Empfehlungen zum Umgang mit Forschungsdaten an der Universität Bamberg

Der verantwortungsvolle und professionelle Umgang mit digitalen Forschungsdaten ist ein wichtiger Teil guter wissenschaftlicher Praxis. Forschungsdatenmanagement beginnt mit der Erfassung bzw. Digitalisierung der Daten und reicht über eine nachvollziehbare Verwaltung der Daten während eines Forschungsprojekts bis hin zur Veröffentlichung und Archivierung der Daten. Die Erstellung eines Datenmanagementplans und die Sicherstellung der Nachnutzbarkeit und nachhaltigen Speicherung werden von vielen Förderorganisationen bereits gefordert. (Siehe z.B. die "Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)). Dabei spielen auch Aspekte von Open Access und Open Science eine wichtige Rolle.

Forschungsdaten sind Daten, die im Zuge wissenschaftlicher Vorhaben z.B. durch Digitalisierung, Quellenforschungen, Experimente, Messungen, Erhebungen oder Befragungen entstehen. (Siehe Forschungsdaten, Beschreibung des Handlungsfeldes der Allianzinitiative Digitale Information)

Als Forschungsdatenmanagement wird die Organisation und Verwaltung digitaler Forschungsdaten bezeichnet, insbesondere bezüglich der Sicherung und langfristigen Verfügbarkeit. Die einzelnen Schritte von der Erzeugung über die Nutzung und Analyse der Forschungsdaten, Aufbereitung, Archivierung, Veröffentlichung, Wiederverwendung  bis hin zur eventuellen Löschung bilden den sogenannten Lebenszyklus der Forschungsdaten. Dieser Begriff verdeutlicht, dass die Forschungsdaten und deren Pflege während aller Phasen eines Forschungsprojektes und darüber hinaus eine Rolle spielen. (Siehe https://ub.fau.de/schreiben-publizieren/daten-software-forschung/forschungsdatenmanagement/ und http://www.dcc.ac.uk/resources/curation-lifecycle-model)

Eine wichtige Komponente im Umgang mit Forschungsdaten ist ein Datenmanagementplan. Dieser sollte schon vor Beginn eines Forschungsprojekts bzw. in der Antragsphase erstellt werden. Er beschreibt den gesamten Lebenszyklus der Daten und legt insbesondere fest, welche Metadaten erfasst werden.

Bei der Verarbeitung von Forschungsdaten spielen auch rechtliche Fragen eine Rolle. Falls die Daten dem geistigen Eigentum anderer Personen zuzurechnen sind, sind deren Rechte als Urheber zu beachten. Falls die Daten der eigenen Urheberschaft entspringen, müssen Sie entscheiden, ob und in welcher Form die Daten Dritten verfügbar gemacht werden sollen.

Falls personenbezogene Daten verarbeitet werden, sind das Datenschutzrecht und das Persönlichkeitsrecht zu beachten. Die Daten dürfen dann nur verarbeitet werden, wenn eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung besteht. In vielen Fällen wird die Einholung der Einwilligung der Betroffenen erforderlich sein.

Die Beachtung der guten wissenschaftlichen Praxis ist Grundlage jeder Forschung. Die DFG betrachtet die Aufbewahrung von Primärdaten für mindestens 10 Jahre als Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis.

Gegebenenfalls gibt es von anderen Förderorganisationen oder im Rahmen bestimmter Förderprogramme weitere und konkretere Anforderungen an die Speicherung der Daten. Zunehmend wird erwartet, dass die Daten im Sinne von "Open Science" auch zur Zweitverwendung für andere Forscher und Forscherinnen öffentlich verfügbar gemacht werden. Forschungsdaten, die für eine Dissertation und die Nachprüfbarkeit der darin enthaltenen Forschungsergebnisse unverzichtbar sind, müssen mit der Dissertation publiziert und an die Deutsche Nationalbibliothek abgeliefert werden.

Die einfachste Form der Speicherung ist die Ablage auf zentral bereitgestellten Netzlaufwerken der Universität. Datenmengen im Bereich unterhalb von Terabytes können unbürokratisch und ohne Rücksprache dort abgelegt werden. Falls größere Datenmengen anfallen, sollte mit dem Rechenzentrum am besten schon vor einem Forschungsantrag geklärt werden, wie die Daten gespeichert werden können. Diese Formen der Speicherung erfordern eine eigenständige Systematik zur Verwaltung der Daten und Metadaten durch die Forschenden.

Besser geeignet zur Speicherung von Forschungsdaten sind Forschungsdaten-Repositorien. Falls für eine Fachdisziplin bereits überregionale Repositorien etabliert sind, empfiehlt es sich, die Daten dort zu speichern. Falls kein überregionales Repositorium zur Verfügung steht, können die Daten im Forschungsinformationssystem der Universität Bamberg abgelegt werden. Dies bietet den Vorteil, dass dann die Informationen zum Forschungsprojekt und die entstandenen Forschungsdaten ohne Medienbruch im gleichen System enthalten sind.

