Promotionsprojekt
Der Geograph als Held? Albert Tafels wissenschaftliche geo- und ethnographische Forschungstätigkeit während seiner Reise 1903–08 nach Westchina/Osttibet
Ziel der disziplinhistorisch angelegten Dissertation ist es, anhand der Rekonstruktion einer geo- und ethnographisch orientierten Forschungsreise des deutschen Geographen, Geologen und Arztes Albert Tafel nach Osttibet und Westchina zu Beginn des 20. Jh. vom ersten Impuls für die Reise bis zur Rezeption der daraus entstandenen Publikationen mit einer Tendenz zur Heroisierung des Forschers die nach dem damaligen Verständnis wissenschaftliche Wissensgenerierung darzustellen. Ausgehend von einem biographischen Ansatz soll untersucht werden, welche epistemischen Praktiken Tafel – mit der Perspektive eines ‚doing truth‘ – bei seiner Forschungstätigkeit eingesetzt hat. Weiterhin soll, unter Berücksichtigung seiner Sozialisation in einer ehrbaren Familie Stuttgarts und während der Wilhelminischen Epoche, herausgearbeitet werden, welche Handlungskompetenzen und epistemischen Tugenden bei Tafel bestanden und bestimmend für sein Vorgehen waren. Auch soll analysiert werden, ob Tafel bei seiner ethnographisch orientierten Feldforschung und der Präsentation seiner daraus entstandenen Forschungsergebnisse einen für die damalige Zeit neuen Ansatz gewählt hat, der bisher aus einer historiographischen Perspektive noch nicht untersucht worden ist.