Wissenschaftliche Einrichtungen

Trimberg Research Academy - TRAc

Prof. Dr. Rolf Bergmann

ehemals Inhaber des Lehrstuhls für deutsche Sprachwissenschaft und ältere deutsche Literatur, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

zur Zeit Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Mittelalterstudien

Am Kranen 10
Raum KR 10/03.03
96047 Bamberg
++951_863-2451

zusammen mit Prof. Dr. Stefanie Stricker: Leitung des DFG-Projekts "Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften. Digitale Erschließung der in Buchform veröffentlichten Daten und Erhebung der Daten zu den Nachtragshandschriften in einer Datenbank"

Hornthalstraße 2
Raum Ho2/00.06
++951-863-2205

rolf.bergmann(at)uni-bamberg.de

Forschungsgebiete: 

  • Althochdeutsche Sprache und Literatur
  • Wort- und Namenforschung und Lexikographie
  • Orthographie und Sprachgeschichte der Neuzeit
  • Religiöses Drama des Mittelalters

1. Althochdeutsche Sprache und Literatur

1.1. Erschließung der althochdeutschen Überlieferung

Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften (DFG-Projekt):
Der Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften bietet zum ersten Mal in der Forschungsgeschichte eine Darstellung der gesamten bekannten Überlieferung althochdeutscher und altsächsischer Glossen. Die einzelnen Handschriften wurden in großem Umfang in den größeren und kleineren Bibliotheken Europas autopsiert und werden aufgrund der Autopsie und der umfassend recherchierten Literatur kodikologisch und inhaltlich exakt beschrieben. Die in ihnen enthaltenen Glossen werden nach Zahl und Art, Entstehungszeit und  -ort sowie Mundart bestimmt. Ausführliche Bibliographien zu den Handschriften runden jeden Eintrag ab. Zahlreiche Register, u. a. zu Orten, Personen, Autoren und zur Glossenart, erschließen das Datenkorpus systematisch. Ein Tafelband mit ca. 300 Abbildungen bietet ergänzend in repräsentativer Auswahl Faksimiles von Handschriften mit allen wichtigen Glossentypen.

Publikationen:

  • Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften. Bearbeitet von Rolf Bergmann und Stefanie Stricker unter Mitarbeit von Yvonne Goldammer und Claudia Wich-Reif, Band I-VI, Berlin – New York: Walter de Gruyter 2005
  • Die althochdeutsche und altsächsische Glossographie. Ein Handbuch. Herausgegeben von Rolf Bergmann und Stefanie Stricker, Band I - II, Berlin – New York 2009

Zur Zeit in Arbeit zusammen mit Prof. Dr. Stefanie Stricker (DFG-Projekt):
Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften. Digitale Erschließung der in Buchform veröffentlichten Daten und Erhebung der Daten zu den Nachtragshandschriften in einer Datenbank

1.2. Erschließung grammatischer Strukturen des Althochdeutschen

Rückläufiges Morphologisches Wörterbuch des Althochdeutschen (Förderung: Akademie-Stipendium der Stiftung Volkswagenwerk):
Das rückläufige morphologische Wörterbuch des Althochdeutschen erschließt den Wortschatz der althochdeutschen Textüberlieferung auf der Grundlage von Rudolf Schützeichels Althochdeutschem Wörterbuch (Vierte, überarbeitete und ergänzte Auflage, Tübingen 1989) unter allen wortbildungsmorphologischen sowie unter grammatischen und unter phonologischen Aspekten unter Einsatz rückläufiger und rechtsläufiger alphabetischer Anordnungsprinzipien.

In dem Wörterbuch sind alle Grundmorpheme  berücksichtigt und ihre Vorkommen auch im Wortinnern oder als Endbestandteile von Wortbildungen erschlossen. Ebenso sind alle Präfixe und ihre Wortvorkommen, vor allem aber auch alle Suffixe und die mit ihnen gebildeten Wörter erfasst. Vom Einzelwort aus betrachtet heißt das, dass jedes Wort bei allen in ihm enthaltenen Morphemen aufgeführt ist. Die verschiedenen Verfahren der Alphabetisierung sind je nach den einzelnen morphologischen Aspekten eingesetzt.

