Trimberg Research Academy - TRAc

Förderprogramm IPID4all

Fellows

Weltweite Verteilung der Forschungs- und Tagungsaufenthalte (Outgoing)

Ausgewählte Berichte zu den Aufenthalten aus den Jahren 2016 & 2017

Dreimonatiger Forschungsaufenthalt am Uppsala Child and Baby Lab an der Universität Uppsala, Schweden, von August bis November 2017

Ich möchte euch gerne berichten, wie mein 3-monatiger Forschungsaufenthalt im Child and Baby Lab der Universität Uppsala vom 28.08.-17.11.2017 verlaufen ist, der mir dank des IPID4all-Mobilitätsstipendiums ermöglicht wurde!

Im Child and Baby Lab der Universität Uppsala liegt der Fokus sowohl auf typischer als auch atypischer Entwicklung von (sozialer) Kognition, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung im Säuglings- und Kindesalter. Das Lab besitzt eine große Auswahl an verschiedensten Untersuchungsmöglichkeiten wie Eye-Tracking, EEG, Pupillometry, Motion Tracking etc. Zudem verfügt es über ein Register an Eltern, die bereits ihr generelles Interesse an derlei Studienteilnahmen bekundet haben, als ihre Kinder 3 Monate alt waren, wodurch die Rekrutierung einfach durchführbar ist und man in der Regel auf hochmotivierte Eltern getroffen ist.

Ich bin ausnahmslos auf freundliche und hilfsbereite internationale Forscherinnen und Forscher und Promovierende gestoßen und wurde durch meinen Supervisor sehr gut betreut. Mit einem anderen Postdoc habe ich direkt zu Beginn noch ein Nebenprojekt starten können, in dem er mich ambitioniert unterstützt hat. Mir wurde sowohl ein eigener Arbeitsplatz als auch ein eigener Untersuchungsraum zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen meiner Promotion beschäftige ich mich mit dem frühen Spracherwerb im ersten Lebensjahr und führe eine Studie zur Sprachwahrnehmung sowohl im Kontext deutscher als auch schwedischer Sprache durch. Aus diesem Grunde bot sich eine Kooperationsstudie hervorragend an, indem ich kulturübergreifend Daten über frühe Wahrnehmungsprozesse sammeln und auswerten konnte. Während meiner drei Monate habe ich einen kleinen Längsschnitt von 40 Säuglingen erhoben die ich jeweils mit 4.5- und 6-Monaten ins Child- and Baby Lab eingeladen habe.

Vor meinem Forschungsaufenthalt habe ich diese Säuglingsstudie bereits im Bamberger Baby Institut (BamBI) der Universität Bamberg durchgeführt. Am Ende meines Forschungsaufenthalts werden im Rahmen meiner Promotion zwei gemeinsame Artikel veröffentlicht.

Eine schwedische Tradition umfasst die tägliche Fika, die ich zusammen mit meinen schwedischen und internationalen Kollegen genossen habe – eine Kaffeepause, die nicht nur den Kopf zwischendurch entspannen lässt, sondern das Arbeitsverhältnis zu den Kollegen freundschaftlicher werden lässt!

Zudem habe ich die wundervolle Landschaft Schwedens mit zahlreichen Wäldern und Seen genossen – wer es naturnah mag ist hier genau richtig! Ebenso habe ich die Gelegenheit genutzt das nahegelegene schöne Stockholm mehrmals („Venedig des Nordens“) zu besichtigen.

Mein Forschungsaufenthalt am Child and Baby Lab in Uppsala war, sowohl was meine Promotion betrifft, als auch persönlich, sehr bereichernd für mich. Ich habe tolle Erfahrungen sammeln können, freundliche Kollegen kennengelernt, die mich in meinem Forschungsprojekt konstruktiv unterstützt und damit weitergebracht haben. Ebenso bot sich mir der wertvolle Einblicke in ein renommiertes Baby Lab, was ich sehr spannend fand. Aus diesen Gründen bin ich sehr dankbar, dass mir diese Möglichkeit dank des IPID4all-Mobilitätsstipendiums gewährt wurde.

Katharina Dorn, MSc. Psych.

Tagungsteilnahme an der 11th General Conference des European Consortium for Political Research (ECPR) in Oslo, Norwegen, im September 2017

Dank IPID4all konnte ich an der 11th General Conference des European Consortium for Political Research (ECPR) vom 06.-09. September 2017 in Oslo teilnehmen. Die Konferenz ist mit fast 2000 vorgestellten Arbeiten in 450 Paneln nicht nur die größte ihrer Art in der europäischen Politikwissenschaft, sondern gleichzeitig auch eine der renommiertesten. Dementsprechend erfreut war ich über die Zusage, dass ich gleich zwei meiner Arbeiten dort präsentieren durfte.

Die Reise startete am 5. September von München aus direkt nach Oslo. Am nächsten Tag ging es dann direkt zum Campus der Universität Oslo. Neben der Registrierung gab es dort während der ganzen Konferenz auch die Möglichkeit sich mit Verlagen über die Publikationen eventueller Arbeiten auszutauschen. Zu bestimmten Zeiten war es sogar möglich, die Herausgeber der jeweiligen Verlage zu treffen und über ihre Arbeit und die Disziplin zu diskutieren.

Für mich begann die Konferenz dann offiziell am zweiten Tag morgens in der ersten Session mit dem Panel „Innovative Tools in Measuring Political Participation“. Dort hielt ich einen Vortrag zum Thema „Measuring Left-Wing Extreme Attitudes. Evidence from Germany“. Anders als beim Rechtsextremismus, welcher aufgrund der deutschen und europäischen Geschichte bereits weitgehend erforscht ist, ist der Linksextremismus noch ein relativ unbeschriebenes Blatt in der Forschung. Der Vortrag ging demnach der Frage nach, wie man dessen Einstellungen in der Bevölkerung erheben kann. Insgesamt gab es überwiegend positives Feedback und eine angeregte Diskussion zu allen drei Beiträgen im Panel. Leider fand zur gleichen Zeit ein ähnliches Panel statt, welches ich gerne besucht hätte („Measuring Populism and Populist Attitudes“). Aufgrund der schieren Masse an Vorträgen, die aufgrund der kurzen Konferenzdauer parallel stattfinden müssen, ist dies jedoch nicht verwunderlich und man muss in solchen Fällen wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Danach ging es dann direkt weiter zum nächsten Panel, nämlich „Hate and Activism on the Internet“. Mehrere Forscher aus Skandinavien und Deutschland stellten dabei interessante Ansätze vor, wie die extreme Rechte soziale Medien für ihre Propaganda vereinnahmt und versucht auf die Bevölkerung einzuwirken. Über den gesamten Tag fanden zudem interessante Vorlesungen und Diskussionen statt, mit Themen wie der Rolle der Politikwissenschaft in der Ära Donald Trumps oder der Frage danach wie es mit Großbritannien nach dem Brexit weitergeht.

Der nächste Tag begann für mich mit zwei Paneln zum Thema „Disentangling the Support for Left and Right Populism“ und “Populist Attitudes and Voting Behavior”. In Zeiten, in denen links- und rechtspopulistische Parteien nun in vielen Parlamenten Europas vertreten sind, sind natürlich auch internationale Fachtagungen brennend am Thema Populismus interessiert. In letzterem Panel traf ich übrigens einen Vertreter des Team Populism (https://populism.byu.edu/), eine der bedeutendsten Forschergruppen im Feld, mit welchem sich im Anschluss bereits erste Kooperationen zwischen Bamberg und Universitäten in Ungarn und Spanien ergeben haben.

In der letzten Session des Tages fand dann ein weiteres Panel („Voting for the Populist Radicals on the Right and the Left“) mit meiner Beteiligung statt. Mein Vortrag zum Thema „On the Origins of Left-Wing Extremism – Analyzing the Determinants of Extreme Left Attitudes in Germany” schloss dabei an meine vorherige Arbeit an. Ziel war es, herauszufinden, welche Faktoren linksextreme Einstellungen innerhalb der Bevölkerung bedingen. Das Panel war sehr gut besucht und bot insgesamt auch reichlich Diskussion und sehr gutes und intensives Feedback, welches mir bei meinem weiteren Vorhaben definitiv weiterhelfen wird. Im Anschluss an den offiziellen Teil der Konferenz fand am Abend noch ein Zusammentreffen aller Forscher der Bereiche Extremismus, Radikalismus und Populismus statt. Bei einem gemeinsamen Abendessen bot sich so genügend Zeit für das Knüpfen neuer Kontakte und die Diskussion aktueller Themen im Forschungsfeld.

