Konfi – so nennen sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden selbst. (Fotos: Vera Katzenberger/Universität Bamberg)

Henrik Simojoki ist Inhaber des Lehrstuhls für evangelische Theologie und hat sich auf Religionsdidaktik spezialisiert.

In kleinen Gruppen bereiten sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden auch in Bamberg gemeinsam auf ihre Konfirmation vor.

Die beiden Bamberger Max und Alex haben die Konfirmation bereits hinter sich. Jetzt engagieren sie sich für die jüngeren Gläubigen.

Wie die Konfirmation die Zivilgesellschaft in Europa fördert

International-vergleichende Jugendstudie untersucht Nachhaltigkeit der Konfirmandenarbeit

Für Jugendliche sei die Konfirmation ein ganz besonderer Moment im Leben, sagt Professor Dr. Henrik Simojoki, Inhaber des Lehrstuhls für evangelische Theologie mit Schwerpunkt Religionspädagogik und Didaktik an der Universität Bamberg. „Bei der Konfirmation sagen die jungen evangelischen Christen ja zu ihrer Taufe. Es geht um einen Zugewinn an Mündigkeit in der Gemeinde.“

Zwischen ein und zwei Jahre dauert die Vorbereitungszeit für die Konfirmation. Sie soll auf den großen Tag einstimmen und den Jugendlichen dabei helfen, sich konstruktiv mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen und zu entdecken, was ihnen im Leben wichtig ist. Dazu bieten die Gemeinden den jungen Menschen neben dem klassischen Konfirmandenunterricht, in dem sie Wissen über den christlichen Glauben und seine Traditionen vermittelt bekommen, viele Aktivitäten zur Vorbereitung an, zum Beispiel Ausflüge oder Freizeiten.

Konfirmandenzeit empirisch untersucht

Doch mit welchen Erwartungen gehen die Jugendlichen selbst in die Konfirmandenzeit? Was passiert nach der Konfirmation? Wirkt die intensive Vorbereitungszeit nach – und wenn ja, wie? Aufschluss über diese Fragen gibt ein international-vergleichendes Forschungsprojekt, in dem auch Henrik Simojoki mitwirkt. Er ist Teil des deutschen Teams, das gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus neun europäischen Ländern zu diesen Themen forscht.

Mehr als 28.000 Konfirmandinnen und Konfirmanden, über 4100 kirchliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen sowie 1635 Konfirmationsgruppen in Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen, Österreich, Schweden, der Schweiz sowie Polen und Ungarn haben anonymisierte Fragebögen für das Forscherteam ausgefüllt – zu Beginn und am Ende der Konfirmandenzeit sowie auch zwei Jahre danach. Das Projekt über Jugend und Religion ist damit eine der größeren europäischen Jugendstudien.

Glaube als Gemeinschaftserlebnis

Die Studie ermöglichte es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstmals, empirisch nachzuweisen, dass die Konfirmandenarbeit Zusammenhalt schafft, prosoziales Handeln fördert und zu ehrenamtlichem Engagement anregt. So gaben insgesamt rund 77 Prozent der Jugendlichen an, in der Vorbereitungszeit eine gute Gemeinschaft erlebt und neue Freunde gefunden zu haben. Dabei gibt es durchaus Unterschiede zwischen verschiedenen europäischen Ländern. In Deutschland erfuhren 74 Prozent einen starken Gemeinschaftssinn, in Schweden sogar rund 89 Prozent.

„Zusätzlich zum klassischen Konfirmandenunterricht gibt es immer mehr gemeinschafts- und erlebnisorientierte Organisationsformen, die gezielt das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe fördern“, erläutert Henrik Simojoki. In der evangelisch-lutherischen Gemeinde der Erlöserkirche in Bamberg finden zum Beispiel Kinderbibeltage statt: Konfirmandinnen und Konfirmanden betreuen Kindergarten- und Grundschulkinder während der Osterferien und bereiten mit ihnen die Bibelgeschichte in einem Theaterstück auf. „Das stärkt das Wir-Gefühl“, so Simojoki.

Die Studie zeigt überdies, dass die Konfirmandenarbeit das Interesse für ethische Themen stärkt. Interessieren sich im Durchschnitt vor der Konfirmation 54 Prozent der Jugendlichen für die Themen Gerechtigkeit und Verantwortung, steigt diese Zahl danach auf etwa 66 Prozent an. „Zwar bringen die jungen Menschen von Haus aus ein hohes Interesse für ethische Themen mit, doch die gezielte Auseinandersetzung und Diskussion dieser Fragestellungen im Rahmen der Vorbereitungszeit vertieft Zusammenhänge und lässt über den Tellerrand blicken“, sagt Simojoki.

Positiver Einfluss auf europäische Zivilgesellschaft

Zwar ist die Konfirmationszeit meist stark durch kirchliche Themen geprägt, dennoch gelingt es ihr, einen gesamtgesellschaftlichen Bildungsbeitrag zu leisten. Fast 60 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie während ihrer Konfirmationszeit erfahren haben, wie wichtig ihnen Einsatz für andere ist. „Besonders aufgrund der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen, der Ausbildung einer Gemeinschaft und vor allem durch den eigenen Kontakt mit Ehrenamt während der Konfirmationszeit wollen sich viele ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmanden danach selbst engagieren“, erklärt Simojoki dieses Ergebnis.

Für den Bamberger Religionspädagogen waren länderspezifische Unterschiede besonders aufschlussreich, zum Beispiel, was das kirchliche Engagement betrifft: Während nur 11 Prozent der dänischen Befragten nach ihrem Festtag ehrenamtlich in der Kirche arbeiten wollen, liegt der entsprechende Anteil in Deutschland bei rund 32 Prozent und in Finnland sogar bei 45 Prozent. Das könnte vor allem daran liegen, dass in Deutschland und Finnland bereits Konfirmierte ehrenamtlich in die Vorbereitungszeit eingebunden sind.

Konfirmation prägt das Leben der Jugendlichen

„Die Studie zeigt, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden die jugendlichen Betreuerinnen und Betreuer sehr schätzen und sie als Vorbild wahrnehmen“, sagt Simojoki. „Man kann also sagen: Je mehr Ehemalige ehrenamtlich in der Konfirmationszeit mitwirken, desto größer ist die Motivation für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, sich nach der Konfirmation auch selbst einzubringen.“ Viele Gemeinden bieten dafür nach der Konfirmation spezielle Ausbildungen zum Jugendgruppenleiter oder zur Jugendgruppenleiterin an.

Für Simojoki ist dank der Studie klar: Die Konfirmation prägt das Leben der Jugendlichen nachhaltig und leistet einen wichtigen Beitrag für die Zivilgesellschaft. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. „Das weit verbreitete Klischee, man lasse sich nur wegen der Geschenke konfirmieren und hake den Termin ansonsten ab, konnte in unserer Studie empirisch nicht bestätigt werden.“

Kontakt für inhaltliche Rückfragen zum Forschungsprojekt:
Prof. Dr. Henrik Simojoki
Lehrstuhl für evangelische Theologie mit Schwerpunkt Religionspädagogik und Didaktik an der Universität Bamberg
Tel.: 0951 / 863-1841 od. -1842 (Sekretariat)
henrik.simojoki@uni-bamberg.de