Die Villa Kunigunde am Mittleren Kaulberg: zehn abgeschlossene Wohnungen, ein Gemeinschaftsraum, ein Gästezimmer, ein Büro und eine Arztpraxis sind hier untergebracht.
Eva McBride, Renate Rupprecht und Julia Kremtz (v.l.n.r.) im gemeinsamen Garten hinter der Villa Kunigunde...
... der einen wunderschönen Blick auf den Dom bietet.
Gemeinsam leben!
Elf Erwachsene zwischen 20 und 73 Jahren und drei Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren bewohnen die Villa Kunigunde. Dazu zählen auch zwei Studierende der Universität Bamberg: Julia Kremtz (22) studiert im sechsten Semester Psychologie, Eva McBride (22) im zweiten Semester BWL. Gemeinsam mit Renate Rupprecht (66), einer der Initiatorinnen des Wohnprojekts, sprechen sie über alternatives Wohnen in Bamberg.
Möglichkeiten des altersgerechten Wohnens
Die Villa Kunigunde beherbergt zehn abgeschlossene Wohnungen, die bis zu fünf Zimmern groß sind. Im Gebäude gibt es einen Gemeinschaftsraum, ein Gästezimmer, ein Büro und eine Arztpraxis. Außerdem grenzt ein großer Gemeinschaftsgarten an. Die Idee zur Gründung eines Wohnprojektes entstand bereits 2003, richtete sich damals aber noch vorrangig an eine Altersgruppe knapp unter 60. „Wir waren auf der Suche nach einer langfristigen Lösung, auch in hohen Jahren altersgerecht wohnen zu können. Bei Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens sollten die anderen Bewohner Möglichkeiten haben, sich gegenseitig zu unterstützen. Außerdem wollten wir als Nutzergemeinschaft unseren Wohnraum selbst verwalten“, beschreibt Renate Rupprecht die gemeinsamen Ziele.
Schließlich kam es zur Gründung des gemeinnützigen Vereins WEGE (Wohnen - Eigenständig - Gemeinschaftlich - Engagiert). Bald fand sich im Anwesen am Mittleren Kaulberg 38 ein geeignetes Objekt, das nach der Überwindung vieler finanzieller und planerischer Hürden 2005 umgebaut werden konnte. Seit Anfang 2006 heißt das Haus Villa Kunigunde und ist vollständig bezogen.
Leben in heterogener Zusammensetzung
Eva zählt zu den ersten Bewohnern der Villa. 2006 zog sie mit ihrer Mutter ein. Als sie sich entschloss, in Bamberg zu studieren, bot sich die Möglichkeit, eine eigene Wohnung in der Villa zu beziehen. Julia stieß erst etwas später hinzu. Als sie 2009 auf Wohnungssuche in Bamberg war, um ihr Psychologiestudium zu beginnen, erweckte eine Wohnungsanzeige der Hausgemeinschaft ihr Interesse. Diese trifft in gemeinsamer Abstimmung Entscheidungen über die Neuvermietung frei werdender Wohnungen. Wie in Bamberg seit geraumer Zeit üblich, war Nachfrage groß. „Nach einem Vorstellungsgespräch haben wir uns aber einstimmig für Julia entschieden“, erinnert sich Renate Rupprecht. Auf ein gemeinsames Probewohnen bestand die Hausgemeinschaft hingegen nicht.
Julia schwärmt: „Mein Wohnraum ist ideal. Wie in einer WG finde ich hier Gemeinschaft, kann aber auch jederzeit meine Wohnungstür hinter mir schließen und alleine sein.“ Zum Leben in studentischen Wohngemeinschaften gibt es aber noch viele weitere Unterschiede. „In WGs ist die Zusammensetzung der Mitbewohner meist sehr homogen, Kontakt zu älteren Menschen ergibt sich dort nur selten“, erläutert Eva. Wenn sie von ihren Wohnverhältnissen erzählt, könnten sich viele aber nichts Konkretes darunter vorstellen. Julia erklärt: „Wenn wir davon sprechen, in einem Mehrgenerationenhaus zu leben, denken die meisten, wir würden hier alles gemeinsam machen. Aber das ist natürlich ein Missverständnis, wir sind ja keine Kommune.“
Das Zusammenleben mit Menschen der unterschiedlichsten Altersgruppen empfinden Julia und Eva als sehr bereichernd. Renate Rupprecht betont: „Wenn man bereit ist zu lernen, ergibt sich hier im Haus für jeden ein großes Feld der persönlichen Weiterentwicklung.“ Alle Mitbewohnerinnen und Mitbewohner hätten die Möglichkeit, Toleranz in all ihren Facetten zu üben, auch wenn die Älteren in ihren Ansichten gelegentlich etwas festgefahren seien. „Natürlich muss man Verständnis aufbringen, wenn jemand etwas Bestimmtes seit 30 Jahren so macht“, ergänzt Julia.
Hilfe in allen Lebenslagen
Im Gemeinschaftsraum trifft sich die Hausgemeinschaft einmal im Monat zum gemeinsamen Kochen, zu Versammlungen und Besprechungen. Wer den Raum nutzen möchte, trägt sich auf einer Tafel ein. Auch können Vorschläge zu gemeinsamen Ausflügen oder Grillabenden gemacht werden. „Gezwungen wird aber keiner“, sagt Renate Rupprecht. Vielmehr habe man eine offene Atmosphäre, die allen Bewohnern eine Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten ermögliche, wann immer sie es wünschten.
Die Hausgemeinschaft nutzt gemeinsame Waschmaschinen, wie dies auch in jeder WG üblich ist. Überdies gibt es einen gemeinsamen Werkzeugkasten, und wer ein Auto leihen möchte, kann gerne bei den anderen Hausbewohnern fragen. Gegenseitige Hilfe in allen Lebenslagen ist für die Bewohner selbstverständlich. Festgeschriebene Regeln des Zusammenlebens gebe es nicht, erläutern die beiden Studentinnen. Zu den haushaltlichen Pflichten zählten so zunächst nur das Putzen der gemeinsam genutzten Räume, Gartenpflege und Schneeräumen. In jeder Wohnung wird ein eigener Haushalt geführt. „Dort kann jeder machen, was er für richtig hält“, erklärt Renate Rupprecht. Anders ist es im großen Garten. Neben einer Imkerei gibt es dort auch ein Hühnergehege und große Gemüse- und Kräuterbeete. Entscheidungen zur Nutzung werden gemeinsam getroffen und jeder der Bewohner sollte sich an der Bewirtschaftung und Pflege des Gartens beteiligen.
Eva und Julia können sich das Leben in einem Wohnprojekt auch nach ihrem Studium vorstellen, zumindest wenn wie in der Villa Kunigunde alle Zugang zu einer eigenen Wohnung haben. „Uns hätte nichts besseres passieren können“, schließen Eva und Julia das Gespräch ab.
Weitere Informationen zur Villa Kunigunde
Nächste Gelegenheit, die Villa Kunigunde kennenzulernen, bietet ein „Tag der Offenen Haustür“ am 23. September. Zwischen 11 und 18 Uhr findet dort unter anderem ein Flohmarkt statt.
Außerdem gibt es am 17. Oktober um 19.30 Uhr einen Informationsabend.