In der Open- Access-Erklärung fordert die Universitätsleitung die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität auf, ihre Publikationen und Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Auch innerhalb der Open-Science-Bewegung erhält die Publikation von Forschungsdaten hohe Bedeutung.

Forschungsdaten können in externen disziplinübergreifenden oder fachlichen Forschungsdatenrepositorien veröffentlicht werden, die z.B. von Forschungsinstitutionen oder Fachgesellschaften betrieben werden. Ein Verzeichnis finden Sie unter re3data.org.

Es gibt spezielle "Data-Journals", die sich auf die Veröffentlichung von Forschungsdaten spezialisiert haben. Eine (nicht vollständige) Übersicht findet sich unter www.forschungsdaten.org/index.php/Data_Journals.

In unserer Universität können Forschungsdaten auf dem Publikationsserver veröffentlicht werden.

Je nach Art des Repositoriums und der rechtlichen Gegebenheiten können Sie eine passende Lizenz auswählen und damit die Nutzungsbedingungen festlegen. Am häufigsten verwendet werden Creative-Commons-Lizenzen (https://creativecommons.org) oder Open Data Commons (https://opendatacommons.org/). Im Sinne von Open Science empfehlen wir CC-BY oder ODC-BY (Namensnennung). Wir beraten Sie gern bei der Entscheidung.

Bei fachspezifischen Repositorien müssen die Möglichkeiten mit dem jeweiligen Anbieter geklärt werden.

Auf dem Publikationsserver können Zugangsrechte an einzelne Angehörige der Universität oder Gruppen von Personen vergeben werden. Auch eine öffentliche Bereitstellung ohne Zugriffsschutz im Sinne der "Open Science" ist möglich.

Empfohlen wird folgende Zitierweise:

Autorinnen und Autoren (Publikationsjahr): Titel der Forschungsdaten. Datenrepositorium oder Archiv. Version. Persistenter Identifikator (vorzugsweise als Link)

Weitere Hinweise finden Sie unter www.forschungsdaten.info/themen/bewahren-und-nachnutzen/zitieren-von-daten/.

Metadaten sind strukturierte, zusätzliche Daten, die eine Ressource (zum Beispiel ein Forschungsdatenset) beschreiben. Metadaten sind die Voraussetzung für das Auffinden, Referenzieren und Nachnutzen von Forschungsdaten. Je nach Art und fachlicher Herkunft der Forschungsdaten gibt es verschiedene Metadatenstandards. Eine erste Übersicht finden Sie unter https://www.forschungsdaten.info/themen/aufbereiten-und-veroeffentlichen/metadaten-und-metadatenstandards/.

Die Deutsche Nationalbibliothek übernimmt die dauerhafte Archivierung von öffentlich zugänglichen Forschungsdaten, die im Zusammenhang mit der Publikation einer Dissertation entstanden sind, wie oben beschrieben.

Die zentralen Systeme des Rechenzentrums erlauben zwar eine bis auf Weiteres unbefristete Speicherung. Eine Langzeitarchivierung im engen Sinne stellt dies aber nicht dar. Bei Ablage der Daten in einem fachspezifischen Repositorium muss im Einzelfall geklärt werden, inwieweit eine Langzeitarchivierung Bestandteil des Angebots ist.

Digitalisate können im Langzeitarchiv Rosetta des Bibliotheksverbunds Bayern gespeichert werden. Ansprechpartner ist die Universitätsbibliothek.

Daten, welche im Sinne des Bayerischen Archivgesetzes (BayArchivG) als archivwürdig eingestuft werden und dauerhaft in der Universität Bamberg archiviert werden sollen, werden durch das Universitätsarchiv verwaltet. Über die Archivwürdigkeit entscheidet das Universitätsarchiv im Benehmen mit den Forschenden oder auch übergeordneten Einrichtungen, beispielsweise Instituten oder Forschungsverbünden.

Die zentralen und wissenschaftsstützenden Einrichtungen der Universität unterstützen Sie über den gesamten Lebenszyklus der Forschungsdaten. Bereits im Vorfeld eines Drittmittelantrags berät Sie das Dezernat Forschungsförderung und Transfer (Z/FFT) auch in Bezug auf den Umgang mit Forschungsdaten. Für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ist die Trimberg Research Academy (TRAc) die zuständige zentrale Einrichtung. Im Laufe des Projekts und im Hinblick auf eine sichere und nachhaltige Speicherung Ihrer Daten unterstützt Sie das Rechenzentrum. Geht es um die langfristige Archivierung ist das Dezernat Universitätsarchiv (Z/ARCH) für Sie da. In allen Fragen zur Veröffentlichung, zu den Metadaten und zur Indexierung ist die Universitätsbibliothek Ihr Ansprechpartner. Bei rechtlichen und datenschutzrechtlichen Fragen unterstützen Sie das Justiziariat bzw. der Datenschutzbeauftragte.