Souverän digital

Täglich werden digitale Medien in allen Altersgruppen genutzt (Bitkom, 2019). Demgegenüber warnen Forschungsergebnisse, dass Nutzung keineswegs automatisch souveränes Handeln inkludiert und Bildungsangebote Souveränität nicht genügend stützen (Sailer et al., 2017). Kinder und Jugendliche sollten gerade im jungen Alter lernen, adäquat und reflektiert mit digitalen Medien umzugehen. Ein zentraler Ort hierfür ist die Schule.
Reflektierte und bewusste Veränderung durch Digitalisierung sowie der Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen nimmt Lehrkräfte neu in die Pflicht: „Entscheidend für ein erfolgreiches Lernen in der digitalen Welt ist, dass die Lehrenden über entsprechende eigene Kompetenzen sowie didaktische Konzepte verfügen. Daher muss die Lehreraus-, -fort- und -weiterbildung in den kommenden Jahren einen entsprechenden Schwerpunkt setzen“ (KMK, 2016).

Leitgedanke der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in der digitalen Welt an der Otto-Friedrich-Universität ist Digitale Souveränität (Blossfeld et al., 2018) in ihren mehrdimensionalen Aspekten.

Der im Begriff der Digitalen Souveränität angelegten Verschränkung von technisch-anwendungsbezogenen, kritisch-reflexiven und gesellschaftlich-kulturellen Perspektiven (GI, 2016) kommt das Profil der Otto-Friedrich-Universität in besonderer Weise entgegen. Es kann an ein in den Fakultäten und Fachbereichen bereits gelebtes Selbstverständnis, das durch die mehrperspektivische Verschränkung unterschiedlicher Fachperspektiven charakterisiert ist, angeknüpft werden. Die Otto-Friedrich-Universität hat eine gesamtuniversitäre Digitalisierungsstrategie vorgelegt und dabei bewusst Bildung von angehenden Lehrkräften mit in den Blick genommen (VPTech, 2019).

… als gemeinsame Aufgabe

Gemeinsam verwirklichen alle an der Lehrerinnen- und Lehrerbildung Beteiligten der Otto-Friedrich-Universität ein übergreifendes Ziel: Zukünftige Lehrkräfte müssen bereits während ihres Studiums Professionskompetenzen im Umgang mit digitalen Medien entwickeln (technische und praktische Perspektive) sowie ermutigt und befähigt werden, diese im Fachunterricht zielgerichtet kritisch zu bewerten und bewusst einzusetzen (gesellschaftlich-kulturelle Perspektive).
Ausgangpunkt ist, dass Medienkompetenzen bei Schülerinnen und Schülern insbesondere nur dann gefördert werden können, wenn medienbezogene Kernkompetenzen auf Seite der Lehrkräfte verfügbar sind. Diese wiederum bedürfen angemessene Bildungsangebote in der universitären Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Dafür ist für angehende Lehrkräfte zunächst der Erwerb der je eigenen digitalen Souveränität maßgeblich. Die Otto-Friedrich-Universität sieht in der Stärkung von Medienkompetenzen die Voraussetzung für Digitale Souveränität. Daraus erwächst der besondere Anspruch, dass Studierende über fachliche, didaktische und technisch-anwendungsbezogene Kompetenzen verfügen müssen, die Schülerinnen und Schüler zu einem souveränen, d. h. einem kompetenten und gleichzeitig verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien, befähigen.
Um Digitale Souveränität als Leitziel anzustreben und Studierende auf die besonderen Aufgaben digitaler Lehr-Lern-Situationen vorzubereiten, wurde das Bamberger Modell zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung in der digitalen Welt vom Kompetenzzentrum für Digitales Lehren und Lernen (DigiZ) im Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung Bamberg (ZLB) der Otto-Friedrich-Universität entwickelt.

… im Bamberger Modell

Zur erfolgreichen Heranführung an digitale Lernwelten und ihrer kritischen Reflexion greifen die Lehrveranstaltungen im gesamtuniversitär getragenen Konzept mit ihren Schwerpunkten wie Räder ineinander. Digitalisierung wird dabei nicht nur in theoretischer, sondern in Digitalen Lehr-Lern-Räumen (DigiLLabs) auch in praktischer Auseinandersetzung mit digitalen Medien thematisiert. Zur bestmöglichen Vorbereitung auf das Arbeitsfeld Schule leistet jedes an der Lehramtsbildung beteiligte Fach mit seinen spezifischen Zugängen zur digitalen Welt einen wichtigen Beitrag. Dabei werden Wissens- und Handlungskompetenzen in den Bereichen (digitale) Medienpädagogik und -didaktik, technisch-anwendungsbezogene Grundlagen und Gestaltung digitaler Unterrichtsszenarien miteinander verknüpft. Durch eine ganzheitliche und das Studium durchziehende, langfriste Beschäftigung mit digitalen Medien erweitern angehende Lehrkräfte ihre eigenen Medienkompetenzen kontinuierlich. Durch die konkrete Gestaltung und Erprobung didaktischer Konzepte in den DigiLLabs können unterrichtspraktische Lehrkompetenzen entwickelt werden.

