„Einzigartige interdisziplinäre Fächerauswahl“

10 Jahre Studium der Angewandten Informatik in Bamberg

Fünf Professuren in 10 Jahren, jede Menge interdisziplinäre Forschungskooperationen und ein einmaliges Konzept: der Bachelor- und der Masterstudiengang Angewandte Informatik an der Universität Bamberg blicken auf ein erfolgreiches Jahrzehnt zurück.

 „Für mich war besonders wichtig, dass das Studium möglichst viele Aspekte eines Fachgebietes enthält. Das ist beim Studiengang Angewandte Informatik der Fall und wird von allen Angehörigen des Lehrkörpers auch gelebt. Mir hat die außergewöhnliche Kombination aus Förderung und Individualität geholfen, einen Platz in der Arbeitswelt zu finden, der mich ausfüllt und fasziniert.“ Gerne erinnert sich Maik Friedrich zurück an sein Studium an der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WIAI). Seit seinem Abschluss 2008 im Masterstudiengang Angewandte Informatik arbeitet er als Forscher im Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt e. V. (DLR) im Institut für Flugführung in Braunschweig. Er spricht für viele der Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge der Angewandten Informatik, die 2014 ihr 10-jähriges Bestehen feiern und auf eine echte Erfolgsgeschichte zurückblicken können.

Interdisziplinärer Fächerzuschnitt

Bei der Gründung der Fakultät WIAI im Jahr 2001 stand ein klares Ziel im Vordergrund: Die jüngste Bamberger Fakultät sollte die bereits erfolgreich etablierte Wirtschaftsinformatik mit kultur-, sozial- und humanwissenschaftlich ausgerichteten Angewandten Informatiken (AI) sowie klassischen Fachgebieten der Theoretischen und Praktischen Informatik verbinden – und so ein ebenso einmaliges wie auch auf das Fächerprofil der Universität Bamberg zugeschnittenes Profil erhalten. Zum Wintersemester 2002/2003 wurde daher der Lehrstuhl für Angewandte Informatik in den Kultur-, Geschichts- und Geowissenschaften eingerichtet; ein weiterer Lehrstuhl, der Lehrstuhl für Medieninformatik, und eine Professur für Kognitive Systeme folgten in den nächsten beiden Jahren. Zum Wintersemester 2004/2005 gingen dann auch der Bachelor- und der Masterstudiengang Angewandte Informatik an den Start.

Die Bamberger Studiengangskonzeption setzt auf ein Bündel verwandter Disziplinen der Angewandten Informatik und vermeidet die Engführung auf eine einzelne Disziplin. So sind die Absolventinnen und Absolventen beispielsweise in der Lage, im Rahmen einer touristischen Problemstellung Methoden der Geoinformatik und der Medieninformatik zu verbinden. Wie lebendig diese Idee der Angewandten Informatik in den zehn Jahren seit der Einrichtung des ersten Lehrstuhls und der beiden AI-Studiengänge geworden ist, zeigt die Themenvielfalt der heute fünf Lehrstühle und Professuren, von denen die jüngste, die Juniorprofessur für Smart Environments, aus Mitteln der TechnologieAllianzOberfranken (TAO) finanziert wird:

Informatische Methoden zur Lösung von Fragestellungen oder Problemen geistes-, kultur-, human- oder sozialwissenschaftlicher Fächer werden in allen Bamberger Fakultäten heute ganz selbstverständlich eingesetzt: Während im Arbeitsgebiet der Kulturinformatik beispielsweise Informationssysteme für die Baudenkmalpflege, für die Kulturgeographie oder für die Kommunikationsforschung entstehen, widmet sich die Professur für Kognitive Systeme vor allem dem Thema Lernen und entwickelt Programme, die es ermöglichen, dass Computer aus beispielhafter Erfahrung neues Wissen oder allgemeinere Fertigkeiten erwerben. Die Medieninformatiker behandeln den zielgerichteten Einsatz einzelner Medientypen und multimedialer Systeme in verschiedenen Anwendungsbereichen, im Bereich Smart Environments, der sich mit zukünftigen Alltagsanwendungen befasst, geht es um die Beschreibung von intelligenten Verhaltensweisen durch Algorithmen und das Team des Lehrstuhls für Mensch-Computer-Interaktion entwickelt technologische Konzepte, Prototypen und Systeme auf der Grundlage des Verstehens von menschlicher Interaktion und Kommunikation – dabei sind Kooperationen mit den Disziplinen der anderen Fakultäten an der Tagesordnung.

Lesetipp: Lesen Sie mehr über aktuelle Forschungsprojekte der AI unter www.uni-bamberg.de/ai/leistungen/forschung/

Masterstudiengang Computing in the Humanities

Die Erfahrungen mit den Studiengängen der Angewandten Informatik schlagen sich auch im 2010 eingerichtete Masterstudiengang Computing in the Humanities(CitH) nieder. In seinem einmaligen Zuschnitt richtet er sich an Absolventinnen und Absolventen eines geistes-, kultur- oder humanwissenschaftlichen Bachelorstudienganges und ergänzt deren bestehenden Kenntnisse um Fachwissen in Informatik und Angewandter Informatik. Auf diese Weise befähigt er die Absolventinnen und Absolventen dazu, in interdisziplinären Projekten an der Gestaltung und Entwicklung von Softwaresystemen in verschiedenen Anwendungsfeldern mitzuarbeiten.

Erfolgreiche AI – erfolgreiche Fakultät

Der Erfolg der Bamberger Angewandten Informatik trägt nicht unwesentlich zum Gesamterfolg der Fakultät WIAI bei, die insgesamt auf heute 15 Lehrstühle und Professuren gewachsen ist. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Studierenden der Fakultät von 567 Studierenden im WS 2004/05 auf 1150 Studierende im aktuellen WS 2014/15 erhöht, mit wachsender Tendenz. Dekan Prof. Dr. Gerald Lüttgen hat aber weiterhin große Pläne: „In Zukunft möchten wir uns in Forschung und Lehre noch stärker vernetzen: auf regionaler Ebene, insbesondere im Rahmen der Technologie Allianz Oberfranken, aber auch auf nationaler und internationaler Ebene.“ Zum Sommersemester 2015 geht beispielsweise der englischsprachige Masterstudiengang International Software Systems Science an den Start. Er soll auch Bachelorabsolventen aus dem Ausland zum weiterführenden Studium nach Bamberg holen. Darüber hinaus will die Fakultät verstärkt internationale Konferenzen in Bamberg ausrichten und so das Interesse der IT-Community auf sich ziehen. Im Fokus steht derzeit die INTERACT – eine prestigeträchtige, große internationale Tagung zu Mensch-Computer-Interaktion – die im Sommer 2015 in Bamberg stattfinden wird.

Lesetipp: Forschungsmagazin uni.vers Digital Humanities. Technologien für die Geisteswissenschaften zum 10-jährigen Bestehen der Fakultät unter www.uni-bamberg.de/uni-publikationen/univers-forschung/2011/

 

 

Bilder: Universität Bamberg