Universität Bamberg - Logo

News Neuere Deutsche Literaturwissenschaft

Bayerische Akademie des Schreibens

Sherko Fatah liest aus Ein weißes Land
ausführlich

Unter den Flügeln der Nacht

Nevfel Cumart liest Gedichte
ausführlich

Poetikprofessur 2013

Jenny Erpenbeck kommt nach Bamberg
ausführlich

Alle aktuellen Nachrichten

Literatur in der Universität

Im Rahmen der Reihe "Literatur in der Universität" finden seit 1977 in unregelmäßigen Abständen Lesungen namhafter Autorinnen und Autoren der Gegenwart statt: mittlerweile über 120 Veranstaltungen.

So lasen auf Einladung des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft bereits Uwe Johnson (1979), Adolf Muschg (1980), Ralf Rothmann (1988, 2004), Martin Walser (1979, 1993, 2008), Felicitas Hoppe (1997, 2003), Norbert Gstrein (2005),  Katharina Hacker (2010) und, in jüngster Zeit, Jenny Erpenbeck und Feridun Zaimoglu (beide 2012) an der Universität Bamberg.

 

Eine Übersicht über die jüngsten Veranstaltungen finden Sie hier.

 

Sie möchten regelmäßig über die Veranstaltungen des Lehrstuhls informiert werden? Dann senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Betreff "Literatur in der Universität" an das Sekretariat unter inge.stopfer(at)uni-bamberg.de.

Zwischen Ost und West: Grenzgänger-Lesungen

Im Rahmen dieser Vortragsreihe stellen renommierte Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Bü̈cher vor, die Grenzen und Grenzüberschreitungen zwischen Ost und West beschreiben. Dabei handelt es sich um literarische Werke, deren Entstehung – wie auch die Bamberger Vortragsreihe selbst – durch das Grenzgänger-Programm der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin unterstützt wurde. Kolja Mensing, Jenny Erpenbeck, Olga Grjasnowa, Feridun Zaimoglu, Julia Schoch und Sibylle Lewitscharoff lesen an sechs Abenden ausgewählte Passagen aus ihren Grenzgänger -Texten. Anschließend berichten sie über ihre Recherchen, über Schwierigkeiten, unverhoffte Entdeckungen und die literarische Verarbeitung ihrer eigenen Grenzgänger - Erfahrungen. 

Die Gegenwartsliteratur ist einer der Forschungsschwerpunkte an der Universität Bamberg: Diese Veranstaltung lenkt nun die Aufmerksamkeit auf deren interkulturelle Ausrichtung. Geographische, kulturelle, sprachliche, politische und gesellschaftliche Grenzen und Grenzüberschreitungen gehören zu den wichtigsten literarischen Sujets der Gegenwart. Die im Rahmen der Vortragsreihe vorgestellten Bücher reflektieren zum einen die Wirkungsmacht mentaler, gesellschaftlicher und politischer Grenzziehungen – und stellen ihr zugleich genuin literarische Grenzüberschreitungen entgegen.

 

Die Autorinnen und Autoren lesen immer mittwochs, am

24.10.2012 Kolja Mensing: Die Legenden der Väter (2011)

21.11.2012 Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (2008) 

12.12.2012 Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012) 

9.1.2013 Feridun Zaimoglu: Hinterland (2009) 

23.1.2013 Julia Schoch: Kaliningrader Nacht (2008) 

30.1.2013 Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff (2009)

 

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Der Eintritt ist frei!

 

Die Vortragsreihe wird unterstützt von der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin.

Die Autorinnen und Autoren der Lesereihe

Kolja Mensing, 1971 in Oldenburg geboren, lebt als freier Schriftsteller und Journalist in Berlin. In seinem autobiografisch geprägten Debütroman Wie komme ich hier raus? (2002) reflektiert er die eigene Kindheit in der Provinz sowie die (Un-)Möglichkeit, dieser langfristig zu entkommen. In Bamberg stellt Mensing seine biografische Veröffentlichung Die Legenden der Väter (2011) vor, in der er sich auf Spurensuche begibt und der Figur seines ihm nur durch die väterlichen Erzählungen bekannten Großvaters nachspürt. Die akribischen Recherchen führen Mensing in Archive, Kirchenchroniken und schließlich nach Polen in jene oberschlesischen Ortschaften, aus denen der Großvater stammt. Die geplante Annäherung an den Großvater weicht jedoch sukzessive der ernüchternden Entzauberung einer Heldenfigur, die es so nur in den Erinnerungen des Vaters gegeben hat.

