Neue Publikation zeigt Bedeutung der Lohnfortzahlung für das Arbeiten trotz Krankheit
Während in Deutschland und anderen europäischen Ländern über die Höhe des Krankenstands und mögliche Kürzungen der Lohnfortzahlung diskutiert wird, weist eine neue Studie auf einen bislang oft übersehenen Aspekt hin: das Arbeiten trotz Krankheit.
Ein Forschungsteam um den Bamberger Soziologen Prof. Dr. Marvin Reuter hat untersucht, wie gesetzliche Regelungen zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall mit sogenanntem Präsentismus zusammenhängen. Präsentismus bezeichnet das Verhalten von Beschäftigten, trotz gesundheitlicher Beschwerden zur Arbeit zu gehen.
Für die Studie analysierten Marvin Reuter sowie seine Koautorinnen und Koautoren Tabea Gau, Sophie-Charlotte Meyer und Sascha Alexander Ruhle Daten von knapp 20.000 Beschäftigten aus 35 europäischen Ländern. Diese Informationen wurden mit den jeweiligen nationalen Regelungen zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verknüpft.
Die Ergebnisse zeigen: Beschäftigte in Ländern mit großzügigeren gesetzlichen Regelungen zur Lohnfortzahlung gehen seltener krank zur Arbeit. Darüber hinaus erklären Unterschiede in den Krankengeldsystemen einen beträchtlichen Teil der Unterschiede im Präsentismusverhalten zwischen europäischen Ländern.
Die Befunde sind gesundheitspolitisch relevant. Wer trotz Krankheit arbeitet, riskiert nicht nur eine verzögerte Genesung und eine Verschlechterung des eigenen Gesundheitszustands. Insbesondere bei Infektionskrankheiten steigt zudem das Risiko, Kolleginnen und Kollegen anzustecken.
Diskussionen über die Ausgestaltung der Lohnfortzahlung konzentrieren sich häufig auf Fehlzeiten. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass auch die Folgen von Präsentismus berücksichtigt werden sollten.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift European Journal of Public Health veröffentlicht und ist frei zugänglich.
Publikation:
Reuter, M., Gau, T., Meyer, S.-C. & Ruhle, S. A. (2026). Variation in presenteeism by generosity of statutory sick pay: a multilevel analysis in 35 European countries. European Journal of Public Health, Volume 36, Issue 4, August 2026.
DOI: https://doi.org/10.1093/eurpub/ckag093
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