Publikation:

Rolf Bergmann, Rückläufiges Morphologisches Wörterbuch des Althochdeutschen. Auf der Grundlage des »Althochdeutschen Wörterbuches« von Rudolf Schützeichel, Tübingen: Max Niemeyer Verlag 1991, XII,740 Seiten

Genus im Althochdeutschen in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Elisabeth Leiss (DFG-Projekt):
Die Arbeit bestätigt die Hypothese, dass im Althochdeutschen ein ehemaliges, im Indogermanischen funktionierendes hochmotiviertes Genussystem relikthaft erhalten ist. Das bedeutet, dass im Althochdeutschen von jedem Substantiv potentiell alle drei Genera gebildet werden konnten. Die Überprüfung von Substantiven mit Mehrfachgenus an allen Belegstellen in der gesamten althochdeutschen Textüberlieferung, ausgehend von der semantischen Motiviertheit der Genuszuweisung (Maskulinum: Singulativum – Femininum: Kollektivum – Neutrum: Kontinuativum), erwies einen in Spuren noch lebendigen Zusammenhang von Genuswechsel und Bedeutungswechsel bei ein und demselben Substantiv. Gestützt wird der Befund durch den Sekundärwortschatz im Bereich der Derivation, wobei das Genus als Einteilungsprinzip für die Derivation des Althochdeutschen geltend gemacht werden kann.

Publikation:

Regine Froschauer, Genus im Althochdeutschen. Eine funktionale Analyse des Mehrfachgenus althochdeutscher Substantive. Mit einem Vorwort von Rolf Bergmann und Elisabeth Leiss, Textband mit CD-ROM, Germanistische Bibliothek 16, Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter 2003, XIV, 529 Seiten

2. Orthographie und Sprachgeschichte der Neuzeit

2.1. Die Entwicklung der Großschreibung im Deutschen von 1500 bis 1700

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dieter Nerius (Rostock) (DFG-Projekt):
Der Majuskelgebrauch im Deutschen weicht von dem anderer Sprachen dadurch ab, dass er auf eine ganze Wortart, das Substantiv, ausgedehnt wurde. Die betreffenden sprachhistorischen Vorgänge waren bisher im Einzelnen noch weitgehend unerforscht. Die Untersuchungen zur Entwicklung der Großschreibung im Deutschen von 1500 bis 1700 sind das Ergebnis eines Bamberg-Rostocker Projekts der Jahre 1990 bis 1996. Ihr Ziel ist es, das Aufkommen der Substantivgroßschreibung, aber auch alle anderen lexikalisch oder syntaktisch bedingten Großschreibungsfälle für den historisch entscheidenden Zeitraum auf der Basis eines hinreichend breiten Textkorpus darzustellen. Die umfassende Beschreibung des Gebrauchs erlaubt auch eine angemessene Einschätzung der Rolle der Grammatiker als nachträgliche Beschreiber oder vorausgehende Begründer des Gebrauchs.

Publikation:

Die Entwicklung der Großschreibung im Deutschen von 1500 bis 1700. Herausgegeben von Rolf Bergmann – Dieter Nerius. Bearbeitet von Rolf Bergmann – Petra Ewald – Jutta Förtsch – Ursula Götz – Dieter Nerius – Birgit Ruf – Reinhold Tippe, Band I-II Germanische Bibliothek. NF: 3. Reihe: Untersuchungen 29, Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter 1998, XVI, 989 Seiten

2.2. Aufkommen und Durchsetzung des morphematischen Prinzips in der deutschen Orthographie

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Petra Ewald (Rostock) (DFG-Projekt):
Auf der Basis eines Textkorpus von 157 Drucken des 15. bis 18. Jahrhunderts lässt sich zeigen, dass der morphematische Umbau der deutschen Orthographie weder als selbstgesteuerter Prozess noch als bloßer Reflex einer präskriptiven Grammatik erklärbar ist. So treten Schreibungen wie <hand>, <berg> bereits im 12. Jahrhundert als Reflex regionaler Lautung auf, die heute gültige Schreibregel ist zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Usus durchgestzt, um dann am Ende des 17. Jahrhunderts als morphematische Schreibung interpretiert zu werden. Die morphematische Schreibung des a-Umlauts wird von Grammatikern vorgeschlagen, bevor sie sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts durchsetzt. Der Gebrauch schreibsilbenfinaler doppelter Konsonantenbuchstaben (<soll> statt <sol>) setzt sich erst im letzten Drittel des 18.Jahrhunderts unter dem Einfluss der Grammatik von Adelung durch. Schließlich ist während der untersuchten Periode ein kontinuierlicher Abbau phonetisch-determinativer Kürzungen nachweisbar, die eine Dekodierung der Schrift ohne Rekurs auf die Lautebene behinderten.

