Prof. Dr. Andreas Huth
Laufende Projekte
1a Nostra Donna di gesso. Die Madonna Romoli-Martini dell’Ala im Berliner Bode-Museum

Projekt gemeinsam mit den Staatlichen Museen zu Berlin – Skulpturensammlung im Bode-Museum
Thema
Unter den zahlreichen Madonnen-Reliefs des Florentiner Quattrocento im Bode-Museum befindet sich ein Stück, das von dem geschäftstüchtigen Florentiner Maler Neri di Bicci sorgfältig gefasst und vergoldet sowie mit einem Rahmen versehen wurde. Bei dem Relief handelt es sich um einen Gipsabguss, dessen Vorlage von Desiderio da Settignano (ca. 1430–1464) stammt. Die Zuschreibung und der stilkritische Befund werden durch einen ungewöhnlich ausführlichen Eintrag vom 11. Februar 1465 im Werkstattbuch des Malers bestätigt. In ihm wird auch ein Hersteller von Goldfäden als Auftraggeber genannt. Dessen Familienwappen und das seiner Ehefrau sind auf dem Rahmensockel angebracht, was die Identifizierung des Berliner Reliefs mit dem im Werkstattbuch notierten Auftrag erlaubt. Nicht zuletzt wegen dieser präzisen Informationen hat sich das gemeinsam mit Alexander Röstel (Technische Universität Berlin) und Kolleg:innen aus dem Bode-Museum (Hiltrud Jehle, Marion Böhl und Julia Niemetz für die Abteilung für Restaurierung und Neville Rowley, Kurator für frühe italienische Kunst) entwickelte Projekt vorgenommen, das Tabernakel aus verschiedenen Perspektiven zu untersuchen. Hierzu zählen unter anderem Fragen nach der Herstellung und den eingesetzten Techniken und Materialien, nach eventuellen Überarbeitungen, Ergänzungen und Restaurierungen und dem Auftraggeber sowie nach der Verbindung zu zwei weiteren erhaltenen Varianten und zu dem in Philadelphia aufbewahrten Marmorrelief mit demselben Motiv (sog. Madonna Foulc).
Die Untersuchungsergebnisse werden publiziert und voraussichtlich 2029 im Rahmen einer Sonderausstellung im Bode-Museum der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Projektbeteiligte:
Prof. Dr. Andreas Huth – Universität Bamberg
Dr. Alexander Röstel – Technische Universität Berlin, Staatliche Museen Berlin / Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst im Bode-Museum, Kurator für italienische Skulptur
Dipl. Rest. Julia Niemetz, Wissenschaftliche Museumsassistentin in Fortbildung – Staatliche Museen Berlin / Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst im Bode-Museum, Abteilung für Restaurierung und Kunsttechnologie
Dipl. Rest. Hiltrud Jehle – Staatliche Museen Berlin – Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst im Bode-Museum, Abteilung für Restaurierung und Kunsttechnologie
Dipl. Rest. Marion Böhl – Staatliche Museen Berlin – Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst im Bode-Museum, Abteilung für Restaurierung und Kunsttechnologie
Dr. Neville Rowley, Kurator für frühe italienische Kunst, Gemäldegalerie, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst
Publikationen
- Andreas Huth, Fassung verloren: Das Verhältnis der Kunstgeschichte zu gefassten Bildwerken des Quattrocento, in: VDR - Beiträge zur Erhaltung von Kunst und Kulturgut, 1 (2020), S. 23-37. Link
- Alexander Röstel, Andreas Huth, Più di “una Nostra Donna di gesso”: sulla singolarità dei rilievi prodotti a calco, in: Tra arte e industria. La serialità della scultura nel Rinascimento, hsrg. von Aldo Galli, Beatrice Rosa und Marco Scansani, Rom 2026, S. 65–80.
Die gepflegte Stadt. Quellen und Praxis kommunaler Bauämter (1350–1550)

Projekt in Zusammenarbeit mit der Tucher Kulturstiftung, Nürnberg und dem Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg
Finanzielle Förderung durch die Tucher Kulturstiftung und das Zentrum Mittelalterstudien der Universität Bamberg
Thema
Nürnberg war bereits im 15. Jahrhundert eine große Stadt, zu deren Funktionieren ein vom Rat bestellter “stat paumeister” beitrug. Er hatte sich um die kommunalen Baustellen zu kümmern, die notwendigen Gewerke zu organisieren, die Forstwirtschaft und die Steinbrüche zu beaufsichtigen, Großveranstaltungen vorzubereiten und für den Schutz vor Feuer und Überschwemmungen zu sorgen – ein anspruchsvolles Amt, das es in ähnlicher Form bis heute gibt. 1462–1475 schrieb der damalige Baumeister Endres Tucher (1423–1507) alles aus seiner Perspektive Notwendige in einem „Baumeisterbuch“ nieder, das seinen Amtsnachfolgern eine möglichst präzise Übersicht über die Aufgaben, Erfordernisse und Gefahren des Amtes sowie Tuchers Erfahrungen liefern sollte. Das 250 Blatt umfassende Buch ist Eigentum der Paul Wolfgang Merkel’schen Familienstiftung und befindet sich als Dauerleihgabe im Germanischen Nationalmuseum.
Anlässlich des 550. Jubiläums nehmen ein Workshop, die Ausstellung “Baustelle Nürnberg. 550 Jahre Baumeisterbuch des Endres Tucher” (2025/2026) am Germanischen Nationalmuseum und zwei begleitende Seminare an der Universität Bamberg diese bislang noch nicht angemessen gewürdigte Schrift in den Blick.
Projektbeteiligte
Prof. Dr. Andreas Huth – Universität Bamberg
Florian Abe – Tucher Kulturstiftung, Nürnberg
Dr. Heike Zech – Germanisches Nationalmuseum
Dr. Sabine Tiedtke – Germanisches Nationalmuseum
Ausstellung “Baustelle Nürnberg. 550 Jahre Baumeisterbuch des Endres Tucher” (04. Dezember 2025 - 25. Mai 2026)
- https://www.gnm.de/ausstellungen/aktuell/baustelle-nuernberg
Publikation
- Die gepflegte Stadt. Quellen und Praxis kommunaler Bauämter (1350–1550), hrsg. von Florian Abe und Andreas Huth, Bamberg 2026 (erscheint in Kürze)