Intensivtierhaltung

Einblicke in landwirtschaftliche Positionierungen unter Berücksichtigung christlichreligöser Motivationen

Am 15.12.2022 referierte Prof. Dr. Barbara Wittmann in der Vortragsreihe Theologisches Forum zum 15. Nachhaltigkeitsziel der UN (SDG 15: »Leben an Land«). Unter dem Titel »Intensivtierhaltung. Einblicke in landwirtschaftliche Positionierungen unter Berücksichtigung christlichreligöser Motivationen« stellte Sie Ergebnisse ihrer eigenen Feldforschung vor und zur Diskussion.

Barbara Wittmann begann ihren Vortrag mit einem Blick auf die Historie der Skandalisierung von Massentierhaltung, bevor sie die Ergebnisse ihrer eigenen Studie vorstellte, bei der sie Interviews mit mehreren Landwirt:innen geführt hat. Das Ziel der Befragung war es, die Positionierung der Landwirte zu den Tieren und der Umwelt- und Klimaproblematik zu beleuchten. Besonders deutlich wurde dabei, dass sich die Befragten als Randgruppe wahrnehmen, die sich von Stimmen aus Medien, Presse und Politik, aber auch von kirchlichen Playern stark unter Druck gesetzt fühlt. Hier werde kaum Dialogbereitschaft wahrgenommen, weshalb nicht selten Resignation und Rückzug als Reaktionen auf die Kritik auszumachen sind.

Dabei identifizieren sich viele der Intensivtierhaltung betreibenden Landwirte sehr stark mit ihrem Beruf und sehen sich in der Verantwortung, insbesondere Familienbetriebe an die nächste Generation weiterzugeben. Obwohl die ökonomischen Interessen im Vordergrund stehen, zeigt sich beim Großteil der Befragten Anteilnahme am Wohl der Tiere bis hin zu der Sehnsucht nach einer ent-ökonomisierten Bindung. Die Verantwortung für die Umwelt wird jedoch weniger auf dem eigenen Hof als vielmehr in gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen verortet, die Landwirtschaft hier nur als ein Aspekt unter vielen wahrgenommen.

Der nächste Abend im Theologischen Forum wird am 12. Januar 2023 stattfinden. Zu Gast sind Sr. Dr. Katharina Ganz (Kloster Oberzell) und Mara Klein (Universität Münster) mit Inputs zum SDG 5 (»Geschlechtergerechtigkeit«). Die Beiträge und Diskussion werden unter dem Titel „Horizonte und Ambivalenzen von Geschlechtlichkeit in der gegenwärtigen kirchlichen Diskussion“ stehen. Alle Interessierten sind zur Teilnahme (in Präsenz oder Live-Stream) herzlich eingeladen.


Den Text verfasste Judith Albert. Er steht Journalist:innen zur freien Verfügung.