Der letzte Tag endete wiederum mit einem Panel zu Populismus („Left/Right Party Populism in Europe: Same-Same but Different?“). Insgesamt bot die Konferenz eine unglaubliche Bandbreite und Fülle an Themen, Aktivitäten und Informationen, die einen Besuch definitiv lohnen. Oslo war zudem ein idealer Austragungsort, da es eine Vielzahl an Möglichkeiten der Erholung in der freien Zeit bietet. Insel-hopping durch die Bucht von Oslo, Sightseeing beim Holmenkollen oder eine Wanderung ringsum idyllische Seen sind nur eine kleine Auswahl an vielen, meist sogar kostenlosen Aktivitäten, die die Stadt bietet. Einziger Wehrmutstropfen war das Wetter (siehe Bilder). Ein Besuch lohnt sich aber in jedem Fall.

Insgesamt verliefen die Konferenz und der Aufenthalt in Oslo sehr positiv für mich. Die große Zahl an Themen und Beiträgen stellen sicher, dass man nahezu immer auf seine Kosten kommt. Persönlich erhielt ich überwiegend positives Feedback, welches ich auch gut für meine weitere Arbeit verwenden kann. Man muss jedoch auch anmerken, dass die Größe nicht immer nur Vorteile bietet. Durch die enorme Bandbreite werden zwar Forscher aus verschiedenen Teildisziplinen zusammengebracht und den Teilnehmer so auch oft unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dasselbe Thema aufgezeigt. Leider passiert es aber in manchen Fällen, dass die Diskussion sich somit auf einem „oberflächlichen“ Niveau bewegt. Andere Konferenzen oder Workshops mit geringer Teilnehmerzahl, die sich einem spezifischen Thema über einige Tage widmen sind dann der bessere Anlaufpunkt. Nichtsdestotrotz würde ich die Konferenz weiterempfehlen, gerade deswegen, weil man auch Einblicke in die Arbeiten anderer Forscher erhält und sich so seinen eigenen Horizont erweitert.

Dipl.-Pol. Sebastian Jungkunz

Tagungsteilnahme an der 21th Conference of the JUnior REsearchers der European Association for Research on Learning and Instruction in Tampere, Finnland, im August 2017

Organisatorische & finanzielle Rahmenbedingungen

Dank Unterstützung des DAAD-Förderprojekts „IPID4all“ konnte ich an der 21. Conference of the Junior Researchers (JURE) 2017 teilnehmen. Die Tagung fand am 27. und 28. August 2017 in Tampere (Finnland) statt und wurde von der Universität Tampere ausgerichtet. Sie geht als Pre-Conference unmittelbar der Haupttagung EARLI 2017 (European Association for Research on Learning and Instruction) 2017 voraus, der größten erziehungswissenschaftlichen Vereinigung in Europa, die sich im interdisziplinären Feld der Lehr-Lernforschung bewegt. Die JURE richtet sich speziell an Nachwuchsforscher und bietet eine Plattform, Forschungsprojekte und Dissertationsvorhaben im Rahmen von Paper-, Poster- sowie Roundtablepräsentationen vorzustellen. Übergeordnetes Thema der Tagung war “Education in the light of multiple perspectives: Towards intertwining personalised and collaborative learning”. Als zentrale Fragestellung wurde unter anderem vom Tagungskommittee formuliert, inwiefern Institutionen berufliche Weiterbildung unterstützen können.

Aufgrund der etwas längeren Anreise (4,5 h Flugzeit) flog ich am 26.08.2017 von München über Helsinki nach Tampere und am 29.08.2017 wieder zurück (307,70 Euro). Für die drei Nächte nahm ich ein unweit der Universität gelegenes Apartment-Hotel (294,30 Euro). Mit weiteren 90,00 Euro Tagungsgebühren sowie Gebühren für das Airport-Shuttle (10,00 Euro) beliefen sich die Gesamtkosten auf 702,00 Euro. Der IPID4all-Zuschuss setzt sich aus einer länderspezifischen Reisekostenpauschale zusammen (175,00 Euro) plus einer länderspezifischen Tagespauschale (107,00 Euro x 4 Tage = 428,00 Euro) und beträgt in meinem Fall 603,00 Euro. Somit bleibt ein Restbetrag von 99,00 Euro, den ich privat übernehme.

Ausdrücklich zu loben ist die Betreuung durch die IPID4all-Koordinatorin Simone Treiber. Hier wurde ich Vorfeld sehr gut bezüglich Fördermöglichkeiten beraten. Auch im weiteren Prozess war sie jederzeit eine hilfreiche Ansprechpartnerin.

Promotionsprojekt, Konferenzbeitrag und weitere Entwicklung

Parallel zu meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wirtschaftspädagogik (Prof. Dr. Karin Heinrichs) verfolge seit einiger Zeit mein Promotionsprojekt. Es haben sich zwei Themengebiete herauskristallisiert, die ich im Rahmen meiner Dissertation verbinden möchte: Konfliktverhalten von Führungskräften und Intrapreneurshipverhalten von Beschäftigten. Innovationen erscheinen im Zuge wachsender globaler Marktdynamiken als wesentlicher Erfolgsfaktor von Unternehmen, um dauerhaft im Wettbewerb bestehen zu können. Streben Mitarbeiter im Rahmen ihres Verantwortungsbereiches proaktiv danach, neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse innerhalb der Organisation zu entwickeln oder umzusetzen und diese auch gegen interne Widerstände zu verteidigen, so lässt sich dieses Phänomen als Intrapreneurship bezeichnen (Pinchot 1985, xii; Draeger-Ernst 2003, 23).

Die Intensität der unternehmerischen Aktivität innerhalb der Belegschaft lässt sich durch zahlreiche Faktoren beeinflussen. Führungsverantwortliche scheinen in diesem Kontext eine Schlüsselfunktion im Intrapreneurshipprozess einzunehmen, da sie ihre Beschäftigten durch ihre hierarchische Stellung gezielt dabei unterstützen können, ihre Ideen in Form von neuen Produkten, Dienstleistungen oder Arbeitsprozessen innerhalb der Organisation zu etablieren (Moriano, Molero, Topa & Mangin 2014, 103). Innovative Ideen stellen häufig bisherige Produkte, Dienstleistungen oder Arbeitsprozesse in Frage. Führungsverantwortliche sehen daher nicht nur Vorteile in Neuerungen, sondern nicht selten auch die Gefahr, Prestige oder Macht zu verlieren (Menzel 2008, 25). Zudem befinden sich Führungskräfte in der Vermittlerrolle zwischen individuellen Interessen der Intrapreneure und Unternehmensinteressen. Hier stehen typischerweise Bedürfnisse nach Erneuerung, Risikotoleranz und Flexibilität den Bedürfnissen nach Planungssicherheit, Einhaltung von Regeln und Beständigkeit entgegen (Menzel 2008, 25). Innovative Ideen haben somit das Potenzial, Konflikte innerhalb einer Arbeitsgruppe oder sogar über die Arbeitsgruppe hinaus auszulösen (Jehn 1995, Song et al. 2006). Konflikte sind jedoch nicht per se als negatives Phänomen zu werten. Wenn unterschiedliche Ansichten offen und konstruktiv diskutiert werden, können Kosten reduziert, Qualität verbessert (Tjosvold 1998; Tjosvold & MacPherson 1996) und neue Technologien fortschrittlich eingesetzt werden (Tjosvold, Meredith & Wong 1998). Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, inwiefern das Konfliktverhalten von Führungskräften mit dem Intrapreneurshipverhalten ihrer Mitarbeiter in einem Zusammenhang steht. Als weiterführende Frage steht außerdem im Raum, in welchen konkreten Konfliktsituationen Mitarbeiter in ihren innovativen Ideen unterstützt werden.

Um diese Fragen zu beantworten, sollen eine quantitative und qualitative Befragung bei Beschäftigten in Organisationen durchgeführt werden. Es ist geplant, mittels Fragebögen das Konfliktverhalten der Führungskräfte aus Sicht der Mitarbeiter zu betrachten. Hierfür soll eine adaptierte Version des Fragebogens ROCI-II-D von Bilsky & Wülker (2000) zum Einsatz kommen, die auf dem Rahim Organizational Conflict Inventory-II (ROCI-II) basiert. Rahim (1983) differenziert fünf verschiedene Strategien, um Konflikten zu begegnen. Eine Person kann a) dem Konflikt aus dem Weg gehen (=Avoiding), b) sich den Bedürfnissen des Gegenübers unterwerfen (=Obliging), c) ihren Willen durchsetzen (=Dominating), d) einen akzeptablen Kompromiss finden (=Compromising) oder e) eine Lösung finden, die beide Bedürfnisse voll erfüllt (=Integrating). Da ROCI-II-D als Selbstauskunft konzipiert wurde, ist die Formulierung aller 28 Items als Fremdbeurteilung anzupassen. Die Anpassung erfordert einen Pre-Test zur Beurteilung der Validität der Skalen. Zur Erhebung des Intrapreneurverhaltens der Beschäftigten wird die Skala zu Intrapreneurship Behaviour nach Stull & Singh (2005) herangezogen. Diese erhebt mittels 15 Items unternehmerisches Verhalten aus Sicht der Beschäftigten in den drei Dimensionen Proaktivität, Risikoübernahme und Innovationsfähigkeit. Zudem werden konkrete innovative Projekte der Mitarbeiter in Form eines Kurzberichts sowie der jeweilige subjektiv eingeschätzte Mehrwert aus Sicht der Beschäftigten für die Organisation erfragt. Um weitere Einflussfaktoren hinsichtlich des Intrapreneurverhaltens von Mitarbeitern zu kontrollieren, werden bisher bekannte, bereits zuvor aufgeführte organisationale und individuelle Determinanten miterhoben, welche das unternehmerische Denken und Handeln von Beschäftigten beeinflussen. Parallel hierzu soll eine Interviewstudie mit Beschäftigten und Führungskräften durchgeführt werden, um Hinweise zur Kausalität eines möglichen Zusammenhanges liefern zu können. Zudem sollen die Interviews auch Aufschluss darüber geben, in welchen konkreten Konfliktsituationen Mitarbeiter in ihren innovativen Ideen unterstützt werden.

