Laudatorin Libuše Spáčilová
Helmut Glück freute sich über die traditionelle Förderung der deutschen Sprache in Olmütz.
Die Feier fand in altehrwürdigem Rahmen statt - mit Talaren und Doktorhüten.
„Mit Leib und Seele Germanist“
Zur feierlichen Verleihung der Ehrendoktorwürde an Dr. Helmut Glück, Professor für Deutsche Sprachwissenschaft/Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bamberg, waren Ende September 2011 Kollegen und Freunde aus Bamberg und Bochum angereist. Die Feier in der altehrwürdigen Aula fand in traditionellem Rahmen statt: Die Olmützer Rektoren und Dekane sowie die Rektoren der Nachbaruniversitäten trugen Talare, Amtsketten und Barette. Das passte zum Ort des Geschehens: 1573 gegründet ist die Palacký-Universität Olomouc die zweitälteste Universität Tschechiens, wie die Otto-Friedrich-Universität Bamberg als Jesuitenhochschule gestiftet. Namenspatron der Universität ist František Palacký, ein tschechischer Historiker und Politiker, der sich für die tschechische Nationalbewegung engagierte und wie Helmut Glück eine Liebe zur Linguistik zeigte: Er beherrschte zehn Sprachen.
Die Germanistik-Institute der Universitäten Bamberg und Olmütz arbeiten seit mehr als einem Jahrzehnt zusammen. Zwei gemeinsame Forschungsprojekte entwickelten sich daraus: Im Jahr 2000 entstand eine kommentierte Bibliographie der in den böhmischen Ländern herausgegebenen Lehrbücher für den Deutschunterricht, für die fast 500 Lehrbücher aus fast 500 Jahren untersucht wurden. Ein Jahr später folgte die Analyse des Bildes der Tschechen in der deutschen Literatur.
Breite akademische Öffentlichkeit
In ihrer Laudatio erklärte Dr. Libuše Spáčilová, Professorin für Sprachgeschichte der Olmützer Germanistik, der frischgebackenen Ehrendoktor zeichne sich vor allem durch seine „Vorliebe für die Forschungsarbeit“, seine ansteckende Begeisterung für die Linguistik und seine intensive Forschungs- und Herausgebertätigkeit aus, mit der er eine breite akademische Öffentlichkeit erreicht habe.
„Er ist mit Leib und Seele Germanist“, erklärte sie. Zu seinen besonderen Verdiensten zählen die Gründung eines neuen Teilfachs Geschichte des Deutschen als Fremdsprache, der Aufbau der Arbeitsstelle zur Geschichte des Deutschen als Fremdsprache sowie die Initiation zahlreicher internationaler Kooperationen. Für seine Forschungsprojekte seien auch viele bisher nicht wissenschaftlich aufbereitete Archivalien wie Tagebücher und Korrespondenzen bearbeitet worden, erklärte Spáčilová, „Eine neue und bis dahin nicht realisierte Idee!“
Glücks Engagement für die Olmützer Germanistik sei besonders hoch einzuschätzen: Er habe sich „mit großer Begeisterung“ um tschechische Austausch-Studierende und -Doktoranden gekümmert und sie bei Zulassungsverfahren, Finanzierung und als Betreuer wissenschaftlicher Arbeiten tatkräftig unterstützt. „Die deutsche Germanistik hat in der Person von Prof. Glück einen bedeutenden Forscher und die Olmützer Germanistik einen Freund und Förderer“, schloss Spáčilová ihre Laudatio.
„Sprachlicher Landesverrat und Ketzerei“
In seiner Dankesrede, die er traditionsgemäß auf Lateinisch begann und auf Deutsch fortsetzte, betonte Helmut Glück, wie erfreut er sei, dass er einen Ehrendoktor ausgerechnet von der Universität Olmütz bekomme, weil diese Stadt eine lange Tradition der Förderung der deutschen Sprache habe; ein Anliegen, das auch bei ihm immer Motivation und Teil seiner Arbeit war.
In Olmütz sei Mitte des 18. Jahrhunderts mit den Ollmützer Monathlichen Auzügen die erste „gelehrte Zeitschrift ganz Österreichs in deutscher Sprache“ erschienen, erklärte der Linguist. „Diese Stadt steht somit am Anfang der deutschsprachigen wissenschaftlichen Publizistik des alten Österreich“. Die dabei verwendete Sprache sei nicht der provinzielle, sperrige Kanzleistil gewesen, sondern Hochdeutsch protestantischer Herkunft – im katholisch-jesuitisch geprägten Österreich „grenzte das an sprachlichen Landesverrat und an Ketzerei“.
Der Schlüssel zum Erfolg
Besonders bedankte Helmut Glück sich bei seinem tschechischen Kollegen Dr. Ludvík Vaclavek, emeritierter tschechischer Germanistik-Professor der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft, für die jahrelange hervorragende Zusammenarbeit ihrer unterschiedlichen Teilfächer: „Eine wissenschaftliche Kooperation, die die hohen fachinternen Grenzen zwischen Sprach- und Literaturforschung souverän missachtet, kann man mit einem Mannschaftsspiel vergleichen, in dem die innere Abstimmmung der Schlüssel zum Erfolg ist.“ Vaclavek sei der Koordinator gewesen, der das Spiel steuerte, lobte Glück.
Der Ehrendoktor der tschechischen Universität Olmütz ist ein weiterer Höhepunkt in Helmut Glücks akademischer Karriere, bekam er doch 2010 eine besondere Auszeichnung: Er wurde für drei Semester beurlaubt und kann sich seither durch einen Nachwuchswissenschaftler vertreten lassen, um sich, gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung, einem anspruchsvollen, größeren Werk über die Fremdsprache Deutsch im 18. Jahrhundert zu widmen. Ab dem Sommersemester 2012 wird er seine Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Bamberg wieder aufnehmen.



