Andreas Hübner absolviert ein Teilzeitstudium an der Universität Bamberg.

Ingrid und Horst Jungk sind Gaststudierende an der Universität Bamberg.

- Regina Neumann

Alternative Studienformen gesucht?

Teil 2: Teilzeitstudium, Gaststudium

Seit nunmehr 18 Jahren sind Horst und Ingrid Jungk aus Memmelsdorf Gaststudierende: Zunächst besuchte das vitale Ehepaar Veranstaltungen an den Unis in Bremen und Regensburg, bevor es 2004 nach Memmelsdorf bei Bamberg zog. Seitdem sind die Jungks an der Uni Bamberg eingeschrieben und am liebsten in Veranstaltungen der Geschichtswissenschaften, der Kunstgeschichte oder Theologie zu Gast. Kürzlich haben die beiden auch noch die Philosophie für sich entdeckt. „Ein hartes Brot“, meint der 81-Jährige Horst Jungk. Dass manchmal der Kopf nach der Vorlesung raucht, gehe wahrscheinlich nicht nur ihnen so, fügt seine drei Jahre jüngere Frau verschmitzt lächelnd mit Blick auf ihre wesentlich jüngeren Kommilitoninnen und Kommilitonen hinzu. Warum die beiden sich immer gemeinsam interessante Studienangebote heraussuchen? „Wissen Sie, es waren damals arbeitsreiche Jahre, in denen ich sehr wenig Zeit für die Familie hatte. Dies möchte ich jetzt nachholen“, erzählt der vielseitig interessierte Pensionär, dessen Erststudium in den 50er Jahren sich der Eisenhüttenkunde widmete.

Aus gänzlich anderen Motiven hat sich Andreas Hübner nach seinem Bachelor in Architektur für ein Masterstudium Denkmalpflege entschieden: „Man muss zehn Semester studiert haben, um in die Architektenkammer zu kommen. Ein Masterstudium ist in diesem Fall für jeden Bachelorstudenten unerlässlich“, meint er. Der Studiengang in Bamberg, den es sonst nur in Berlin und an wenigen privaten Instituten gebe, sei zum einen inhaltlich das „Non-Plus-Ultra“ und zum anderen genieße er darüber hinaus nach erfolgreich in Bamberg abgeschlossenem Studium das Vertrauen der Denkmalbehörde.

Parallel zu seiner Berufstätigkeit in einem Architekturbüro, das auf Denkmalpflege spezialisiert ist, hat er den Studiengang als Vollzeitstudium begonnen. Als Berufstätiger musste er aber aus zeitlichen Gründen auf viele Angebote verzichten, weswegen er die Möglichkeiten, die das Vollzeitstudium ihm bot, nie voll ausschöpfen konnte. Nach zwei Vollzeit-Semestern profitiert er nun seit dem Wintersemester 2011/12 von der Einführung der Teilzeitstudiengänge. Ein Modell, das unter den Kommilitoninnen und Kommilitonen noch nicht sehr bekannt sei, stellt Hübner bedauernd fest.

Unterschiedliche Rahmenbedingungen

Für beide alternative Studienformen gelten unterschiedliche Rahmenbedingungen im Vergleich zum Vollzeitstudium: Die Regelstudiendauer eines Teilzeitstudiums ist doppelt so lang wie die des Vollzeitstudiums. Entsprechend wird im Teilzeitstudium nur die Hälfte der Studienbeiträge erhoben, das heißt 225 Euro im Vergleich zu 450 Euro für ein Semester im Vollzeitstudium. Bis zu 18 ECTS dürfen pro Semester eingebracht werden. Werden mehr Credit Points in einem Teilzeitsemester erworben, so werden zwei Teilzeitsemester gezählt und die restlichen Studienbeiträge erhoben. Der Wechsel zwischen Vollzeit- und Teilzeitstudium ist jedes Semester möglich.

Wer ein Gaststudium an der Universität Bamberg aufnimmt, tut dies zwar vor allem aus Interesse an einzelnen Wissensgebieten. Doch auch Gaststudierende müssen sich einschreiben und dazu ihre Originalzeugnisse als Nachweis ihrer Zugangsberechtigung mitbringen. Voraussetzung ist eine allgemeine Hochschulreife oder eine Mittlere Reife. Die Gebühr für das Gaststudium richtet sich aber nicht nach ECTS-Punkten, weil es bei dieser Studienform ja nicht um Prüfungsleistungen geht, sondern nach Anzahl der Semesterwochenstunden (SWS). Wer Veranstaltungen bis zu vier Semesterwochenstunden besucht, bezahlt je Semester 100 Euro, die Gebühr für fünf bis acht SWS ist 200 Euro und wer neun oder mehr Stunden pro Woche an Veranstaltungen teilnehmen möchte, muss 300 Euro entrichten. Ausgewählt werden können alle Veranstaltungen, die im Verzeichnis für Gaststudierende aufgelistet sind, also Vorlesungen und Seminare.

