Festakt 2025 (2/2): Bettina-Paetzold-Preis und PUSh-Preis
Text: Sophia Wagner
Dies ist der zweite Teil der Berichterstattung über den Festakt. Der Bericht zu den Grußworten und zum Festvortrag findet sich hier.
Zehn Jahre Bettina-Paetzold-Preis für gute Genderlehre
„Was haben wir dem entgegenzusetzen?“, fragt PD Dr. Gabriele Mehling, Universitätsgleichstellungsbeauftragte, nach dem Festvortrag. Ihre Antwort: Wissen. Und dieses Wissen wird insbesondere durch gute und gendersensible Lehre vermittelt, die von den Gleichstellungsbeauftragten in der Wissenschaft jährlich mit dem Bettina-Paetzold-Preis für gute Genderlehre ausgezeichnet wird. In diesem Jahr wurde der Bettina-Paetzold-Preis bereits zum zehnten Mal verliehen, worüber auch im Vorfeld des Festakts auf dem Uni Blog berichtet wurde. Für den Preis können Studierende und Fakultäten Dozierende vorschlagen, die im vergangenen Jahr besonders gute Lehre mit Bezug zu den gender studies gemacht haben. Insgesamt wurden in diesem Jahr 12 Dozierende für den Preis vorgeschlagen. Das Fächerspektrum war dabei überraschend groß. So hebt Gabriele Mehling hervor, dass nicht nur Lehrveranstaltungen aus Literatur-, Kulturwissenschaft und Soziologie eingereicht wurden, sondern auch aus Psychologie, Volkswirtschaftslehre und Informatik. Dies zeigt, wie relevant genderbezogene Lehre für das gesamte Fächerspektrum der Universität sei.
Die Entscheidung für den Preis wird vom Gleichstellungsbeirat Wissenschaft getroffen, der unter fünf Nominierten eine Auswahl trifft. Aufgrund der unterschiedlichen Themen, Lehrmethoden und Persönlichkeiten ist dies in diesem Jahr schwergefallen, sodass sich am Ende gleich viele Stimmen für zwei sehr verschiedene Seminare gefunden haben: Der Bettina-Paetzold-Preis 2025 geht daher an Leonie Ackermann (Informatik) mit dem Seminar „Digital Violence against Women and Minorities“ und an Dr. Mareike Spychala (Amerikanistik) mit dem Seminar „Hijab Scenes: Arab American Literature and Culture“.
Preisträger*innen 2025: Leonie Ackermann und Dr. Mareike Spychala
Dass beide Preistäger*innnen sich nicht nur akademisch mit den Themen Gender und Feminismus beschäftigen, sondern Gleichstellung auch aktiv leben, zeigt sich in ihren Dankesreden. So weist Leonie Ackermann darauf hin, dass der heutige Tag auch Tag der Menschenrechte sei, was untrennbar mit dem Thema der digitalen Gewalt zusammenhänge: „Digitale Gewalt ist eine Menschenrechtsverletzung, die vor allem Frauen und marginalisierte Gruppen trifft.“, so Leonie Ackermann. Fey weist auf die schwierige Finanzierungslage vieler Gewaltberatungsstellen hin und widmet damit die eigene Bühne dem Wunsch, diese zu unterstützen. Mareike Spychala leitet ihre Rede mit einem Zitat von bell hooks ein: "One of the most vital ways we sustain ourselves is by building communities of resistance, places where we know we are not alone." Solche communities of resistance versuche sie in ihren Seminaren zu schaffen und diese seien es auch, in Form von Freund*innen, Familie oder Kolleg*innen, die hinter ihr und ihrer wissenschaftlichen Arbeit stünden. Der Preis sei damit nicht allein ihr Verdienst, sondern auf die Unterstützung vieler zurückzuführen. „Danke an die Gemeinschaft, die mich trägt.“, schließt sie.
PUSh – Absolventinnenpreis für außergwöhnliche Leistungen
“Mit dem PUSh Preis begann im Jahr 2007 die Geschichte des Festakts.”, erzählt Prof. Dr. Silvia Annen, stellvertretende Universitätsgleichstellungsbeauftragte. Durch den Preis für besonders gute Abschlussarbeiten soll Studentinnen ein Anstoß für ihre wissenschaftliche Karriere mitgegeben werden und gewürdigt werden, welchen Herausforderungen sie zu bewältigen hatten. „Außergewöhnliche Leistungen erhalten nach wie vor zu wenig Sichtbarkeit – und die Menschen, die sie erbringen, viel zu selten die Chance, als role models wahrgenommen zu werden.“, so Silvia Annen.
Die Preisträgerinnen in diesem Jahr können gleich in mehrfacher Hinsicht als Vorbild dienen. So haben sie alle durch ihre Abschlussarbeiten ein hohes Maß an Durchhaltevermögen und wissenschaftlicher Neugier erkennen lassen, zudem waren sie alle innerhalb ihrer Familien die ersten an der Universität. Für diese persönlichen und wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet wurden in diesem Jahr Judith Albert (Neuere deutsche Literaturwissenschaft), Julia Halbritter (Informatik), Linda Ruppert (Berufliche Bildung/Neuere deutsche Literaturwissenschaft) und Lilly Schmitt (Psychologie).
Talkrunde mit den PUSh-Preisträgerinnen
Lilly Schmitt beschreibt ihre Reaktion auf den Gewinn des PUSh-Preises folgendermaßen: „Ich habe nie das Gefühl gehabt, etwas Außergewöhnliches geleistet zu haben - eher einfach mein Bestes gegeben, wie so viele. Erst durch den Preis ist mir bewusst geworden: Ich habe wirklich etwas geschafft.“ Dieses Gefühl können die meisten Preisträgerinnen teilen. So erzählt Linda Ruppert, dass sie zu Beginn ihres Studiums nie hätte absehen können, auf welchen Weg sie dieses einmal führen würde, ganz zu schweigen davon, dass sie dieses mit einem Preis beenden würde. Dies ermutige sie, ihren Weg weiterzugehen und sie hofft, dass es auch andere Frauen ermutigen wird. Auch Julia Halbritter kann andere Studentinnen nur ermutigen, sich auf den Preis zu bewerben. Gerade das Verfassen des Motivationsschreibens habe sie als wertvollen Anlass zur Selbstreflexion empfunden, der ihr bewusst gemacht habe, was sie in ihrem Studium alles geschafft habe und wie viel sie eigentlich kann. Auf die Frage, was die wichtigste Erkenntnis aus ihrer Masterarbeit war, antwortet Judith Albert: „Es braucht mehr Frauen in der Forschung.“ Hierfür gibt es vom ganzen Saal Applaus.
Und mit diesen Worten beschließt Silvia Annen den offiziellen Teil des Abends und leitet den geselligen Teil ein, bei dem alle Anwesenden bei Essen und Getränken zusammenkommen können und den Abend gemeinsam ausklingen lassen. Danke an alle, die da waren und dieses Jahr der Gleichstellung mit uns gefeiert haben!



