"Wie sehe ich die Welt" war das Thema der Kinder-Uni-Vorlesung, die vom Hörsaal in die verschiedenen Labore der Bamberger Psychologen führte (Foto: Matthias Hoch/Fränkischer Tag).
Roboter Horst auf Zickzackkurs
Claus-Christian Carbon ist Psychologe. Das heißt, er erforscht, wie andere Menschen denken. Und er macht aus einer Kinder-Uni-Vorlesung ganz einfach eine Experimentier-Stunde: Gemeinsam mit 50 kleinen Studenten hat er am Samstag herausgefunden, wie Menschen sehen, schmecken und fühlen.
Und wie Roboter Horst das macht. Er kann zwar weder besonders gut schmecken noch fühlen. Aber dank zweier lustig blinkender Roboter-Augen kann er zumindest sehen. Besonders gerne sieht Roboter Horst Licht. Als die elfjährige Carmen mit einer riesigen Taschenlampe auf den Boden leuchtet, fährt er laut summend dem Licht hinterher. Bis sein Papa, Diplom-Psychologe Marius, zwei Kabel umsteckt: Plötzlich fährt Horst ganz schnell weg, wenn man ihn anleuchtet. "Ich habe sein Gehirn umprogrammiert", sagt Marius. Jetzt kann Horst Licht nicht mehr leiden.
Roboter Horst zu sagen, was er mag und was nicht, ist also ziemlich einfach. Wir Menschen sind komplizierter. Bei uns kann man nicht einfach Kabel umstecken und dann gehen wir gerne in die Schule. Und es wird noch komplizierter: Manchmal sehen, fühlen oder wollen wir sogar etwas, das es gar nicht gibt!
Unser Gehirn nimmt Sachen an, die gar nicht stimmen
Daran ist unser Gehirn schuld. Weil es einfach Sachen annimmt, die gar nicht stimmen. Auch Janas Gehirn macht das ab und zu. Zum Beispiel bei den zwei schwarzen Klötzchen. Erst soll die Achtjährige das eine hochheben - es ist ziemlich schwer. Dann beide gleichzeitig. Ihre Hand schießt nach oben. "Ich habe gedacht, sie sind viel schwerer", sagt sie kichernd. Weil ihr Gehirn angenommen hat, dass das untere Klötzchen genauso schwer ist wie das obere. Es war aber ganz leicht - und schwupps hat Jana viel zu viel Kraft eingesetzt.
Stellt euch vor: Manche Menschen nutzen solche Illusionen sogar gezielt aus! Zum Beispiel diejenigen, die "Der Herr der Ringe" gemacht haben, also den Film mit den Hobbits. Im Film sind die Hobbits ziemlich klein - aber wie Kinder sehen sie trotzdem nicht aus.
Ein Stuhl, der gar kein Stuhl ist
Dazu mussten die Filmemacher tricksen: Sie haben ausgenutzt, dass man kleiner aussieht, wenn man weiter weg ist. Und dass das Gehirn bekannte Dinge auch dann sieht, wenn sie gar nicht da sind. Zum Beispiel einen Stuhl, den Claus-Christian Carbon mitgebracht hat und der eigentlich keiner ist: Er besteht aus einem Unterteil ohne Sitz und einer Sitzfläche, die ein paar Meter weiter hinten auf dem Boden liegt.
Wenn man sich an einen bestimmten Platz stellt, denkt das Gehirn, das Ober- und Unterteil zusammen gehören - und sieht einen Stuhl. Und weil ein Mensch, der auf der Sitzfläche sitzt, viel weiter vom Auge weg ist, als ein Mensch, der neben dem Unterteil steht, sieht es aus, als ob der stehende Mensch riesengroß ist - und der sitzende ganz klein.
Nach Sehen und Fühlen war dann noch der Geschmackssinn dran - worüber manche Kinder nicht so richtig glücklich waren: "Uäh", sagt Amelie, während sie sich ein Papierstäbchen mit gelbem Punkt in den Mund steckt. "Uäh, es schmeckt so sauer."
Und es wird noch schlimmer: Die Stäbchen mit dem blauem Punkt schmecken salzig, die mit dem grünen bitter. Nur beim orangefarbenen Punkt weiß keiner genau, was das sein soll. "Schmeckt wie Sojasauce. Oder Chips", sagt Anton. "Ich will noch eines", sagt Alwin.
Glutamat macht süchtig
"Das liegt daran, dass dieser Geschmack süchtig macht", erklärt ihm Psychologiestudentin Janika. Denn was die Kinder geschmeckt haben, ist Umami, der Geschmack von Glutamat - das dafür verantwortlich ist, dass wir ständig Chips essen wollen.
Außer Alwin beeinflusst das aber die wenigsten: Amelie verzieht weiterhin angeekelt das Gesicht - und entspannt sich erst, als sie Traubenzucker bekommt. Eines haben die Kinder-Uni-Studenten also auf jeden Fall gelernt: Den Menschen zu erforschen ist nicht einfach.