Im Rahmen der JURE 2017 durfte ich mein Projekt in Form einer Round-Table-Session vorstellen. Hierfür wurden mir zunächst fünf Minuten eingeräumt, in denen ich die Kernpunkte meines Projekts unter Zuhilfenahme eines Handouts einer Teilnehmergruppe von ca. 15 Personen erläuterte. In fünf Minuten gelingt nur eine sehr grobe Darstellung der Eckdaten, gleichzeitig ist es eine gute Übung, sich auf die wesentlichen Elemente der Promotionsarbeit zu konzentrieren. Im Anschluss erfolgte eine 25-minütige Diskussionsrunde, moderiert durch einen Session Chair. Die ersten Rückfragen der Teilnehmer sind eher dem Bereich Verständnisfragen zuzuordnen. Sehr schnell ging es jedoch um methodische Fragen. Im Mittelpunkt stand die Überlegung, inwiefern ich gerade bei heikleren Fragen – insbesondere bezüglich Konfliktverhalten der eigenen Person oder das des Gegenübers – eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen kann. Dies ist ein durchaus kritischer Punkt, der die Qualität meines Datenmaterials sehr beeinflussen kann. Die Überlegungen gingen vor allem in die Richtung, den qualitativen Part nicht in verschiedenen Unternehmen durchzuführen, sondern besser in ein Unternehmen zu gehen, dort für das Projekt zu werben, die Zustimmung der HR-Verantwortlichen sowie der Arbeitnehmervertretung einzuholen und im Anschluss mehrere Führungskräfte und Beschäftigte befrage. Diese Vorgehensweise möchte ich gerne umsetzen. Ich hätte noch einige weitere Fragen gehabt, insbesondere hinsichtlich Erhebungsinstrumente und Erfahrungen mit Mixed-Methods-Strategien. Leider aber war nach der intensiven und durchaus gewinnbringenden Diskussion zur Erhebung die Diskussionszeit abgelaufen.

Netzwerkaktivitäten

Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Forschungskonferenzen ist das Kennenlernen von
(Nachwuchs-)Forschern, je nach Internationalisierungsgrad auch aus anderen Ländern. Hier durfte ich zahlreiche neue Kontakte knüpfen, interessante Promotionsprojekte kennenlernen und spannende Diskussionen führen. Gelegenheiten zum Netzwerken boten sich sowohl während dem Tagungsprogramm selbst, als auch darüber hinaus. So wurde neben einem Gala-Abend mit Verleihung der Best-Paper- und Best-Poster-Awards auch ein Craft-Beer-Tasting geboten.

Fazit zur JURE 2017: Auch wenn noch einige Fragen offen bleiben, die nun in anderen Formaten diskutiert werden müssen, war die Tagungsteilnahme sehr gewinnbringend für mich und mein Promotionsprojekt. Ich kann allen Nachwuchsforschern im pädagogischen Bereich uneingeschränkt empfehlen, sich ebenfalls für die kommende JURE zu bewerben.

Benjamin Jäcklin, M.A.

 

Vierwöchiger Forschungsaufenthalt im Prentenkabinet des Rijksmuseums in Amsterdam, Niederlande, im Juni 2017

Mithilfe des Mobilitätsstipendiums IPID4All wurde mir ein vierwöchiger Forschungsaufenthalt im Prentenkabinet (Kupferstichkabinett) des Rijksmuseums in Amsterdam ermöglicht. Das Rijksprentenkabinet stellt mit über 700.000 Arbeiten auf Papier die größte graphische Sammlung in den Niederlanden dar. Für den Beginn meines Dissertationsvorhabens zur niederländischen Druckgraphik des 17. Jahrhunderts ist die Sammlung von relevantem Arbeitsmaterial in Amsterdam der erste wichtige Schritt gewesen.

Der Standort Amsterdam ist von besonderer Bedeutung für die Beschäftigung mit Druckgraphik aus dem sogenannten Goldenen Jahrhundert. In dieser Zeit avancierte die Stadt durch ihre günstige Lage nahe der Nordsee zu einer der größten europäischen Handelszentren. Der städtische Wohlstand schlug sich besonders in der Kunst der Zeit nieder und es wurden im Zuge dessen bedeutende Kunstsammlungen angelegt. Die gesammelten Objekte verließen die Stadt nur selten und bildeten so die Herzstücke der musealen Bestände. Insbesondere das Rijksprentenkabinet profitiert noch heute davon, denn die Sammlung niederländischer Druckgraphik von Rembrandt und seinem künstlerischen Umkreis gilt durch die jahrhundertelange Sammelpraxis als nahezu vollständig.

Während meines Aufenthaltes vor Ort hatte ich die Gelegenheit, für mich relevante Teile der Amsterdamer Sammlung eingehend zu studieren. Die Arbeit mit dem Original ist für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Druckgraphik unerlässlich. Über hochauflösende Fotografien lassen sich zwar Motivik und Linienführung weitestgehend erschließen, doch für die eingehende Beschäftigung mit Graphik reicht dies nicht aus. Essentielle Untersuchungskriterien, die eine Einordnung der Arbeiten in ihren Entstehungskontext erlauben, wie das Erfassen von Gebrauchsspuren, die Bestimmung der Oberflächenbeschaffenheit sowie die Einordnung der Wasserzeichen, können nur am Original festgestellt werden.

Durch eine Vorauswahl über den Objektkatalog des Rijksmuseums ermittelte ich die infrage kommenden Künstler und konnte die entsprechenden graphischen Arbeiten zur Ansicht schon am ersten Tag in den Lesesaal bestellen. Die nächsten Wochen verbrachte ich mit der Erstellung von Tabellen, in denen ich zu jedem einzelnen Blatt Besonderheiten bezüglich der graphischen Techniken und der Motivik festhielt, sie zudem ausmaß, Wasserzeichen ermittelte und erste Einordnungen bezüglich Gebrauch und Umkreis vornehmen konnte. Über 200 relevante Blätter untersuchte ich in den vier Wochen. Durch den direkten Kontakt zu den Graphik-Spezialisten des Prentenkabinets konnten Verständnisfragen und Zuordnungsprobleme sofort gelöst werden. Ein weiterer Vorteil während der Arbeit im Rijksmuseum war der direkte Zugang zu einer der umfangreichsten Kunstbibliotheken in Europa. Ein „kurzes Nachschlagen“ innerhalb von wenigen Minuten war dank der Option zur Sofort-Bestellung jederzeit ohne Probleme möglich. So ließ sich die Arbeit vor Ort umso effektiver gestalten.

Neben den Untersuchungen im Rijksprentenkabinet ergab sich die Möglichkeit, direkt in der ersten Woche als Zuhörerin am internationalen Friedländer-Symposium teilzunehmen – eine tolle Gelegenheit die Arbeit international renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kennenzulernen. Zudem fand der Studientag des Arbeitskreises für niederländische Kunst- und Kulturgeschichte, welchem ich seit einiger Zeit angehöre, im Juni in Amsterdam statt. Gemeinsam hatten wir nicht nur das Glück eine Kuratoren-Führung durch ausgewählte Bereiche des Rijksmuseums zu bekommen, sondern zusätzlich durch das RKD (Kunsthistorisches Dokumentationszentrum) in Den Haag, die Sammlung und Restaurierungswerkstätten des Mauritshuis sowie die deutsche Botschaft vor Ort.

An den Wochenenden unternahm ich viele Ausflüge, u.a. nach Rotterdam, Utrecht oder in das Schloss Het Loo in Appeldoorn, denn das Reisen mit dem Zug innerhalb der Niederlande ist nicht nur günstig, sondern durch ein gut ausgebautes Liniennetz auch äußerst komfortabel. Zusätzlich standen natürlich ausgiebige Erkundungen innerhalb Amsterdams auf dem Programm, die mir die Stadt selbst sowie die Sprache und die vielfältige Kultur nahe brachten.

Insgesamt waren die vier Wochen in Amsterdam ein außerordentlich hoher wissenschaftlicher sowie persönlicher Gewinn, der mein Promotionsvorhaben einen großen und vor allem entscheidenden Schritt nach vorne gebracht hat. Dank des Ipid4all-Programms und der professionellen Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rijksmuseums konnte ich Teile der notwendigen Grundlagenarbeit für mein Dissertationsvorhaben in die Tat umsetzen.