Publikation:

Nikolaus Ruge, Aufkommen und Durchsetzung morphembezogener Schreibungen im Deutschen 1500-1770, Heidelberg 2004

2.3. Documenta Orthographica

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Friedhelm Debus (Kiel) und Prof. Dr. Dieter Nerius (Rostock) (Förderung: Fritz Thyssen-Stiftung):
In der Reihe „Documenta Orthographica. Quellen zur Geschichte der deutschen Orthographie vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ werden bisher noch nicht oder seit langem nicht wieder veröffentlichte Arbeiten aus der Geschichte der deutschen Orthographie und der orthographischen Theorie sowie bisher unpublizierte oder weitgehend unzugängliche Dokumente zur Reform der deutschen Orthographie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

3. Religiöses Drama des Mittelalters

Katalog der deutschsprachigen geistlichen Spiele (DFG-Projekt):
Der Katalog dokumentiert die seinerzeit bekannte Überlieferung einer Gattung der mittelalterlichen deutschen Literatur und nimmt mit dieser Zielsetzung eine Zwischenstellung zwischen einem Handschriftenkatalog einer Bibliothek und einer monographischen Darstellung einer Gattung ein. Mit einem Bibliothekskatalog hat er die Anlage nach Einzelbeschreibungen und viele Einzelheiten in deren Gestaltung gemeinsam. Der Unterschied zum Handschriftenkatalog und zugleich die Gemeinsamkeit mit der Gattungsmonographie liegt in der Orientierung an der literarischen Gattung des geistlichen Spiels. Der Katalog soll die Überlieferung der behandelten Gattung in ihrem Umfang und Inhalt, in ihrer räumlichen und zeitlichen Verteilung sowie in ihren vielfältigen Formen darstellen und das Material für die verschiedensten überlieferungsbezogenen Auswertungen aufbereiten. Für das einzelne Werk wird die jeweilige spezifische Überlieferungssituation im Rahmen der Gesamtüberlieferung der Gattung sichtbar gemacht.

Publikation:

Rolf Bergmann, Katalog der deutschsprachigen geistlichen Spiele und Marienklagen des Mittelalters. Unter Mitarbeit von Eva P. Diedrichs und Christoph Treutwein,Veröffentlichungen der Kommission für deutsche Literatur des Mittelalters der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München: in Kommission bei der C. H. Beck’schen Verlagsbuchhandlung 1986, 608 Seiten

1937 geboren in Wuppertal

1958–1963 Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität zu Köln

1966 Promotion an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

1970 Habilitation für Germanische Philologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

1970–1973 Dozent, Wissenschaftlicher Rat und Professor an der Universität Münster, Lehrstuhlvertretungen in Münster und Saarbrücken

1973–1976 Ordentlicher Professor für neuere deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Augsburg

1977–2005 Ordentlicher Professor für deutsche Sprachwissenschaft und ältere deutsche Literatur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

1973–1975 Dekan des Philosophischen Fachbereichs II der Universität Augsburg

1977–1979 Geschäftsführender Dekan der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bamberg

1983–1986 Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Bamberg

1991–1995 Mitglied der Fachkommission des Bayrischen Nachwuchswissenschaftler-Förderungsprogramms

seit 1992 Mitglied der Sprachwissenschaftlichen Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

1984 Akademiepreis der Philologisch-Historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

seit 1990 Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

1992 Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

März 1994 Gastprofessur am Collège de France, Paris

2009 Verleihung der Ehrenmedaille "bene merenti" in Gold der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

2016 "Emeritus of Excellence" der Otto-Friedrich-Universität Bamberg