Bernhard Heininger/Birgit Kastner: Antijudaistische Texte im Neuen Testament und deren Rezeption in der Kunstgeschichte am Beispiel des Bamberger Doms. Befund, historisch-kritische Einordnung und Vorschläge zum Umgang im Heute

Theologisches Forum am 07.12.2023

Prof. Dr. Bernhard Heininger, Lehrstuhl für Neutestamentliche Exegese an der Universität Würzburg, eröffnete den Abend mit der Problematisierung antijudaistischer Texte im Neuen Testament bei Paulus, Matthäus und Johannes. Die hier begegnende antijüdische Polemik ist Teil eines innerjüdischen Diskurses, der zur Ausdifferenzierung von Christentum und Judentum geführt hat.

Besonders wies Heininger auf die katastrophale Rezeptionsgeschichte dieser Texte im Christentum hin, welche Dr. Birgit Kastner, Hauptabteilungsleiterin für Kunst und Kultur im Erzbistum Bamberg, durch ihren Vortrag über antijudaistische Darstellungen in der christlichen Kunst illustrierte. Ein wichtiges theologisches Motiv für antijüdische Darstellungen ist die Substitutionstheorie, der zufolge das Christentum das Judentum als erwähltes Volk ablöse. Bildlich wird dieses Programm so dargestellt, dass die figurale Allegorie der Ecclesia über die Synagoga triumphiert. Damit einhergehen typische antijudaistische Bildmotive wie ein gebrochener Stab und die Augenbinde der Synagoga, wie man diese auch an der Figur des Fürstenportals des Bamberger Doms heute noch sehen kann. Derartige Stereotype erlangen in Schmähplastiken wie der „Judensau“ ihren traurigen Höhepunkt.

Außerdem stellte Kastner Vorschläge zum aktuellen Umgang mit diesen Zeugnissen antijüdischer Theologie vor. Das Erzbistum hat sich diesbezüglich im Dialog mit christlichen und jüdischen Gesprächspartner:innen  auf einen 10-Punkte-Plan geeinigt, wie die Figuren von Ecclesia und Synagoga bzw. ihre programmatische Gegenüberstellung am Dom heute angemessen zu kontextualisieren sind.


Den Text verfasste Felicitas Kissling. Er steht Journalist:innen zur freien Verfügung.