„Wir sind mittendrin“

Mittendrin zwischen all den jungen Studierenden fühlt sich das Ehepaar Jungk richtig wohl an der Universität. „Man hat nicht den Eindruck, dass es Anfeindungen gegen Seniorenstudierende gibt“, meint Horst Jungk. Kontakt mit anderen Studierenden habe man eigentlich keinen, und auch andere Gaststudierende kenne man meist nur vom Sehen. Das liegt aber auch daran, dass die beiden Senioren pro Semester nur zwei Veranstaltungen besuchen. Und auch von den Dozenten würde man wie alle anderen Studierenden behandelt. Allerdings achten die beiden Gaststudierenden selbst darauf, dass sie keine Veranstaltungen besuchen, die überfüllt sind, um den anderen Studierenden keine Plätze wegzunehmen. „Wir müssen nicht. Die jungen Leute müssen“, ergänzt Ingrid Jungk.

Am liebsten geht das Ehepaar in den altehrwürdigen, unteren Vorlesungssaal im Gebäude An der Universität 2. Dass man sich im neuen Gebäude in der Markusstraße aber auch sehr wohl fühlen könnte, da sind sich beide einig. Auch Hübner lobt die tolle Atmosphäre in Bamberg, an der die Dozierenden ihren Anteil haben: „Es ist einfach schön in Bamberg zu studieren.“ Gerade ein Studiengang wie die Denkmalpflege sei in der Weltkulturerbestadt mit seinen historischen Gebäuden am richtigen Ort. Der Kontakt mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie den Dozenten sei immer super. „Ein besseres Netzwerk kann man sich nicht vorstellen.“ Das läge natürlich auch am Studiengang, in dem sich viele Fachgebiete treffen. Es ist eine Bereicherung, dass die Studierenden über ganz unterschiedliche Fachkenntnisse verfügen, zum Beispiel aus der Archäologie, der Architektur oder der Geschichte, und diese ins Studium einbringen können.

Das Studium- eine Bereicherung fürs Leben

Schon jetzt kann Hübner das, was er in seinem Studium lernt, direkt im Beruf anwenden. „Das habe ich gar nicht so gedacht.“ Dies motiviert ihn zusätzlich, zwei Tage die Woche von seinem Wohnort Nürnberg nach Bamberg zu pendeln. Außerdem sieht er im Studium einen gewissen Ausgleich zu seiner Berufstätigkeit und eine gute Möglichkeit, eine andere Perspektive auf die eigene Arbeit zu bekommen.

Eine grundsätzliche Schwierigkeit besteht für Hübner in der Doppelbelastung: Sie erfordert gutes Organisationstalent – gerade auch die Verwaltung des Studiums nehme viel Zeit in Anspruch. „Der Student ist immer in der Bringschuld.“ Ohne das Verständnis und die Unterstützung des Arbeitgebers wäre die Vereinbarkeit von Studium und Erwerbstätigkeit wohl sehr schwer, gibt Hübner zu. „Aber mein Arbeitgeber profitiert natürlich auch davon”, fügt er hinzu. Eine Bereicherung stellt das Gaststudium auch für das Ehepaar Jungk dar. Nach der Pensionierung konnten sie sich ganz ihren Interessen widmen. Ihr Wissen in Kunstgeschichte beispielsweise nützt bei ihren zahlreichen Reisen, die sie gerne nach Italien oder Frankreich unternehmen.

Wenn sie deswegen eine Sitzung verpassen, ist das nicht so schlimm. „Letztes Sommersemester haben wir ausgesetzt, weil wir sehr viel unterwegs waren“, erzählt die agile Seniorin. Während Hübner sein Masterstudium wohl in Kürze abschließt, denken die beiden vitalen Senioren noch nicht daran, aufzuhören. Wer die beiden sieht und ihnen beim Erzählen zuhört, wird ohne Zweifel Ingrid Jungks Meinung zustimmen: „Man muss dran bleiben, sich beschäftigen. Das fördert das Denken und hält jung.“

Der Artikel ist dem aktuellen Universitätsmagazin uni.vers Modern studieren im Welterbe entnommen.