Das Motiv der Faulheit in Fellinis Werken stellt Jörn Glasenapp... (Fotos: Carolin Regler)

... seinem Publikum in seiner Antrittsvorlesung vor.

Dekan Klaus van Eickels lobt Glasenapps Forschungsschwerpunkte.

- Carolin Regler

Über das Bleibenwollen

Fellinis „Die Müßiggänger“ als erster großer Faulpelzfilm der Filmgeschichte

„Ich freue mich, dass ich hier in Bamberg seit gut einem Jahr das Gegenteil von dem tun darf, worüber ich sogleich zu Ihnen sprechen werde. Das heißt, ich freue mich, dass ich das Privileg habe, hier zu arbeiten.“ So begann Prof. Dr. Jörn Glasenapp, der seit April 2010 den neu geschaffenen Lehrstuhl für Literatur und Medien am Institut für Germanistik bekleidet, am 14. Juli seinen Vortrag über Fellinis Faulpelze.

Zuvor hatte Prof. Dr. Klaus van Eickels, Dekan der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften, in seiner Begrüßung betont, dass Glasenapp sicherlich nicht zu den Nichtstuern zu rechnen ist, mit denen er sich wissenschaftlich beschäftigt – ganz im Gegenteil spreche es für das Engagement des neuen Professors, dass dieser bereits nach einem Jahr in Bamberg die Leitung des Instituts für Germanistik übernommen habe. „In besonders guter Weise“ passe Jörn Glasenapp auch deshalb nach Bamberg, weil er in seinen bisherigen Veröffentlichungen ein breites Themenspektrum mit historischen Forschungsaspekten kombiniert habe und so das interdisziplinäre Profil der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften stärke.

Literatur, Fotografie und Film

Tatsächlich hat Jörn Glasenapp einen vielseitigen wissenschaftlichen Werdegang vorzuweisen: Nach dem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Germanistik in Göttingen promovierte er mit einer Arbeit über Erkenntniskritik im Romanwerk des amerikanischen Schriftstellers Charles Brockden Brown. Seine Habilitationsschrift verfasste er in Lüneburg über die deutsche Nachkriegsfotografie. Publiziert hat er zudem über das Medium Film, was er auch am Lehrstuhl Literatur und Medien fortsetzen wird. Schwerpunkte in Forschung und Lehre bilden zudem Erzählkulturen im Medienwandel, Manifestationen populärer Kultur sowie medienkomparatistische Fragestellungen.

Müßiggänger im Werk eines Workaholics

Der italienische Filmemacher Federico Fellini schrieb in den 1940er Jahren Drehbücher für ein Dutzend Filme und führte von 1950 bis 1990 bei 25 Filmen Regie. Als „unangefochtener Regiesuperstar des europäischen Autorenkinos“ kann er, so Glasenapp, aufgrund seiner ungeheuren Produktivität getrost als „Workaholic“ bezeichnet werden. Die Protagonisten in seiner dritten Regiearbeit Die Müßiggänger aus dem Jahr 1953 hingegen sind notorische Nichtstuer: Die fünf jungen Männer um die 30 lassen sich von ihren Familien durchfüttern und zeichnen sich durch einen „ausgeprägten Willen zur Arbeitsvermeidung“ aus. Die These, dass Fellinis Oeuvre aus Filmen besteht, in denen es gar nicht erst richtig los, aber trotzdem immer irgendwie weiter gehe, entwickelte Glasenapp anhand eines Vergleichs mit Fellinis dreistündigem Monumentalkunstfilm La dolce vita; zudem flocht er philosophische und kulturwissenschaftliche Positionen zum Thema Müßiggang ein. Dass Fellini die Faulheit seiner Helden weder lobenswert fand noch ihnen das Recht zu eben dieser eingestehen wollte, wird in einer berühmten Einstellung von Die Müßiggänger deutlich: Den winterlichen Adria-Strand haben die längst abgereisten Sommergästen verödet zurückgelassen, lediglich die fünf jungen Männer sitzen beziehungsweise stehen auf dem Landungssteg, starren auf das graue Meer hinaus und formieren sich so zu einem Sinnbild der Erstarrung.

Das Bleibenwollen ist etwas, das Jörn Glasenapp mit den müßiggängerischen Filmfiguren auf eine positive Weise verbindet: „Ich will bleiben“, bekannte er zu Beginn seiner Antrittsvorlesung und machte so deutlich: Er ist in Bamberg angekommen.