Rebecca Welkens, M.A.

Tagungsteilnahme an der 25th European Conference on Information Systems (ECIS) in Guimarães, Portugal, im Juni 2017

Im Zeitraum vom 04. – 10.05. habe ich an der 25. European Conference on Information Systems und dem davor stattfindenden Doktorandenseminar (ECIS Doctoral Consortium), sowie einem Workshop teilgenommen. Meine Reise zu dieser Konferenz wurde durch ein IPID4all-Mobilitätsstipendium aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt.

Die ECIS Konferenz ist für die Wirtschaftsinformatik-Disziplin sehr relevant und wurde in diesem Jahr zur offiziellen Konferenz der Association for Information Systems (AIS) für die AIS Region 2 (Europa, Afrika und Mittlerer Osten) ernannt. Auf der WI-Liste der Konferenzen, herausgegeben von der WKWI des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V., wird die Konferenz in der Kategorie „A“ geführt, da die Annahmequoten regelmäßig unter 30% liegen.

Vor der eigentlichen Konferenz findet jeweils ein renommiertes Doktorandenseminar statt, das im Jahr 2017 von acht bekannten Professorinnen und Professoren an Universitäten und Business Schools in Europa, Großbritannien und den Vereinigten Staaten organisiert wurde. Die Hauptorganisatoren waren Prof. Niall Hayes (Lancester University, UK) und Prof. Kevin C. Desouza (Arizona State University, USA).

Für das zweite Jahr meiner Promotion im Fach Wirtschaftsinformatik setzte ich mir zum Ziel, am ECIS DC 2017 teilzunehmen. Das Seminar erschien mir zu diesem Zeitpunkt mehr als wertvoll, da ich im Rahmen der Bewerbung die Kernideen meiner Dissertation in einer passenden Form zusammenfassen konnte und dafür Feedback aus der internationalen Fach-Community erhalten wollte. Aus diesem Grund initiierte ich meine Bewerbung zu Beginn des Jahres mit einem „Dissertation Proposal“, eine Kurzzusammenfassung der geplanten Dissertation, das den Kern der Bewerbung für das Doktorandenseminar darstellte.

Das Auswahlverfahren war sehr kompetitiv, jede Universität durfte lediglich ein(e) Bewerber(in) je Universität für das Seminar vorschlagen. Die Bewerbungen konnten nicht durch den Doktoranden selbst vorgenommen werden, sondern bedurften der Empfehlung durch den Betreuer. Mein Erstbetreuer, Prof. Dr. Thorsten Staake, stimmte meine Bewerbung mit dem Wirtschaftsinformatik-Fachkollegium ab und sendete mein Dissertation Proposal zusammen mit einem Empfehlungsschreiben an die Auswahlkommission. Über die Mitteilung meiner Annahme zum Doktoranten-Seminar Anfang April freute ich mich daher außerordentlich.

Das Seminar begann am Sonntag, den 04. Juni 2017 mit einem Empfang und gemeinsamen Abendessen, bei dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenlernen konnten. Bereits die Diskussionen während des ersten Abends waren sehr interessant und spannend.

Am zweiten Tag wurden wir durch die Hauptorganisatoren begrüßt und erhielten nach einer Vorstellungsrunde weitere Informationen über das Seminar. In diesem Zusammenhang wurde auch die Auswahl der 19 Promovierenden (3 davon aus Deutschland) aus über 50 Bewerbungen erläutert. Neben der Qualität des Dissertation Proposals wurde insbesondere Wert darauf gelegt, wie relevant die Forschung des Doktoranden für die Zukunft des Fachgebiets ist und welche Kandidaten von der Teilnahme am Seminar am meisten profitieren können. Im Rahmen der Vorstellungsrunde betonten nahezu alle Professorinnen und Professoren ihre Motivation, dieses Seminar zu organisieren: Die Nachwuchswissenschaftler kennenzulernen, welche die Zukunft des Fachbereiches der Wirtschaftsinformatik (Information-Systems) gestalten können.

Daraufhin fanden am zweiten und dritten Tag die Präsentationen der Teilnehmer in zwei parallelen Gruppen statt. Jedem Doktoranden standen 45 Minuten zur Verfügung, in welchen er zunächst einen ca. 20-minütigen Vortrag hielt. Anschließend wurde kritisch, aber sehr konstruktiv über das Thema der jeweiligen Dissertation diskutiert. Dazu waren alle Doktoranden im Vorfeld des Seminares angehalten, die Dissertation Proposals ihrer Gruppe vorzubereiten, um adäquates Feedback geben zu können. Aus meiner Sicht waren alle Vorträge und Feedback-Runden äußerst hilfreich für die Vortragenden und die übrigen Teilnehmer, da unterschiedlichste Aspekte der Dissertationen, der Forschungsmethoden und Themen diskutiert wurden. Das Feedback reichte von generellen Empfehlungen für die Forschung und die Promotion bis hin zu Detail-Feedback für die einzelnen Themen oder Methoden und war geprägt von den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und Sichtweisen der Teilnehmer. Für mich persönlich war das Feedback sehr wertvoll, um meine Forschung besser in die Disziplin einzuordnen und die verbleibende Zeit in meiner Promotionsphase optimal zu nutzen. Hilfreich war zudem, Rückmeldung von Forschern aus anderen Arbeitsgruppen und Ländern zu erhalten.

Im Anschluss an die Präsentationen fanden am späten Nachmittag jeweils Keynotes statt. Am Montag referierte Prof. Suprateek Sarker (University of Virginia, USA) zum Thema „Being a scholar in the global IS discipline“ und am Dienstag Prof. Edgar Whitley (London School of Economics) zum Thema „Career Planning and Impact in Academia“. Beide Vorträge gaben uns Nachwuchswissenschaftlern hilfreiche Einblicke in die wissenschaftliche Karriere sowie Empfehlungen für die eigene Zielsetzung im Rahmen der Promotion und darüber hinaus. Am Ende des Doktorandenseminars wurden alle Teilnehmer am Dienstagabend mit einem Bus nach Guimarães zum Tagungsort für die Hauptkonferenz gefahren.

Dort fanden am Mittwoch weitere Workshops zu verschiedenen Themen statt. Ich meldete mich für den Workshop „How to be an effective reviewer“ an, der als Ergänzung des Doktorandenseminars für Nachwuchswissenschaftler angeboten wurde. Als Vorbereitung für den Workshop sollten alle Teilnehmer ein Gutachten für einen Zeitschriftenartikel schreiben sollten, welches in dem Workshop besprochen wurde und als Grundlage für eine (fiktive) Annahme-Entscheidung des Artikels im Workshop diente. Die Inhalte des Workshops halfen mir sehr, den wissenschaftlichen Publikationsprozess (Zeitschriften und Konferenzen) und dessen Anforderungen besser zu verstehen. Dieses Wissen werde ich sowohl für meine eigenen Veröffentlichungen als auch bei der Mitarbeit im Peer-Review-Prozess anwenden können.

Von Donnerstag bis Samstag fand die Hauptkonferenz mit parallelen Vorträgen, Panel-Diskussionen und Poster-Sessions statt. Die dort präsentierten Themen waren für mich äußerst interessant und ich hatte Gelegenheit, mich mit Doktoranden und Professoren auf einer sehr guten fachlichen, aber auch persönlichen Ebene austauschen. Die beim ECIS DC geknüpften Kontakte konnte ich vertiefen und weitere Forscher kennenlernen. Ich gehe davon aus, dass aus den Kontakten zukünftig einige internationale Forschungskooperationen ergeben. Der Anspruch des IPID4all-Programms, die Internationalisierung der Promovierenden in Bamberg zu fördern, wurde in meinem Fall sehr gut realisiert.

Konstantin Hopf, M.A.

Vierwöchiger Forschungsaufenthalt an der Macquarie University in Sydney, Australien, im Mai und Juni 2017

Anfang Mai 2017 brach ich auf nach Sydney, um einen vierwöchigen Forschungskurzaufenthalt am Department of Linguistics der Macquarie University durchzuführen. Da mein eigener Forschungsschwerpunkt auf dem Australischen Englisch liegt, hat diese Institution (einer der größten sprachwiss. Lehrstühle in Australien) eine besondere Bedeutung, da Wissenschaftler dieser Einrichtung maßgeblich an der Erforschung dieser Varietät beteiligt waren und sind (siehe z.B. das in 1980ern entwickelte und nach der Universität benannte Macquarie Dictionary – sozusagen der australische „Duden“).

