Demonstration zur fehlenden Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung
Bamberg, den 09.05.2026:
Über 200 Personen demonstrierten heute im Rahmen des deutschlandweiten „Aktionsmonat Mai (https://psyfako.org/weiterbildung/#aktionsmonat)“ vom Bahnhofsvorplatz bis zum Maximiliansplatz in Bamberg für die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung.
Der „Aktionsmonat Mai“, initiiert von PsyFaKo e.V. und PtW Forum, findet drei Jahre nach der Bundestagspetition (https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2023/_03/_23/Petition_148151.html) zur Finanzierung der Psychotherapie-Weiterbildung mit über 72.000 Unterschriften und höchstmöglichem Votum des Petitionsauschusses statt. Absolvent*innen der neuen Psychotherapie-Studiengänge sind auf die die fünfjährige Weiterbildung angewiesen, um Fachpsychotherapeut*innen zu werden. Die Finanzierung dieser ist seit der Reform des Ausbildungsweges im Jahr 2019 jedoch immer noch nicht geklärt. Der psychotherapeutische Nachwuchs und Unterstützer*innen sind somit für ihre Zukunft und die Sicherstellung der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland laut geworden.
“Was mich persönlich am meisten belastet, ist nicht einmal die Anstrengung, oder die Verantwortung, die der Beruf mit sich bringt. Es ist diese permanente Unsicherheit und diese schreienden Ungerechtigkeiten, die an mir nagen und mich sukzessive aushöhlen, noch bevor ich überhaupt in diesem „helfenden Beruf“ angekommen bin.”, kritisiert Masterstudentin Ricarda Gerlinghaus aus Bamberg.
Zudem warnt Evamaria Meier, Masterstudentin aus Regensburg und im Team der Studierendenvertretung der Psychotherapeut*innenkammer Bayern aktiv, vor den Konsequenzen der Untätigkeit der Politik: “Bei der Weiterbildung geht es um eine inhaltliche Qualifikation, die eine Behandlung nach dem Facharztstandard sicherstellen soll. Fehlt die Weiterbildung, wird sich nicht nur der bereits bestehende Versorgungsengpass verschärfen. Auch die Qualität der Behandlungen wird leiden - zulasten unserer Patient*innen.”
Ohne eine gesicherte Finanzierung wird die Zahl neuer Fachpsychotherapeut*innen dramatisch sinken. Bereits jetzt gibt es kaum Weiterbildungsplätze, was Absolvent*innen des neuen Weiterbildungssystems in eine ungewisse Zukunft stürzt. Mittelfristig führt dies zu einer großen Verschärfung der ohnehin kritischen psychotherapeutischen Versorgungslage, da bereits jetzt über 30% der heutigen Psychotherapeut*innen über 60 Jahre (https://gesundheitsdaten.kbv.de/cms/html/16397.php) als sind und altersbedingt aus dem Versorgungssystem ausscheiden werden. Obwohl jedes Jahr 2.500 Absolvierende der neuen Studiengänge fertig werden, wird ihnen aktuell die Weiterqualifikation zur Fachpsychotherapeut*in verwehrt.
Paul Knoblach, Mitglied des Bayerischen Landtags und im Ausschuss Gesundheit, Pflege und Prävention, macht im Zuge dessen darauf aufmerksam, dass “wir als Gesellschaft etwas viel Größeres verlieren: die soziale Gerechtigkeit. Und genau deshalb ist das hier auch eine demokratische Frage. Denn eine Demokratie funktioniert nur, wenn Teilhabe möglich bleibt, wenn niemand durchs Raster fällt, wenn Menschen gesehen werden.“
Ein erster Erfolg war, dass die Problematik der Finanzierung der Weiterbildung im vergangenen Jahr in den Koalitionsvertrag (https://www.koalitionsvertrag2025.de/) der SPD und Union aufgenommen wurde: „[Wir] stellen die Weiterbildungsfinanzierung in der Psychotherapie sicher.“ Im November 2025 wurde das
Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (https://dserver.bundestag.de/btd/21/026/2102641.pdf) verabschiedet,
in welchem erste Regelungen zur Finanzierung der Weiterbildung in Ambulanzen enthalten sind. Diese Regelungen reichen jedoch bei Weitem nicht aus. Die Finanzierung in den Ambulanzen wurde nur unzureichend geregelt und Praxen, MVZ und Kliniken wurden überhaupt nicht berücksichtigt. Zudem verschärfen die zum 01.04.2026 in Kraft getretenen Honorarkürzungen (https://www.aerzteblatt.de/news/honorarkurzung-fur-psychotherapeuten-beschlossen-6abedcce-557a-4223-9b83-e1ca9b30786d) ambulanter psychotherapeutischer Leistungen die Situation drastisch. Die geplanten Kürzungen in der Psychotherapie im Zuge der Reform der gesetzlichen Krankenkassen (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/gkv-beitragssatzstabilisierungsgesetz) werden die bereits problematische Situation weiter verschlimmern. Konkrete Lösungsvorschläge für die Situation sind in der Broschüre (https://ptw-forum.de/wp-content/uploads/2026/04/2026_PtW-Forum_Weiterbildung-Broschuere_Hyperlinks_v4.pdf) des PtW Forums zu finden.
Im Rahmen des „Aktionsmonat Mai“ wird in 14 Städten in Deutschland demonstriert. Am 02.05. in Landau demonstrierten bereits 150 Personen für die gesetzliche Regelung der Finanzierung der Weiterbildung, ebenso in Freiburg am 07.05. mit über 300 Personen und in München am 08.05. mit über 500 Personen. Die Demonstrationen in den weiteren Städten folgen in den nächsten Tagen und Wochen. Schon in der Vergangenheit gab es eine Vielzahl an Demonstrationen (https://psyfako.org/weiterbildung/), unter anderem in Berlin (Jun und Okt 2024), Hamburg (Okt 2024, Jun 2025), Bamberg (Okt 2024), München (Mär 2025) und Frankfurt (Jan 2026).
Pressekontakt: Lilli Herbelßheimer; fachschaft-huwi.stuve@uni-bamberg.de



