Neuerscheinung
Herausgegeben von Christof Hamann, Christoph Jürgensen und Antonius Weixler
Hermann Kinder hat die Aporien der 1968er Generation so umfassend und gültig dargestellt, wie wenig andere Autoren der Nachkriegsliteratur: von der Schilderung des Aufbruchs dieser Generation aus verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen über ihren Weg durch die sog. ›Instanzen‹ bis hin zu Alter und körperlichem Verfall. Die Kritik hat Kinders Werk wiederholt zu würdigen gewusst: Selten sei ein Generationengefühl »so präzise und grimmig komisch« beschrieben worden, wie von diesem »ungemein klugen und skrupulösen Erzähler«, so Hilmar Klute. Aleida Assmann wiederum würdigt die »Autorität eines Kenners, der ohne Mätzchen, Schnörkel, Effekte und andere Selbstvergrößerungstechniken auskam.« Trotz seiner erzählerischen Qualitäten war Kinder Zeit seines Lebens ein vom Betrieb marginalisierter Autor. Gerade seine Randständigkeit macht ihn indes zu einem der spannendsten ›Fälle‹ für eine Sozial- und Literaturgeschichte verbindende Perspektive. Seine weitgehend prekäre Rezeptionsgeschichte zeigt viel über das Funktionieren des literaturkritischen wie literaturwissenschaftlichen Betriebes der BRD seit den 1970er Jahren (bzw. gesamtdeutsch seit 1990). Der Sammelband untersucht systematisch sowohl die Rezeptionsgeschichte als auch sämtliche Werkphasen dieses ›halbvergessenen‹ Autors.
Göttingen: Wallstein 2026, ISBN 978-3-8353-6119-5