Der Anstoß für diesen Aufenthalt entstand im Herbst 2016 durch einen Konferenzbeitrag zu einer Fallstudie aus meinem Promotionsprojekt über den Gebrauch von informeller Sprache in australischen Parlamentsdebatten, durch den ich mit Dr. Haidee Kruger von der Macquarie University ins Gespräch gekommen war. Da sie aktuell an einem größeren Forschungsprojekt über die Hansard-Protokolle (das sind die offiziellen Mitschriften der Parlamentsdebatten vieler Commonwealth-Staaten wie Großbritannien, Australien etc.) mit deutlichen Überschneidungspunkten zu meiner Fallstudie arbeitet, luden sie und ihr (Projekt-)Kollege Dr. Adam Smith mich für einen kurzen Forschungsaufenthalt nach Sydney ein.

Auch wenn ich nur für einen relativ kurzen Aufenthalt Gast an der Macquarie University war, konnte ich in dieser kurzen Zeit einige für mein Promotionsprojekt wichtige Aktivitäten erfolgreich umsetzen.

Zunächst war mein Hauptziel, meine Forschungsarbeit vor Ort vorzustellen und dadurch Interesse an meiner Arbeit unter australischen Forschern zu wecken. Ziel meines Promotionsprojekts ist es, die für Australier häufig als so typisch wahrgenommene informelle Art in Gesprächen (unabhängig von Bekanntheitsgrad oder sozialem Status) anhand von quantitativen Fallstudien empirisch zu untersuchen. Von besonderer Bedeutung war für mich daher, Rückmeldung von Personen zu erhalten, die das Australische English nicht nur selbst sprechen, sondern auch erforschen. Dazu hatte ich vor allem bei der Vorstellung meines Promotionsprojekts und der aktuellsten Forschungsergebnisse in einem Vortrag am Institut die Möglichkeit, dem auch renommierte Forscher wie Pam Peters oder Felicity Cox beiwohnten. Das positive Feedback und das aufrichtige Interesse an meinen Ergebnissen sowie auch die generelle Würdigung meines Ansatzes haben mich in besonderem Maße in meinem Forschungsvorhaben bestärkt.

Darüber hinaus wollte ich meinen Aufenthalt zur Feldforschung nutzen, da ich meine Korpus-Ergebnisse zum grammatikalisierten Gebrauch von sogenannten size nouns (wie etwa heaps of people im Sinne von „jede Menge Leute“) durch Fragebogendaten sowohl verifizieren als auch ergänzen wollte. Die Feldforschung vor Ort erlaubte mir insbesondere auch verstärkt nach älteren Teilnehmern für meine Umfrage zu suchen, die ich eher nicht mit einer Online-Umfrage erreichen könnte. So habe ich durch meine field trips (an Bahnsteigen, auf Fähren, Spielplätzen, in Nah- und Fernverkehrszügen, Einkaufszentren, Parks, an der Uni usw.) nicht nur einige wertvolle Daten sammeln können, sondern auch so manche unterhaltsame Begegnung gehabt (unter anderem konnten sich die sehr hilfsbereiten Senioren oft köstlich über meine eher neumodisch klingenden Beispielsätze amüsieren!); darüber hinaus mündete so manches Fragebogen-Interview noch in einer interessanten Unterhaltung mit verschiedensten Australiern, die mir teilweise ihre Ansichten zum Thema näher brachten, aber auch einige erinnerungswürdige, unerwartete Erlebnisse bescherte (z.B. als sich eine Bibliotheksmitarbeiterin von meinem Fragebogen so unterhalten gefühlt hatte, dass sie mir im Gegenzug das hochmoderne „automated storage and retrieval system“ – a.k.a. "the robot" – im Herzen der Bibliothek vorführte – wo sonst natürlich nur Mitarbeiter hindürfen!).

Insbesondere die Einbindung an das Linguistics Department ermöglichte es mir aber auch, meinen Fragebogen zusätzlich in einem effizienteren Online-Format zu verbreiten: einige Kollegen halfen mir, sowohl privat als auch in ihrer Lehrfunktion meinen Link über soziale Netzwerke und die E-Learning-Plattform der Uni zu bewerben (obwohl dazwischen noch ein holpriger Weg über die Ethikkommission inkl. eines 60-seitigen, zwangsweise über Nacht entstandenen Antrag und sehr langsam mahlenden Mühlen stand…). Dabei konnte ich nicht nur viele australische Daten, sondern auch gleich Kontrolldaten von Sprechern anderer Varietäten sammeln.

Ein weiteres wichtiges Ziel bestand für mich im fachlichen Austausch und dem Knüpfen von Kontakten zu australischen Forschern. In erster Linie waren das natürlich Dr. Kruger und Dr. Smith, wobei wir insbesondere schon unsere Forschung zu den Parlamentsdebatten vergleichen und erfreulicherweise feststellen konnten, dass sich unsere Ergebnisse gegenseitig bei vielen Variablen bestätigen. Auch profitierte ich davon, dass Dr. Smith bereits selbst zu einem Teilaspekt meiner zweiten Fallstudie (für die ich in Sydney die Fragebogendaten sammelte) geforscht hatte und nicht nur wertvolle Anmerkungen anbrachte, sondern mich auch in meiner aktuellen Arbeit bestätigte. Darüber hinaus habe ich zu einigen Forschern am Institut mit ähnlichen Forschungsinteressen wie meinen (v.a. Korpuslinguistik, Soziolinguistik und  angewandte Pragmatik) besonderen Kontakt aufbauen können. Besonders gefreut hat mich auch, dass Dr. Peter Collins, ein ebenfalls wichtiger Forscher im Bereich des australischen Englisch von der University of New South Wales (auch in Sydney), sich die Zeit genommen hatte, um mich in einem informellen Gespräch am Campus kennen zu lernen (und dabei bereits in seinen E-Mails zuvor einen weiteren qualitativen Beweis für die Informalität bei Australiern geliefert hatte).

Natürlich nutzte ich auch meinen Aufenthalt, um Bibliotheksrecherche zu betreiben und so manchen Artikel, den ich in Bamberg erst bestellen müsste, direkt über die Macquarie Uni herunterzuladen. Außerdem habe ich auch meine generelle Zeit an der Uni genossen, die mit ihrem wunderschönen grünen Campus viele schöne Orte zum Entspannen für mich bereithielt. Zusätzlich war der Kurzaufenthalt für mich auch persönlich eine unschätzbare Bereicherung, da er mich an meine „frühere Heimat“ (wegen eines früheren Studienaufenthaltes an der University of Sydney über das Austauschprogramm der Uni Bamberg) zurückbrachte und ich in meiner Freizeit alte Freunde und altbekannte Orte wiedersehen konnte.

Letztendlich habe ich sehr von meinem Aufenthalt, der mir durch das IPID4all-Programm ermöglicht wurde, profitiert. Bestärkt durch die positiven Rückmeldungen zu meiner bisherigen Arbeit, freue ich mich schon auf die Auswertung meiner neuen Daten. Die neu geknüpften Kontakte hoffe ich auch in Zukunft weiterhin pflegen zu können. Dr. Kruger und Dr. Smith könnten sich auch vorstellen bei einer Forschungsreise nach Deutschland die Station Bamberg miteinzubauen; und auch mit anderen Kollegen von der Macquarie Uni habe ich schon über ein mögliches Wiedersehen bei verschiedenen Konferenzen gesprochen.

Ich möchte mich noch einmal herzlich für das Stipendium über das IPID4all-Programm bedanken, das mich persönlich und mein Promotionsprojekt in diesem besonderen Maße vorwärts gebracht hat.

Romina Buttafoco

Zehnwöchiger Forschungsaufenthalt am Magellan Research Center, Lyon, Frankreich, von September bis November 2016

Auf Basis des Mobilitätsstipendiums von IPID4all wurde es mir im Jahr 2016 ermöglicht, einen Forschungsaufenthalt am Institut d'Administration des Entreprises (IAE) der Université Jean Moulin Lyon III durchzuführen.

An der Universität III in Lyon, die nach dem französischen Widerstandskämpfer Jean Moulin (1899-1943) benannt ist, sind derweil rund 28.000 Studierende immatrikuliert. Ein Drittel der Studierenden geht dabei einem Studium der Betriebswirtschaftslehre nach. Das IAE Lyon ist eine der besten Einrichtungen für Managementforschung in Frankreich, neben 144 Professoren tragen auch 400 Führungskräfte aus privaten und externen Organisationen und Unternehmen zur Durchführung des Curriculums für die Studierenden bei, wobei die starke internationale Ausrichtung u.a. durch ein sehr umfassendes und gut organisiertes Alumni-Netzwerk (ca. 30.000 Personen) gefördert wird.

Das Centre de Recherche MAGELLAN ist die zentrale Forschungseinheit des IAE Lyon, das organisatorisch wiederum in drei Achsen (Komplexität/Innovation/Netzwerke, Corporate Social Responsibility und International Management) und sechs Gruppen (Finance, Management, Marketing, Human Ressources, Strategy und Information Systems) gegliedert ist.