Das Bamberger Modell sieht im gesamten Studienverlauf mindestens 6 SWS im Themenfeld Digitalisierung vor:

  • Alle bayerischen Lehramtsstudierenden belegen das Fach Schulpädagogik (bzw. Wirtschaftspädagogik). Der erste Zugang zu medienbezogenen Kernkompetenzen  wird hier gemäß LPO I über mindestens 2 SWS realisiert. Neben theoretischen und handlungsbezogenen Grundlagen der Medienpädagogik lernen Studierende in dieser Bildungsphase auch übergreifende Möglichkeiten und Methoden des Lehrens und Lernens in der digitalen Welt kennen. Besonders viel Wert wird auf ein praxisnahes und gleichzeitig empirisch gesichertes Fundament gelegt, das einerseits zur souveränen Medienaffinität und anderseits zum reflektieren Einsatz und kritischen Umgang mit digitalen Medien führen soll. Daneben nehmen auch technisch-anwendungsbezogene Aspekte zur Selbstverwaltung und Schulentwicklung einen festen Platz ein.
  • In der Schule findet die Förderung von Medienkompetenzen vornehmlich im Fachunterricht statt. Für angehende Lehrkräfte ist es daher von besonderer Bedeutung über Lehrkompetenz zu verfügen, die das im Fach Schulpädagogik erworbene Fundament mit den Inhalts- und Kompetenzbereichen der später zu unterrichtenden Schulfächer verbindet. Zur optimalen Vorbereitung auf den späteren Lehrberuf werden deshalb im Rahmen des ersten Unterrichtsfaches abgestimmte fachspezifische Vertiefungskompetenzen im Umfang von mind. 2 SWS erworben. Zur Festigung und Vertiefung bestehender medienbezogener Kernkompetenzen kommen in den Lehrveranstaltungen der jeweiligen Unterrichtsfächer inhaltsbezogene Hard- und Software technisch-anwendungsbezogen zum Einsatz (z. B. GPS-Handgeräte und Online-Globen im Fach Geographie, Synthesizer im Fach Musik). Durch die gezielte Unterstützung und Begleitung durch Dozierende wird die Fähigkeit zur Planung, Realisierung und Evaluation von Fachunterricht mit digitalen Medien professionalisiert.
  • Erweiterte fachspezifische Kompetenzen werden im Rahmen von Lehrveranstaltungen des zweiten Unterrichtsfaches bzw. der Didaktikfächer im Umfang von mindesten 2 SWS erworben. Bei der gemeinsamen Unterrichtsplanung entwickeln Studierende Ideen zum sinnvollen Einsatz digitaler Werkzeuge im Fachunterricht (Bestimmungs-Apps in Biologie, DGS in Mathematik, VR-Brillen in Geografie etc.), welche in einem Aushandlungsprozess zu einem kooperativen Ergebnis führen sollen. Die Unterrichtsszenarien sollen anschließend in Lerngruppen erprobt und hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten im Schulunterricht kritisch reflektiert werden.

Das Bamberger Modell zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung in der digitalen Welt zeichnet sich durch systemisch unterstützende Praxisanteile und Elemente der kritischen Reflexion aus. Die im Zusammenspiel wirkenden Lehrangebote fundieren theoretisch und regen selbstständiges Handeln sowie Kollaboration an. Sie können so entscheidend zum Ausbau und zur Reflexion professioneller Kompetenzen und zur Entwicklung Digitaler Souveränität beitragen.

Literatur

Bitkom (2019). Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt. Berlin.

Blossfeld, H.-P., Bos, W., Daniel, H.-D., Hannover, B., Köller, O., Lenzen, D., McElvany, N., Roßbach, H.-G., Seidel, T., Tippelt, R., & Wößmann, L. (2018). Digitale Souveränität und Bildung: Gutachten des Aktionsrats Bildung. Münster: Waxmann. https://www.vbw-bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Bildung/2019/Downloads/ARB_Gutachten_Digitale-Souver%C3%A4nit%C3%A4t_akt.pdf    

GI (Gesellschaft für Informatik). (2016). Bildung in der digitalen vernetzten Welt – Dagstuhl-Erklärung. Verfügbar unter: https://gi.de/fileadmin/GI/Hauptseite/Themen/Dagstuhl-Erkla__rung_2016-03-23.pdf  

KMK (Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland) (2016). Bildung in der digitalen Welt. Strategie der Kultusministerkonferenz. Verfügbar unter: https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2017/Strategie_neu_2017_datum_1.pdf

Sailer, M., Murböck, J., & Fischer, F. (2017). Digitale Bildung an bayerischen Schulen – Infrastruktur, Konzepte, Lehrerbildung und Unterricht. Verfügbar unter: https://www.vbw-bayern.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Bildung/2017/Downloads/Bi-0146-001_vbw_Studie_Digitale-Bildung-an-bayerischen-Schulen.pdf

VPTech (Vizepräsident Technologie und Innovation der Otto-Friedrich-Universität Bamberg) (2019). Digitalisierungsstrategie Universität Bamberg. Verfügbar unter: https://www.uni-bamberg.de/universitaet/profil/ziele-und-perspektiven/digitalisierungsstrategie/