Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

Professur für Wirtschaftspädagogik (Prof. Dr. Karin Heinrichs)

Forschung

Unsere Forschungsprojekte folgen der Grundidee theoriegeleiteter empirischer Forschung. Im Mittelpunkt stehen Prozesse des Lehrens, Lernens und Entwickelns über die Lebensspanne in schulischen, beruflichen und sozio-ökonomischen Kontexten. Wir richten den Blick damit auf die individuelle Förderung und Potenzialentfaltung, Kompetenzentwicklung und Professionalisierung und untersuchen, gestalten und evaluieren Lehr-Lern-Prozesse. Dabei betrachten wir verschiedene Lernorte und Tätigkeitsfelder von Wirtschaftspädagogen: von der kaufmännischen Erstausbildung, über betriebliche Aus- und Weiterbildung sowie die Hochschul- und insbesondere die Lehrerbildung. Organisationale, strukturelle und kulturelle Rahmenbedingungen werden vorwiegend als Einflüsse individueller Entwicklung modelliert.

Derzeitige Forschungsprojekte

Wegweisende Entwicklung in der Lehrerbildung (WegE) - Teilprojekt Berufliche Bildung (BeBi)

Das Projekt WegE (Wegweisende Entwicklung in der Lehrerbildung) ist Teil der bundesweiten Initiative Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Ziel des Projektes ist es, die Lehrerbildung am Standort Bamberg weiterzuentwickeln und zu profilieren. Dazu sollen sowohl die unterschiedlichen Fächer und Fachdidaktiken als auch die Phasen der Lehrerbildung besser miteinander verzahnt werden.

Die Wirtschaftspädagogik geht neben dem Studiengang Berufliche Bildung Fachrichtung Sozialpädagogik als ein Vertreter der beruflichen Bildung in das Projekt ein. Beide Fächer sind im Rahmen des Projektes bestrebt, sich aktuellen Herausforderungen der Lehrerbildung inhaltlich und methodisch zu stellen. So steht für die Wirtschaftspädagogik insbesondere der Umgang mit Heterogenität und kultureller Diversität an beruflichen Schulen im Vordergrund.

Weitere Informationen zum Projekt sind unter https://www.uni-bamberg.de/wege/ verfügbar.

Kontakt: bebi.wege(at)uni-bamberg.de 

Muster moralischen Entscheidens und Handelns im beruflichen Kontext – „Happy Victimizer“ vs. „Happy Moralist“ im Erwachsenenalter

In Vorstudien wurde nachgewiesen, dass das Happy-Victimizer Pattern als Muster egoistischen Verhaltens bei Regelübertritten in moralrelevanten Situationen nicht – wie einst postuliert – nur ein Phänomen der frühen Kindheit ist, sondern auch unter Erwachsenen weit verbreitet ist. Es tritt kontextspezifisch auf und Personen wechseln in Abhängig von der Intensität moralischer Konflikte zwischen Entscheidungsmuster des „Happy-Victimizers“, des „Unhappy Victmizers“, des „Happy Moralists“ und des Unhappy Moralists“.

Dieses Forschungsprogramms zielt darauf, durch einen Wechsel von Theoriebildung und empirischer Prüfung die genannten Entscheidungsmuster im Erwachsenenalter und deren Relevanz für Handeln in Abhängigkeit von personalen Determinanten und situationalen Bedingungen zu erklären. Derzeit stehen die Modellierung moralisch relevanter Situationen in domänenspezifischen, insbesondere beruflichen Handlungskontexten sowie die empirische Erfassung moralisch relevanten Handelns in beruflichen Kontexten im Mittelpunkt der Betrachtung. Hierbei werden u. a. Kennzeichen moralisch relevanter (berufsspezifischer) Situationen und Dilemmata herausgearbeitet sowie unterschiedliche Methoden zur Erforschung moralischer Urteile, der Urteilsbildung und deren Bedeutung für das Handeln im (beruflichen) Alltag erprobt.

Einzug halten die Ergebnisse sowohl in die Grundlagenforschung als auch in die Lehreraus- und -weiterbildung.

Im Rahmen dieses Forschungsprogramms kooperieren wir insb. mit Prof. Dr. Gerhard Minnameier (Goethe-Universität Frankfurt/Main), Prof. Dr. Brigitte Latzko (Universität Leipzig) und Prof. Dr. Eveline Gutzwiller-Helfenfinger (PH Luzern).