Nach Erstaufnahme im Juli 2014 erfuhr mein Promotionsstudium in der Bamberger BWL, basierend auf einer Gastdozententätigkeit am IAE Lyon, zügig eine Internationalisierung bis hin zu einem dualen Promotionsstudium (Cotutelle de thèse). Somit war ich bereits vor Antritt meines Forschungsaufenthaltes in 2016 bestens vernetzt und teilweise in das vorliegende französische Umfeld integriert. Nicht zuletzt konnte ich somit vom ersten Tag meines Aufenthaltes in Frankreich den Austausch suchen und ein starkes Interesse und sehr viel Unterstützung von den französischen Kolleginnen und Kollegen erfahren.

Neben dem engen fachlichen Austausch mit Frau Prof. Ulrike Mayrhofer, Ihres Zeichens Betreuerin meines Promotionsvorhabens von französischer Seite, konnte ich im Rahmen meines Aufenthalts den aktuellen Stand der Erkenntnis meines Forschungs- und Promotionsvorhabens diskutieren. Außerdem durfte ich an den Kolloquien der unterschiedlichen Achsen und Gruppen teilnehmen sowie meine eigene Arbeit präsentieren.

Neben all diesen fachlichen Erfahrungen internationalisierte sich mein Promotionsstudium im Verlauf meines Aufenthaltes auch thematisch. Dabei konnte ich meine bereits bestehenden Erkenntnisse zur Multinationalität von deutschen Unternehmen um die französischen Pendants ergänzen. Der Aufenthalt am IAE Lyon in Frankreich trägt somit maßgeblich zur Festigung der Erkenntnisse meiner Forschungsarbeit bei.

Die Stadt Lyon, welche basierend auf ihrer Einwohnerzahl in etwa der Größe von Nürnberg entspricht, lockte dabei nicht nur durch die Cuisine Lyonnais, die besonders von Paul Bocuse geprägt wurde, und ihre über 30 Museen, sondern auch mit der Möglichkeit teils dem grauen Herbstwetter in Deutschland entgehen zu können. Neben der Notre-Dame de Fourvière, eine römisch-katholische Votiv- und Wallfahrtskirche und zugleich UNESCO-Weltkulturerbe, ist Lyon aber auch für seine besondere Rolle in der historischen Entwicklung der Filmindustrie bekannt, da die Brüder Lumière 1895 am Institut Lumière (Lichtinstitut) den vermutlich ersten Film der Welt drehten. Des Weiteren ist auch die Opéra National de Lyon überregional und international bekannt.

Insgesamt war der Forschungsaufenthalt in Lyon für mich wissenschaftlich und persönlich von großer Bedeutung und ich habe wertvolle Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten in einem renommierten internationalen Forschungsumfeld erhalten. Ein entsprechender Dank gilt der IPID4all-Auswahlkommission, welche die Finanzierung meines Aufenthaltes bewilligt und es mir somit ermöglichte, der Internationalisierung meines Promotionsstudiums und -vorhabens nachgehen zu können. Ein besonderer Dank gilt dabei insbesondere Frau Prof. Mayrhofer aus Lyon und Herrn Prof. Engelhard aus Bamberg gleichermaßen, die mich in meinen Absichten stets stützen, motivieren, fordern und zugleich fördern.

Christoph Czychon, M. Sc.

Sechswöchiger Forschungsaufenthalt an der University of Glasgow, Glasgow, Scotland, UK, von Mai bis Juni 2016

Mit Hilfe des Mobilitätsstipendiums von IPID4all war es mir im vergangenen Jahr möglich, einen Forschungsaufenthalt an der Adam Smith Business School der Universität Glasgow in Schottland durchzuführen.

Gegründet im Jahre 1451 ist die Universität Glasgow die viertälteste Universität im englischsprachigen Raum und gehört somit auch zu den ältesten Universitäten weltweit. Eine Vielzahl international renommierter Forscher hat an der Universität Glasgow gewirkt. So war beispielsweise der berühmte Ökonom Adam Smith, der heutige Namensgeber der Business School, Professor an der Universität Glasgow; während dieser Zeit verfasste er auch sein bis heute bekanntes Werk „The Theory of Moral Sentiments“. Die Universität Glasgow zählt bis heute zu einer der besten Forschungseinrichtungen weltweit. So ist sie regelmäßig im World University Ranking der „Times“ unter den Top 100. Die Business School, welche die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität beherbergt, sitzt zu wesentlichen Teilen in den historischen Gebäuden der Universität. An ihr lernen und forschen ca. 4.500 Studierende aus rund 60 verschiedenen Nationen.

Im Fokus meines Forschungsaufenthalts stand die Weiterentwicklung eines bereits bestehenden Forschungsprojekts mit dem Arbeitstitel „Accounting Conservatism and the Implied Cost of Capital“, welches in Kooperation mit Frau Prof. Dr. Brigitte Eierle sowie Herrn Dr. Ioannis Tsalavoutas entstanden ist. Dr. Tsalavoutas ist seit 2015 Senior Lecturer an er Universität Glasgow und auf dem Gebiet der internationalen Rechnungslegung und kapitalmarktorientierten Unternehmensbewertung sehr ausgewiesen. Er hat in diesem Bereich seine Promotion an der Universität Edinburgh abgelegt und war anschließend bis 2014 an der Universität Sterling tätig. Mit ihm gemeinsam an der Weiterentwicklung unseres Arbeitspapiers zu arbeiten, war für mich eine enorme Bereicherung.

Neben dem engen fachlichen Austausch mit Herrn Dr. Tsalavoutas, konnte ich im Rahmen meines Aufenthalts mein aktuelles Forschungsvorhaben im Rahmen eines Forschungsseminars an der Universität Glasgow präsentieren. An diesem nahm auch Prof. Stephen H. Penman (Columbia University, NYC), einer der renommiertesten Forscher im Bereich der rechnungswesenbasierten Unternehmensbewertung, teil; mit dem ich im Anschluss auch ein persönliches Gespräch über das Forschungsprojekt führen konnte. Des Weiteren bot sich für mich im Rahmen eines schottlandweiten Forschungsseminars an der Heriott Watt University in Edinburgh die Möglichkeit, das Projekt ein weiteres Mal zu präsentieren.

Neben all diesen fachlichen Erfahrungen bot der Aufenthalt auch kulturell und landschaftlich sehr viel. So konnte ich die Städte Glasgow und Edinburgh kennenlernen sowie durch einen Ausflug in die schottischen Highlands bekannte Sehenswürdigkeiten Schottlands besuchen.

Resümierend war der Aufenthalt in Glasgow sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus persönlicher Sicht für mich enorm bereichernd. Durch den Gastaufenthalt und das im Rahmen der Präsentation und Diskussion erhaltene Feedback konnte ich nicht nur unser gemeinsames Forschungsprojekt maßgeblich voranbringen, sondern habe auch wertvolle Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten in einem renommierten internationalen Forschungsumfeld erhalten. Daher bin ich dem Förderprogramm von IPID4all sehr für die finanzielle Unterstützung dankbar, welches mir diese Forschungsreise ermöglicht hat, von der ich nachhaltig profitieren werde.

Simeon Ketterer, M.Sc.

Dreimonatiger Forschungsaufenthalt an der University of California, Berkeley, CA, USA, von April bis Juni 2016

Mit Hilfe des Mobilitätsstipendiums IPID4all war es mir möglich über die Sommermonate 2016 einen Forschungsaufenthalt am Institute for the Studies of Societal Issues an der University of California in Berkeley zu verbringen. Die UC Berkeley ist laut Rankings die beste öffentliche Universität der Welt und bietet ihren über 3000 Gastwissenschaftlern ein hervorragendes Forschungsumfeld. Vor Ort gibt es eine Visiting Scholar and Postdoc Association (VSPA), die sich durch ein vielfältiges Serviceangebot um die Integration von Gastwissenschaftlern kümmert, indem sie Informationen zu Formalitäten, vielfältige Workshops und Qualifizierungsangebote und soziale Aktivitäten bietet.

Auch für Doktoranden ist es üblich einen Arbeitsplatz an den Instituten zu bekommen. Am Institute for the Studies of Societal Issues (ISSI) war ich in ein interdisziplinäres Umfeld eingebunden, dass angewandte Forschung zu Migration und ethnischen Minderheiten auf höchstem wissenschaftlichen Niveau betreibt. Dort habe ich von Beginn an sehr viel Unterstützung und Interesse erfahren, konnte an interessanten Kolloquien teilnehmen, spannende Vorträge hören und meine eigene Arbeit vorstellen und diskutieren lassen.

 Auch kulturell und landschaftlich hat die Bay Area einiges zu bieten. Das 25 min entfernte San Francisco ist ein kultureller Schmelztiegel, und bietet sehenswerte Kunstmuseen, Musikfestivals, usw. Aufgrund der vielfältigen Landschaft und der optimalen Wetterbedingungen lassen sich ganzjährig verschiedenste Outdoor-Sportarten betreiben, wie Radfahren, Schwimmen, Skifahren, Wandern, Klettern, Segeln, Surfen und vieles mehr.

