Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte

Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie

Ein frühhallstattzeitlicher Grabhügel bei Wettringen, Gemeinde Stadtlauringen, Landkreis Schweinfurth, Unterfranken

In der Gemeindewaldabteilung Neuses, zwischen Wettringen und Wetzhausen im unterfränkischen Hofheimer Gäu gelegen,  wurde ein Grabhügel durch die Professur für Ur- und frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bamberg  ausgegraben. Ziel der Lehr- und Forschungsgrabung war es, einerseits detaillierte Hinweise zum Bestattungsritual zu erlangen, andererseits bodenkundliche Zusatzinformationen zu Hügelaufbau und eisenzeitlicher Bodenentwicklung zu bekommen.

In dem Flurstück „Vorderes Hölzlein“ befinden sich etwa 30 sichtbare Bodenerhebungen, von denen mindestens zehn sicher als Grabhügel angesprochen werden können. Geschützt durch den Wald und das sumpfige Gelände befinden sich vor allem im Zentrum größere Hügel mit einer recht beachtlichen Höhe von etwa 1,5 Metern und einen Durchmesser von bis zu zwölf Metern. Der Hügel, der für die Grabung ausgewählt wurde, befand sich am südlichen Rand des Gräberfeldes und war im Gelände nur als schwache Bodenerhebung auszumachen. Im Bereich der Grabkammer war seine Aufschüttung aus dem umliegenden Erdmaterial höchstens noch 45 Zentimeter erhalten (Abb. 1). Die durchgeführten bodenkundlichen Untersuchungen ergaben, daß der oberflächennahe Untergrund im Grabungsareal von einer ca. 70 cm starken, eiszeitlichen Solifluktionsdecke gebildet wird, die aus Tonen der Myophorienschichten (mittlerer Keuper) und Gesteinsgrus des Grenzdolomits (unterer Keuper) besteht. Sie überdeckt die unverwitterten Partien dieser Gesteine. Darüber liegt Löß in einer Mächtigkeit von ca. 20 cm. Der hier heute vorliegende Bodentyp ist ein Pseudogley-Pelosol. Dabei sind der humose Oberboden und der Stauwasserleiter in der Lößauflage, der Wasserstauer in der Solifluktionsdecke entwickelt. Die C-Horizonte liegen schon in den Keupergesteinen.

Der im Vergleich zu dem stark tonigen Material der Fließerde lockere Löß wurde als Baumaterial für die Hügelschüttung verwendet und ist daher in einem 10-20 Meter breiten Bereich rings um den Grabhügel nur noch geringmächtig erhalten. In einem Abstand von ca. 8 Metern von der Hügelmitte ist im Norden und Westen ein bis zu 3 Meter breiter Streifen erkennbar, in dem die Lößbedeckung vollständig fehlt (Abb. 1). Offensichtlich erfassen wir hier die größtmögliche ehemalige Hügelbegrenzung. Im Hügel selbst erreicht das lößbürtige Material eine maximale Mächtigkeit von 40 cm. Es ist in diesem erhabenen Bereich nicht von Stauwasser beeinflußt und läßt eine schwache Verbraunung erkennen. Hier hat sich also ein pseudovergleyter Braunerde-Pelosol entwickelt.

Mit Ausnahme weniger Areale (Baumwurzeln)  konnte der Hügel komplett geöffnet werden. Dabei wurde  eine steinerne, teilweise durch früheren Baumwurf gestörte Grabkammer erfasst, die überwiegend aus verwittertem, mit rundlichen Eintiefungen versehenen Dolomit (sog. „Grottensteine“) , gemischt mit wenigen Sandsteinen, besteht.

