis innovativ, heute zeichnet er sich durch sein 20-jähriges Bestehen aus. Fest steht: Früher wie heute werden Fördermaßnahmen wie der PUSh-Preis benötigt. In den darauffolgenden Semestern wurden weitere Initiativen eingeführt, die bei unterschiedlichen Stufen der akademischen Karriere ansetzen. Auszeichnungen, Stipendien und Preise sind keine Garantie für Erfolgsgeschichten, bedeuten keine unendlichen Ressourcen oder adressieren nur kleine Zielgruppen – dennoch sind sie essenziell und bilden eines der Mittel, mit denen das Ziel der Gleichstellung verfolgt wird. Die Verleihung des Preises findet im Rahmen des Festakts statt. Die kUNIgunde ist selbstverständlich jedes Jahr mit dabei und berichtet über die Preisträgerinnen und die Veranstaltung. Hier findet ihr den Beitrag des letzten Festaktes.
Trotz der inzwischen ausgereiften Förderung von Frauen* in der Wissenschaft, existiert nach wie vor die leaky pipeline. Die beschreibt, dass es zwar sehr viele Frauen* gibt, die studieren, aber viel weniger Professor*innen als Professoren. Der Frauen*anteil nimmt mit jeder Qualifikationsstufe überproportional ab – das gilt nicht nur für die Wissenschaft.
kUNIgunde über Rolemodels der Universität Bamberg
kUNIgunde interviewt seit 1999 Professorinnen der Universität Bamberg und berichtet über ihre individuellen Erfolgsgeschichten. Es zeigen sich unterschiedliche Lebensläufe, verschiedene Startbedingungen für eine wissenschaftliche Karriere und eindrucksvolle Persönlichkeiten. In der Rubrik „Professorin an der Universität Bamberg“ führt die kUNIgunde im Wintersemester 2012/13 ein Gespräch mit Prof. Dr. Astrid Schütz, die heute Universitätsgleichstellungsbeauftragte in der Wissenschaft ist. Die kUNIgunde begleitet erfolgreiche Frauen* in der Wissenschaft jahrelang und bietet Lesenden einen Einblick in ihre inspirierenden Werdegänge.
Apropos Rolemodels… diejenigen, die sich mit den Fördermöglichkeiten für Frauen* an der Uni Bamberg auskennen, kennen ihren Namen: Bettina Paetzold, beziehungsweise den gleichnamigen Bettina-Paetzold-Preis. Die Namensträgerin war die erste Frauen*beauftragte der Uni Bamberg. In den Jahren 1989 bis 1991 hielt sie dieses Amt inne – also vor der Geburtsstunde der kUNIgunde. Der Preis, der als Karriereförderungsmöglichkeit fungiert, richtet sich an Lehrpersonen, die zu genderbezogenen Themen forschen und keine Dauerstelle haben. Studierende der Uni Bamberg können Kandidierende vorschlagen.
kUNIgunde und 30 Jahre Gleichstellungsarbeit
Strukturelle Hürden haben sich verschoben und die kUNigunde hat zeitgemäß über Lehrveranstaltungen der Uni berichtet, die sich mit genau denen auseinandersetzen. Das Bewusstsein für Gleichstellung hat sich erweitert und die kUNIgunde hält Interessierte inzwischen über den Online-Blog am Laufen. kUNIgunde berichtete stolz darüber, dass der Frauen*anteil bei den Professuren anwuchs – inzwischen stagniert dieser allerdings.
Bei allen Entwicklungsstufen, Erfolgen und Misserfolgen der vergangenen 30 Jahre war die kUNIgunde dabei. Auch die Mitwirkenden der Gleichstellungsarbeit der Universität Bamberg verfolgen das Ziel der institutionellen Gleichstellungsarbeit unermüdlich – heute so wie vor 30 Jahren.