Jenny Erpenbeck, geboren 1967 in Ost-Berlin, hat verschiedene Theaterstücke und Erzählungen veröffentlicht, die unter anderem mit dem Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2001 honoriert wurden. In Bamberg stellt sie ihren Roman Heimsuchung (2008) vor, in dessen Zentrum ein Familienanwesen am Ufer des märkischen Scharmützelsees steht. Erpenbeck verzichtet in ihrem Roman auf ein chronologisches, lineares Erzählen und überlässt den unterschiedlichen Bewohnern des Hauses die Erzählstimme. Zusammen mit dem Haus werden damit rund 100 Jahre deutscher Geschichte porträtiert – 100 Jahre, die nicht nur auf dem Grundstück am Scharmützelsee deutliche Spuren hinterlassen haben.

Olga Grajsnova wurde 1984 in Baku, Aserbaidschan, geboren und zog 1996 gemeinsam mit ihrer Familie nach Berlin. In Bamberg liest sie aus ihrem überaus erfolgreichen Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012), für den sie zuletzt mit dem Klaus- Michael-Kühne-Preis ausgezeichnet wurde. Mascha, die Protagonistin, ist eine jüdische Aserbaidschanerin, die mit elf Jahren gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland flüchtet und hier früh erfahren muss, „dass Sprachen Macht bedeuteten“. In der Folge eignet Mascha sich verschiedene Sprachen an, beherrscht fünf schließlich fließend und hat nur ein Ziel: eine Karriere als Übersetzerin bei der UNO. Ein tragischer Schicksalsschlag lässt Mascha Frankfurt und Deutschland den Rücken kehren und führt sie nach Israel. Auch hier bleibt sie jedoch heimatlos. 

Feridun Zaimoglu, 1964 in der Türkei geboren, lebt seit mehr als 35 Jahren in Deutschland. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangt er 1995 mit seinem semifiktiven Interviewband Kanak Sprak (1995) oder auch mit seinem vielfach preisgekrönten Roman Leyla (2006). In Bamberg liest er aus seinem 2009 erschienenen Roman Hinterland, einem, so der Autor in einem Interview, „Buch der vielen Schauplätze“. Darin wird der Leser mit einer im Sinne der Romantik verzerrten Wirklichkeit konfrontiert, die ihn – mal märchenhaft verzaubert, mal orientalisch übersteigert – auf eine faszinierende Reise schickt: von Prag durch die Türkei, auf die Insel Föhr, nach Budapest und an den Plattensee, nach Krakau und schließlich zurück nach Berlin.

Julia Schoch, 1974 in Brandenburg geboren, studierte Germanistik und Romanistik und lebte längere Zeit in Paris, Bukarest und Kaliningrad. Für ihre literarischen Texte, etwa den Erzählband Der Körper des Salamanders (2001) oder den Roman Mit der Geschwindigkeit des Sommers (2009) wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In Bamberg stellt sie ihr erstes Hörspiel Kaliningrader Nacht (2008) vor, das mit einem tragischen Unfall beginnt. Auf der Suche nach ihrem Freund wird eine Frau auf regennasser Straße von der Straßenbahn erfasst und verunglückt tödlich. Bald stellt sich jedoch die Frage, was wirklich passiert ist und wie schmal die Grenze zwischen Unfall und Verbrechen verlaufen kann. 

Sibylle Lewitscharoff wurde 1954 in Stuttgart als Tochter eines bulgarischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren. Für ihre Erzählung Pong erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis, dem zahlreiche weitere Auszeichnungen für das in der Folge veröffentlichte Romanwerk folgten. In Bamberg liest die Autorin aus ihrem Roman Apostoloff (2009), der den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. Dabei handelt es sich um ein Roadmovie der besonderen Art: Die Ich-Erzählerin überführt gemeinsam mit ihrer älteren Schwester die exhumierten Überreste ihres früh verstorbenen Vaters von Stuttgart nach Bulgarien, wo die Leichenreste endlich in heimatlicher Erde begraben werden sollen. Aus dem Wagenfenster heraus erfolgt die widerwillige Annäherung an das eigentlich verhasste Herkunftsland, das ambivalente Emotionen hervorruft und zugleich Kindheitserinnerungen an eine schwierige Vaterfigur weckt.

 

 

Das Grenzgänger-Seminar zur Lesereihe

Immer donnerstags, von 10 bis 12 Uhr, findet in Raum U5/01.17 das von Prof. Dr. Friedhelm Marx und Dr. Stephanie Catani veranstaltete gleichnamige Seminar zur Lesereihe statt. Wie bei der Bamberger Poetikprofessur werden die Autorinnen und Autoren dieses Seminar am Tag nach ihren Grenzgänger -Lesungen besuchen und mit den Studierenden sowie mit allen interessierten Lesern über ihre Texte sprechen.