Durch das schlechte Sozial- und Gesundheitssystem gibt es allerdings sehr viele Obdachlose, die auch auf dem Campus und in angrenzenden Parks leben. So ist es doch bedrückend, dass das hohe Risiko des sozialen Abstiegs an einem derart privilegierten und elitären Ort in den USA allgegenwärtig ist. Zudem entspricht vieles in den USA nicht dem Maß an Ausstattung, Sauberkeit und Sicherheit, das man von Deutschland gewohnt ist.

Insgesamt war der Aufenthalt in Berkeley für mich wissenschaftlich und persönlich enorm bereichernd. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen dank des Mobilitätsstipendiums IPID4all machen durfte.

Dipl.-Soz. Christiane Heimann

Tagungsteilnahme am 51st International Congress on Medieval Studies in Kalamazoo, MI, USA, im Mai 2016

Durch IPID4all konnte ich vom 12.-15. Mai 2016 am 51st International Congress on Medieval Studies teilnehmen, der an der Western Michigan University in Kalamazoo, USA stattfand. Der Kongress ist einer der größten und renommiertesten im Bereich der Mittelalterforschung, weshalb meine Erwartungen im Vorfeld meiner Reise sowohl von fachlichen Bedenken als auch von neugieriger Hoffnung geprägt waren.

Die fachlichen Bedenken lassen sich leicht mit dem eigentlichen Ziel meiner Tagungsteilnahme erklären: Ich hatte mir vorgenommen, die Wirkung einiger vorläufiger Ergebnisse aus meinem Promotionsprojekt erstmals vor internationalem Publikum zu testen. Das bedeutete also, gewissermaßen herauszufinden, inwieweit die Arbeit der letzten Monate erfolgreich war und ob bzw. wie sie sich am besten fortsetzen lässt. Durch die positive Resonanz auf deutschen Tagungen war ich vorsichtig optimistisch und zuversichtlich, dass jede Art der Kritik hilfreich sein würde.
Die neugierige Hoffnung war zum Teil wilden Gerüchten geschuldet, die ich vorab über den „Mediävisten-Zirkus“ gehört hatte, welche sich wiederum auf die schiere Menge der Teilnehmer (ca. 2000) und die bunte Mischung der Forschungsthemen bezogen. Daher wollte ich natürlich herausfinden, ob sich die Gerüchte bewahrheiten würden. Davon abgesehen interessierte mich ganz grundsätzlich, wie wohl amerikanische Tagungen im Vergleich zu den mir bekannten deutschen und britischen organisiert sind und welche Atmosphäre dort herrscht. Weil meine Untersuchung mittelenglischen Reitvokabulars ein spezieller Randbereich der Mittelalterforschung ist, war ich außerdem gespannt darauf, ob ich Gleichgesinnte finden würde, mit denen sich sogar ein längerfristiger Austausch ergeben könnte.
Meine Reise startete am Mittwoch, den 11. Mai in München, von dort aus flog ich direkt nach Chicago. Mit einem Leihwagen begab ich mich auf eine zu Beginn nervenaufreibende Fahrt durch den Berufsverkehr von Chicago und weiter am Lake Michigan entlang nach Norden. In einem der Studentenwohnheime auf dem Campus konnte ich schnell mein gebuchtes Zimmer beziehen und dem Jetlag durch frühes Schlafengehen vorbeugen.
Am Donnerstag begann mein Tag mit einem Orientierungsrundgang auf dem äußerst weitläufigen und herrlich grünen Campus der Western Michigan University. Danach besuchte ich die erste Vortragssitzung am Vormittag und durfte ein überraschend abwechslungsreiches Mittagessen genießen. Nach einer weiteren unterhaltsamen und meiner Arbeit thematisch nahen Sitzung zu Tierstimmen am frühen Nachmittag wurde es für mich in der zweiten Nachmittagssitzung ernst: Die Sitzung “Animals and Power: Human-Animal Interactions and the Representation of Social Order in Medieval Research and in Teaching the Middle Ages” wurde vom Bamberger Zentrum für Mittelalterstudien organisiert und beinhaltete insgesamt drei Vorträge. Ich stellte unter dem Vortragstitel “The Use of Equestrian Terminology to Indicate Social Status. Analysing Terms for Horse-Riding in the Corpus of Middle English Prose and Verse” exemplarisch einige meiner vorläufigen Ergebnisse aus meinem Promotionsprojekt vor. Mir ging es dabei besonders darum, zu zeigen, wie sich das etwas abstrakt anmutende Material des Reitvokabulars auch außerhalb pferdefokussierter Fragestellungen gewinnbringend nutzen lässt. Die Sitzung war sehr gut besucht und es entstand eine rege Diskussion zu allen drei Beiträgen. Auf meine persönlichen Ergebnisse daraus werde ich abschließend näher eingehen.
Die Tagesstruktur des wissenschaftlichen Programms lief am Freitag und Samstag ähnlich ab. Besonders erwähnenswert sind dabei die spannende Plenary Lecture am Freitag Vormittag, mein Besuch der vielfältigen und informativen Ausstellungshalle sowie die Sitzung der „Pseudo-Society“ am Samstag Abend, in der äußerst intelligente und humoristische pseudo-mediävistische Vorträge gehalten wurden.
Am Sonntag trat ich bereits nach dem Frühstück meine Heimreise an. Wieder ging es erst nach Chicago, diesmal weitgehend planmäßig mit Zug und Airportshuttle, und von dort aus weiter nach München. In Chicago nutzte ich meine eingeplante Pufferzeit für einen kurzen Spaziergang durch die Häuserschluchten, damit ich noch ein kleines Stück Amerika außerhalb des Campus zu Gesicht bekam.
Aus fachlicher Sicht war meine Tagungsteilnahme erfreulich erfolgreich und gewinnbringend. In der Diskussion zu meinem Vortrag wurde deutlich, dass sowohl großes Interesse als auch praktischer Bedarf an meiner Forschung bestehen, was mich sehr für die Weiterarbeit motiviert hat. Die Fragen und Anregungen waren für mich gute Hinweise auf Stärken und Schwächen meiner Herangehensweise und es wurde deutlich, welche nächsten Handlungsschritte vorrangig zu bearbeiten sind und was vorerst hintangestellt werden kann.
Im Dialog mit diversen wissenschaftlichen Verlagen signalisierten einige Bereitschaft zur Veröffentlichung meiner fertigen Forschungsarbeit. Zwar wird es bis dahin noch etwas dauern, doch die positive Resonanz hat mich zuversichtlich gestimmt und ebenfalls zur Motivation beigetragen. Neben vielen neuen Bekanntschaften gelang es mir tatsächlich auch, Kontakt zu immerhin einer Forscherin zu knüpfen, die ebenfalls zu Pferden forscht. Ihr Schwerpunkt liegt auf der italienischen Renaissance und so entspann sich ein abendfüllendes Gespräch über Entwicklungen und Beeinflussungen von Reitstilen, Sprachen und literarischen Elementen quer über Europa.
Auf persönlicher Ebene empfand ich meine Reise als äußerst bereichernd. Vor allem war ich positiv von der angenehm familiären Atmosphäre überrascht, die auf der ganzen Tagung herrschte. Angesichts der großen Teilnehmerzahl hatte ich eher mit Anonymität und kühler Sachlichkeit gerechnet. Doch selbst in den Diskussionen, die in Deutschland ja bisweilen stark von Konkurrenzdenken und dem Bedürfnis nach eigener Profilierung um jeden Preis geprägt sind, erlebte ich in Kalamazoo stets ein freundliches, produktives und auf fächerübergreifenden Austausch bedachtes Gesprächsklima. Welche Assoziationen auch immer mit dem Begriff „Mediävisten-Zirkus“ mitschwingen können, ich persönlich fühlte mich sehr wohl in der bunten Gesellschaft. Denn in der Tat waren Mittelalterbegeisterte jeden Alters, jeden Menschentyps und mit den unterschiedlichsten Forschungsinteressen vertreten. Diese vielfältige Mischung war für mich sehr inspirierend und in gewisser Hinsicht auch identitätsstiftend, weil die Veranstaltung den Charme eines großen Familientreffens hatte, bei dem Verbindungen selbst zwischen weit entfernten Mitgliedern neu geschaffen oder aufgefrischt werden. Gerade diese Erfahrung der Zusammengehörigkeit hat mich sehr motiviert, mit meiner Arbeit meinen Beitrag zu unserer gemeinsamen Aufgabe der Mittelalterforschung zu leisten.

Caroline Limpert, M. A.

Sechswöchiger Archivaufenthalt im Österreichischen Staatsarchiv, Wien, Österreich, von April bis Mai 2016

Mit Unterstützung des IPID4all-Forschungsstipendiums konnte der sechswöchige Forschungsaufenthalt  im Österreichischen Staatsarchiv, Abt. Kriegsarchiv, in Wien erfolgreich durchgeführt werden.

