Forschungsthemen

Sprache, insbesondere Schriftsprache, Lesen und Schreiben

Sprache, insbesondere Schriftsprache, Lesen und Schreiben

In Deutschland gelten etwa 6.2 Millionen Erwachsene als gering literalisiert. Über die vielfältigen Ursachen, die zu geringer Literalität führen, wissen wir allerdings vergleichsweise wenig. Seit langem bekannt ist hingegen, dass kognitive Ursachen zur Entstehung von Lese- und Rechtschreibproblemen bei Kindern (Lese- Rechtschreib- Störung, LRS) beitragen. Zu nennen sind hier beispielsweise mangelnde phonologische Bewusstheit, ein beeinträchtigtes phonologisches Arbeitsgedächtnis oder Aufmerksamkeitsprobleme. Inwieweit diese und andere kognitive Faktoren für die Entstehung geringer Literalität Erwachsener relevant sind, ist jedoch weitgehend ungeklärt. So liegt nur bei ca. 5% der gering literalisierten Erwachsenen eine diagnostizierte LRS vor. Das Konzept der LRS fokussiert vor allem auf die Lesegeschwindigkeit, während geringe Literalität von Erwachsenen vor allem über mangelndes Leseverständnis operationalisiert wird.

Wir nutzen Methoden der kognitiven Neurowissenschaft wie psychometrische Testverfahren, fMRT (funktionelle Magnetresonanztomografie) und EEG/EKP (Elektroenzephalografie; ereigniskorrelierte Hirnpotenziale) um zu untersuchen, welche kognitiven Prozesse und neuronalen Netzwerke am Leseprozess beteiligt sind, wie sich diese bei normgerecht und nicht normgerecht lesendenden Personen unterscheiden und wie sich die neuronalen Lesenetzwerke durch Training verändern. Unsere Forschungsergebnisse fließen in die Entwicklung von Trainingsprogrammen für Kinder und Erwachsene mit Schriftsprachproblemen ein. Weiterhin entwickeln und evaluieren wir Trainingsprogramme für gering literalisierte Erwachsene.

Neueste Publikationen:

Arendt, D, Rüsseler, J (2026). Lese-/Rechtschreibstörung und geringe Literalität bei Erwachsenen: Eine empirische Analyse von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. In: Weimann-Sandig, N, Wagner, H, Schneiderat, G, Schneider, J, Möhring, M, Schuhr, J (Hrsg.): Geringe Literalität, hohe Relevanz: Neue Wege für die Sozialforschung. Wiesbaden: Springer VS.

Rüsseler, J (2025). Analphabetismus und geringe Literalität Erwachsener in Deutschland. Grundlagen und Praxis. Göttingen: Hogrefe. 

Affekt bei wiederkehrenden Entscheidungen

Welche Rolle spielt Affekt bei wiederkehrenden Entscheidungen?

Emotionen wird bei irrationalen als auch bei rationalen Entscheidungen eine bedeutsame Rolle zugeschrieben. Im alltäglichen Leben werden wir ständig mit ähnlichen bzw. gleichen Entscheidungen konfrontiert. In unserer Forschung interessieren wir uns dafür, wie man den affektiven Einfluss bei wiederkehrenden Entscheidungen konzeptionalisieren könnte. Gundsätzlich betrachten wir prädezisionalen Affekt, den wir in gegenwärtigen und erwarteten Affekt unterteilen. Auf Basis dieser gefunden Konzepte wollen wir verstehen, wie bzw. zu welchem Teil wiederkehrende Entscheidungen vorhergesagt werden können, wie objektive Informationen sich in den affektiven Konzepten wiederspiegeln und ob die einzelen Konstrukte miteinander interagieren.

Neueste Publikation: 

Jäger, DT, Rüsseler, J (2025). Time matters: On the predictive power of current, short- and long-term expected valence in an experience-bases learning task. Frontiers in Psychology, Section Emotion Science. 16:1570369.

Klinisch-neuropsychologische Forschung

Altern, Demenz und Zweitspracherwerb

Etwa 1.8 Millionen Menschen sind allein in Deutschland von Demenzen betroffen (Stand: Ende 2023). Dabei handelt es sich um verschiedene kognitive Einschränkungen, wobei Probleme des Gedächtnisses vorherrschend sind. Demenzen können verschiedene Ursachen haben und treten vorwiegend im höheren Lebensalter auf. In unserer Forschung  (Kooperation mit Prof. Merel Keijzer, Bilingualism and Aging Lab an der Univeristät Groningen, Niederlande), untersuchen wir, inwieweit das Erlernen einer Fremdsprache im Senior:innenalter einen positiven Einfluss auf kognitive Funktionen hat und welche Veränderungen in neuronalen Netzwerken dadurch angestossen werden (Konnektivitätsanalyse aus dem Ruhe-EEG und Studie mit ereigniskorrelierten Hirnpotenzialen). Damit möchten wir einen Beitrag zur Demenzprävention und -behandlung leisten. 

 

Neuropsychologie in der neurologischen Frührehabilitation

In Kooperation mit dem Klinikum Hohe Warte Bayreuth, Klinik für Neurologie, führen wir Forschungsarbeiten zu Neuropsychologie in der neurologischen Frührehabilitation durch. PD Dr. Philipp Keune und Dr. Sascha Hansen sind als Wissenschaftler der Abteilung assoziiert; Romy Springer, Susanne Kargl und Rüdiger Arlt sind als externe Doktorand:innen der Abteilung assoziiert. Nähere Informationen dazu sind auf der Seite des psychologischen Dienstes des Klinikums Hohe Warte Bayreuth zu finden:

https://klinikum-bayreuth.de/psychologischer-dienst#c15743

Neueste Publikation:

Springer, R, Hansen, S, Wilhelm-Meister, R, Kargl, S, Arlt, R, Oschmann, P, Rüsseler, J, Keune, PM (2026). Implementing a Guided Imagery Intervention for Early Rehabilitation Patients with Acquired Brain Injury in Intensive Neurological Care: Feasibility and Preliminary Efficacy. Neuropsychological Rehabilitation, in press.

 

Weitere klinisch-neuropsychologische Forschung

Kleinere Forschungsprojekte (im Rahmen von Bachelor- und Master-Arbeiten) widmen sich der Emotionserkennung bei visuellem Neglect (Kooperation mit verschiedenen neurologischen Kliniken, insbesondere Schön-Klinik, Bad Staffenstein) und der Rolle von Gender in der neuropsychologischen Therapie.