Darüber hinaus wurde eine Holzfaserstruktur sichtbar; zum Teil haben sich einige Zentimeter starke Balken erhalten. Sie bilden die hölzerne Einfassung der Grabkammer, im Südwesten ist deutlich eine Kammerecke erkennbar. Zusammen mit der Steinpackung kann eine Kammergröße von etwa 2,5 Metern Seitenlänge ermittelt werden Unter den erhaltenen Teilen der massiven Steinpackung und im restlichen Bereich der Grabkammer fand sich eine schwarzgraue Brandschicht, die direkt auf dem gewachsenen Boden aufliegt. Sie enthielt Leichenbrand,  verbrannte Keramikbeigaben und bis zur Unkenntlichkeit zerschmolzenen Bronzeschmuck, der in Form kleiner Bronzetropfen in der Mitte der Grabkammer geborgen wurde. In der Ascheschicht fanden sich außerdem ein kleines Eisenmesser und eine abgebrochene Schwanenhalsnadel, mit der sich die Bestattung in die frühe Hallstattzeit datieren lässt (Abb. 4,1). Es ist daher anzunehmen, dass der Tote mit seinem persönlichen Besitz verbrannt wurde. Der Scheiterhaufen könnte an Ort und Stelle gestanden haben. Einen Hinweis darauf bieten gefritette Gesteinsbrocken.

Auf dieser Brandschicht wurden die Gefäßbeigaben deponiert (Abb. 2-3). Der größte Teil besteht aus schlecht gebrannter, zumeist schwarzer Feinkeramik, die außer gewissen Graphitspuren auf der Oberfläche keine weiteren Verzierungen aufweist. Einige Gefäße besitzen einen scharfkantig facettierten Rand (Abb. 4,2). Daneben findet sich als Siedlungsware anzusprechende Grobkeramik mit Fingertupfenleisten. Ein oder zwei verbrannte und völlig zerscherbte Gefäße dieser Art liegen am südlichen Rand der Grabkammer; ein relativ gut erhaltenes Grobkeramikgefäß (Abb. 4,3), das nur geringe Feuerspuren aufweist, wurde direkt im Zentrum des Grabes deponiert. Die Feinkeramik ist in einem sehr schlechten Erhaltungszustand, so dass die genaue Anzahl der Gefäße sich wohl erst nach Abschluß der Restaurierungsarbeiten ermitteln lässt. Deutlich erkennbar ist im Westen der Kammer eine Reihe von drei großen Kegelhalsgefäßen, im mittleren wurde ein kleines Schälchen (Abb. 4,4)  aufbewahrt.

Dieser Reihe gegenüber im Norden ist eine Stufenschale positioniert,  die direkt mit dem Bestattungsritual zu verbinden ist. Zwar befindet sich ein Teil des Leichenbrandes verstreut in der Brandschicht, die größeren Knochenstücke wurden jedoch zusammen mit den Fragmenten eines weiteren Eisenartefaktes in eine Urne ausgelesen. Diese ist mit einem Deckel abgedeckt, worauf zum Schluß die Stufenschale gesetzt wurde. Die Form der Urne kann nicht mehr genau rekonstruiert werden, da sie starke Verbrennungsspuren aufweist, teilweise ist sie völlig verformt und auseinandergeplatzt. Man gewinnt dadurch den Eindruck, als hätte man den Leichenbrand in ein Gefäß gelesen und ihn dann zusammen mit dem Behältnis ein zweites Mal verbrannt. Die anthropologische Bestimmung durch Brigitte Lohrke hat ergeben, dass es sich eindeutig um nur ein Individuum handelt, das hier bestattet wurde: wahrscheinlich männlich, spätadult/frühmatur (30-50 Jahre alt).

Hauptbestattungen in hallstattzeitlichen Grabhügeln sind zumeist in Form einer Schüttung des Leichenbrandes in der Grabkammer oder als Skelett niedergelegt worden. Urnen als Hauptbestattung sind dagegen eher selten, sie finden häufig im Bereich der Nachbestattungen Verwendung. Eine zusätzliche Verbrennung der in eine Urne ausgelesenen Leichenbrandteile dürfte jedoch ein bisher singulär beobachtetes Bestattungsritual darstellen. Ungewöhnlich ist auch die Deponierung der Stufenschale auf der Bestattung.


Text und Abbildungen: Ulrike Wilde und Wilfried Schulz