Kontakt: Prof. Dr. Karin Heinrichs

Der Übergang vom Studium in den Beruf – Eine Längsschnittstudie zur Relevanz der Polyvalenz des Masterstudiengangs Wirtschaftspädagogik

Polyvalente, d.h. mehrfachqualifizierende, Studiengänge stellen eine Möglichkeit dar, sich den dynamischen Rahmenbedingungen und Anforderungen im Berufsleben anzupassen. Eine Besonderheit bietet hierbei der Studiengang Wirtschaftspädagogik, dessen Abschluss auf vielfältige  Berufsfelder vorbereitet: Dieser ermöglicht den Absolventen des Masterstudiums einerseits die Aufnahme vielfältiger Tätigkeiten in Wirtschaft, Wissenschaft und anderweitigen Organisationen. Andererseits berechtigt ein wirtschaftspädagogischer Abschluss auch zum Eintritt in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an beruflichen Schulen (Wirtschaftsschulen, Berufsschulen, Fach- und Berufsoberschulen). Jedoch mangelt es an wissenschaftlichen Untersuchungen und somit auch an Erhebungsinstrumenten, welche die Polyvalenz des Studienganges Wirtschaftspädagogik systematisch erfassen. Es stellt sich unter anderem die Frage, welchen Stellenwert die Studierenden der Mehrwertigkeit Ihres angestrebten Abschlusses beimessen, von welchen Kriterien die individuell wahrgenommene Polyvalenzattraktivität abhängt und wie sich diese im Studienverlauf möglicherweise verändert. Hierfür werden Bamberger Studierende der Wirtschaftspädagogik im Rahmen einer Längsschnittstudie auf ihrem Weg zum Abschluss jedes Semester befragt. Dieses Projekt soll dazu dienen, den Studiengang Wirtschaftspädagogik zu stärken und Impulse für Lehramtsstudiengänge und deren Umstrukturierungen hin zu polyvalenten Studiengängen liefern.

Wertschätzende Kommunikation als Methode der Potenzialentfaltung und Konfliktbewältigung in Schule und Betrieb

Konflikte sind fester Bestandteil menschlicher Kommunikation,  auch in beruflichen und wirtschaftspädagogischen Kontexten. Konflikte können als Belastungen empfunden werden. Insbesondere bei Dauerbelastungen und unangemessenem Umgang können sich auch psychische Beeinträchtigungen entwickeln. Konflikte an sich aber nicht nur negativ, sondern bieten auch Lernchancen. Der Ansatz der Wertschätzenden Kommunikation (WSK), (auch "Gewaltfreie Kommunikation" genannt) nach Marshall Rosenberg biete - so die Überzeugung der Vertreter - eine effektive Methode zum konstruktiven Umgang mit Konflikten in der Balance zwischen Empathie für andere und Selbstempathie. Die WSK ermöglicht den Aufbau wertschätzender Beziehungen und bietet zugleich eine Methode zu mehr zu mehr Klarheit über eigene Bedürfnisse, zu Selbstfürsorge und Stressbewältigung. Darüber hinaus ermögliche die WSK, eine Kultur zu schaffen, die respektvollen und wohlwollenden Umgang im Miteinander aller Akteure fördern, zur Konfliktprävention und somit zu einem positiven Schul-, Arbeits- und Lernklima beitragen kann.

Die WSK In Deutschland gewann in den letzten Jahren zunehmend an Bekanntheit. Auch einige Schulen führen die WSK ein. Gleichwohl fehlen bisher aussagekräftige belastbare empirische Daten, um behauptete Effekte nachzuweisen. Genau hier setzen wir an. Ziel ist es, langfristig das Potenzial und die Wirkung von WSK in Schule und Betrieb empirisch zu untersuchen.

Im aktuell geförderten FNK-Projekt „Effekte eines Trainings zu Wertschätzender Kommunikation (WSK) nach Rosenberg bei Lehrpersonen - eine Interventionsstudie“ (in Kooperation mit M. Dormann) werden erste Schritte in diese Richtung unternommen. Es werden WSK-Trainings mit (zukünftigen) Lehrerinnen und Lehrern an berufsbildenden Schulen in einem quasi-experimentellen Setting evaluiert. Ziel ist, Einschätzungen zur Wahrnehmung und Wirkung des Trainings mit unterschiedlichen Methoden (Skalen in Pre- und Posttests, elektronischen Tagebüchern, Interviews) zu explorieren und Hypothesen zu Trainingseffekten zu präzisieren.

Projektleitung:                 Prof. Dr. Karin Heinrichs (email: karin.heinrichs@uni-bamberg.de)
Ansprechpartner:           Simone Ziegler (email: simone.ziegler(at)uni-bamberg.de)