Die Vermutung, dass ein großer Teil der Verwaltungsakten des Hochstifts Bamberg (Laufzeit ab 1796), welche durch Einfälle französischer Truppen während der Koalitionskriege (1792-1815) zerstört wurden, in Kopie an den Kaiser bzw. das kaiserliche Kriegsarchiv übersendet worden waren, konnte bestätigt werden. Durch die Benutzungsbestimmungen des Kriegsarchivs Wien, ist Benutzern die Einsicht von maximal drei Aktenkonvoluten (bez. ‚Karton‘) pro Tag gestattet. So konnte insgesamt in knapp 100 Akten Einsicht genommen werden.

Der überwiegende Teil der zu recherchierenden Quellen befand sich im Bestand der Personalevidenzen, wo Stand- und Musterlisten für die Infanterie (1790-1801) und für die Dragoner (berittene Infanteristen, 1796-1801) des Subsidienbataillons bzw. der späteren Kreistruppen verzeichnet sind.
Die Infanteristen, aus denen neben etwa 20 Artilleristen, das komplette Subsidienbataillon bis 1793 bestand, wurden 1791 in Gent gemustert. Dort erstellte man aufwändige Musterungslisten und -tabellen der vier Kompanien sowie der Artillerie. Für eine statistische Auswertung wurden die Listen in eine Exeltabelle transkribiert und hinsichtlich folgender Angaben ausgewertet: Rang, geographische Herkunft (Ort u. Territorium), Alter, Dienstalter, Konfession, Familienstand, Anzahl/Alter der Kinder, Jurisdiktionszugehörigkeit der Ehefrauen und Kinder, Beruf, Körpergröße, Kapitulationszeit (Verpflichtungszeitraum), Marschbefehle, Aufenthaltsorte und Gesundheitszustand (leichte oder schwere Krankheit, Invalidität, Tod) sowie Beförderungen oder Degradierungen.

Für die Folgejahre bis 1801 sind keine weiteren ausführlichen Musterlisten vorhanden. Die Überprüfung der Mannschaftsstärken sowie der Zu- und Abgänge erfolgte in diesen Jahren mittels Revisionslisten, die lediglich die Namen und Chargen der Soldaten aufführen. Sie geben außerdem Auskünfte über Abkommandierungen, Desertionen sowie Krankheits- und Todesfälle.
Zwischen den Revisionen, die etwa ein- bis zweimal pro Jahr abgehalten wurden, informierte man den Generalsstab mit Monatslisten über die momentanen Kompaniestärken und über besondere Vorkommnissen (Gefechte, Todesfälle, Desertionen, finanzielle Sonderausgaben).
Vereinzelt haben sich Subarbitierungslisten, die über den Gesundheitszustand der Invaliden Auskunft geben, und Transferierungslisten, welche über Abkommandierungen zu den Reichsfestungen oder zu anderen Kompanien bzw. Regimentern informieren, erhalten.
Für die Dragoner, die als Truppenverstärkung ab 1793 vom Hochstift entsandt wurden, sind nur Monats- und Revisionslisten bis 1801 vorhanden; Musterlisten sind nicht erhalten.
Dank der Orts- und Datumsangaben der oben aufgeführten Schriftstücke lassen sich die Truppenbewegungen aller Kompanien gut nachvollziehen und können damit enger in den Zusammenhang mit anderen Truppenkörpern und Gefechtsbeteiligungen gestellt werden. Deutlich wurde hierbei, dass die Infanterie als nahezu reine Garnisonstruppe eingesetzt wurde, wohingegen die Dragoner der kaiserlichen Reiterei und die Artilleristen der Reichsartillerie zugeordnet waren. Die beiden letzten Einheiten waren demzufolge an mehr Gefechten beteiligt, was sich auch in der höheren Anzahl der Gefechtstoten wiederspiegelt.

Der Bestand der Feldakten dokumentiert die Vorkommnisse in den einzelnen Garnisonen, wo die Infanterie stationiert war. Vereinzelt finden sich Berichte zu den Aufenthalten im Gebiet des Oberrheins (1793-1795) und der Niederlande (1794). Ausführlicher ist die Aktenlage zur Festung Mainz, wo die hochstiftischen Infanteristen zwischen 1795 und 1797 stationiert waren. Leider wurden die Akten, welche die Jahre 1790 bis 1792 dokumentieren, als das Subsidienbataillon zur Niederschlagung eines Aufstandes in Luxemburg und den Niederlanden eingesetzt wurde, 1944 nach Berlin versendet und wohl dort zerstört.
Ebenfalls in den Feldakten sind kolorierte – bisher unveröffentlichte – Pläne der Festung Luxemburg und Umgebung enthalten, die die Angaben in den Offiziersberichten in einen übersichtlicheren Kontext setzen.
Im Hofkriegskanzleiarchiv wurden je zwei Subsidienverträge zwischen dem Kaiser und den Hochstiften Bamberg und Würzburg aufgefunden und transkribiert. In einer weiterführenden Analyse sollen diese Verträge auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich der organisatorischen, finanziellen und politischen Absprachen untersucht werden. Interessant ist dies vor allem, da in den Personalevidenzen ebenfalls die Musterakten der Würzburger Subsidientruppen eingesehen wurden und so direkte Vergleiche der verschiedenen Truppenkörper ermöglichen.
Auch wurde der Frage nach der Ausbildung von fränkischen Offizieren in den Wiener Offiziersschulen nachgegangen. Dazu wurde die im Archiv in Edition vorliegende Matrikel der ‚Theresianischen Militärakademie zu Wiener-Neustadt‘ stichprobenhaft nach fränkischen Adligen bzw. Offizieren durchsucht, es konnten aber keine Übereinstimmungen gefunden werden.
In der Sammlung der Gefechtspläne des Kriegsarchivs konnten einige „Ordres de bataille“ für den Siebenjährigen Krieg bzw. die Koalitionskriege aufgefunden werden. Diese geben Auskunft über die Positionierung der fränkischen Kreistruppen bzw. der Subsidientruppen in der Schlachtordnung sowie den Zusammenschluss mit anderen Kompanien zu sog. Korps. Diese Hinweise sind entscheidend um Erwähnungen in den Akten den richtigen Truppenkörpern zuordnen zu können.

Insgesamt wurden die Erwartungen an das Quellenmaterial weitestgehend erfüllt und der Archivaufenthalt kann als erfolgreich bewertet werden und liefert – ergänzend zu den Beständen des Staatsarchivs Bamberg – eine breite Quellenbasis für die Subsidientruppen des Hochstifts Bamberg im ausgehenden 18. Jahrhundert. Für die finanzielle Unterstützung durch das IPID4all-Forschungsstipendium, ohne welches die Realisierung des Archiv-aufenthalts in Wien nur schwer möglich gewesen wäre, möchte ich mich recht herzlich bedanken.

Andreas Reder, M. A.

Sechswöchiger Forschungsaufenthalt an der Simon Fraser University in Vancouver, BC, CA, von Februar bis April 2016

Im Juli 2015 trat ich mit Hilfe eines IPID4all-Mobilitätsstipendiums einen 6-wöchigen Forschungsaufenthalt an der Simon Fraser University (SFU) in Vancouver an. Die Einladung erfolgte durch Herrn Professor Jonathan Smith, der an der Universität als Experte für NewSouthern Studies lehrt und forscht — dem zentralen Forschungsbereich, in den auch mein Promotionsvorhaben „HIV and AIDS in the US South“ (Arbeitstitel) fällt.

Der Forschungsaufenthalt in Vancouver ermöglichte es mir, diesen wichtigen Forschungskontakt auszubauen und mich intensiv mit Prof. Smith über den Fortschritt meiner Arbeit in Konzeptualisierung und Theorie auszutauschen. Die regelmäßigen Treffen mit Prof. Smith, der Besuch einer seiner Kurse für Master Studenten mit dem Titel „Topics in Literature and Media: Representin(g) the South“, sowie die intensive Nutzung des Bibliotheksbestandes der SFU, trugen intensiv zu einem umfassenderen Überblick über die aktuellen Forschungsansätze im Bereich der Southern Studies als auch der spezifischeren Einordnung meines Textkorpus bei. Ich war mit Hilfe Prof. Smiths und der ausgezeichneten Lehrbuchsammlung der SFU in der Lage, theoretische Konzepte, die in engem Zusammenhang mit den New Southern Studies und meinem Projektes stehen, zu konzeptualisieren und weiterzuentwickeln.

Obwohl mich mein Forschungsaufenthalt nicht in die Südstaaten führte, war er die  produktivste Möglichkeit mein Promotionsprojekt weiterzuentwickeln. Prof. Smith ist ein bekannter und renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der New Southern Studies und nimmt mit seiner Forschung maßgeblich an der theoretischen Weiterentwicklung und kritischen Reevaluation dieses Forschungsfeldes teil. Ein durch ihn betreuter Recherche-Aufenthalt war daher sowohl für mein Dissertationsprojekt, als auch für meine akademische Entwicklung allgemein sehr wichtig und stellte sich als äußerst produktiv heraus.

Theresa Roth