Jahrestagung der Universitätsprofessoren der Wirtschafts- und Berufspädagogik 2002

Vom 3. bis 5. Oktober 2002 durfte der Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik Gastgeber der Jahrestagung der Vereinigung der Universitätsprofessoren der Wirtschafts- und Berufspädagogik in Bamberg sein. Auf der Tagesordnung standen Themen der inhaltlichen Ausrichtung der Studiengänge sowie die Vorstellung aktueller Forschungsprojekte. Lehrstuhlinhaber Professor Dr. Detlef Sembill konnte als Gastgeber am Donnerstagabend 25 Fachkollegen, die in Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik Studiengangsverantwortung tragen, begrüßen. Im Zeichen der Heinrich II.-Atmosphäre in der Stadt wurde den Teilnehmern zuerst eine Stadtführung angeboten.

Am Freitag stand vormittags ein Besuch des Rechenzentrums der T-Systems International GmbH in der Gutenbergstraße auf dem Programm. Neben einer Führung durch die imposante Rechen- und Servicezentrale des Unternehmens wurde den Gästen in Vorträgen hauptsächlich das Ausbildungskonzept von T-Systems bzw. der Deutschen Telekom AG vorgestellt. Hierbei fand das Konzept der "Vollständigen Handlung", das von Telekom-Ausbilder Rainer Fels vorgestellt wurde, besondere Aufmerksamkeit und wurde von den Fachvertretern intensiv diskutiert. Diese Ausbildungsstrategie der Deutschen Telekom AG legt großen Wert auf die Selbstorganisation der Auszubildenden und konfrontiert sie während ihrer Ausbildung immer wieder mit komplexen, realitätsbezogenen Problemstellungen, für die die Nachwuchs-Telekommunikations-Spezialisten eigenständig oder im Team ganzheitliche Lösungsstrategien erarbeiten müssen. Die Ausbilder des Unternehmens treten in diesem Konzept weniger als traditionelle Lehrer, sondern vielmehr als Moderatoren und Bildungsberater für den Lernprozess jedes Auszubildenden auf. "Die Halbwertszeit des technologischen Wissens im Telekommunikationssektor beträgt derzeit vielleicht ein Jahr", trug Rainer Fels vor, "das bedeutet, dass wir selbständig denkende und lernende Mitarbeiter brauchen, die Ihre Wissensbestände regelmäßig aktiv auf den aktuellen Stand der Dinge bringen".

Das Bildungskonzept des Telekommunikationsriesen weist Gemeinsamkeiten mit dem Lehr-Lern-Konzept des "Selbstorganisierten Lernens" auf, wie es am Lehrstuhl von Professor Sembill erforscht, gelehrt und in die Praxis implementiert wird. Deshalb arbeiten auch einige Studierende der Wirtschaftspädagogik als Praktikanten bei T-Systems und evaluieren dort die Lernerfolge der Telekom-Azubis.

Das Tagungsprogramm am Freitagnachmittag bot Fachvorträge zu den Themen "Organisationsentwicklung", "Fachdidaktik des Rechnungswesens", "E-Learning" sowie "Motivation von Auszubildenden", wobei sich hier Nachwuchswissenschaftler/innen der hochkarätigen Professorenriege sich als Vortragende präsentierten und sich fachlicher Kritik unterziehen konnten. Den Freitagabend sowie den Samstag prägten schließlich interne Regularien-Sitzungen der Standesvertreter, in denen Struktur und Organisation der wissenschaftlichen Forschung sowie der Hochschullehre erörtert wurden. Verabschiedet wurden verbindliche Lehrplananteile für Wirtschafts- und Berufspädagogik. Diese wurden der Deutschen Gesellschaft für Erziehungwissenschaft (DGfE) zu Gremienberatungen anempfohlen. Keinerlei Verständnis bei den Vereinigungsmitgliedern fanden erneute ministerielle Bemühungen in verschiedenen Ländern (so auch in Bayern), die Anteile der kaufmännischen und gewerblichen Lehrerausbildung weg von den erfolgreichen universitären Diplom-Studiengängen an die Fachhochschulen zu verlagern.