Katholische Theologie

Theologische Ethik

Armut und Kirche – sozialethische Anfragen an das Konzept einer „armen“ Kirche                                                                                         FNK Interne Forschungsförderung (2014/2015)

Seit Beginn des Pontifikats von Franziskus I. reißt die Diskussion um eine „arme Kirche“ nicht mehr ab. Angestoßen durch den sozialen Herkunftskontext des neuen Papstes und seine Symbolpolitik hinsichtlich seiner individuellen Lebensführung und bei öffentlichen Auftritten hat die Frage nach dem Reichtum der (katholischen) Kirche weltweit neue Brisanz gewonnen. In Deutschland wird diese Debatte einerseits im Umfeld der zunehmenden Säkularisierung und der Frage nach der Trennung von Staat und Kirche geführt, andererseits aber auch ganz grundsätzlich die Frage nach einer Doppelmoral der Katholischen Kirche zwischen Verkündigung und tatsächlichem Auftreten, zwischen sozialem Engagement gegen Armut und der Zurschaustellung großen oder vermeintlich großen Reichtums gestellt. Die Katholische Kirche wird dabei im öffentlichen Diskurs als Organisation verstanden, die – anders als etwa privatwirtschaftliche Institutionen – von ihrer Struktur her der Armut verpflichtet seien. Dabei wird u.a. Rekurs auf den mehr oder weniger mittellosen ‚Gründer‘ wie auch auf ‚Lichtgestalten‘ (Franz von Assisi; Mutter Theresa) genommen. Zugleich aber stellt sich aus sozialethischer Perspektive das Problem, dass Armut als Zustand gilt, der bekämpft werden soll. Normativ führt das Thema der Armut damit in einen Hiatus zwischen geforderten – institutioneller – Armut und zu überwindender – individueller – Armut hinein, der vor erhebliche systematische Probleme stellt.

Das Forschungsprojekt geht vor allem der Frage nach, ob institutionstheoretisch wie ethisch überhaupt die Möglichkeit einer ‚armen‘ Organisation denkbar ist. Anders formuliert: Ist überhaupt eine öffentlichkeitswirksame, in Gesellschaft und Welt hineinwirkende Organisation denkbar, die sich der Armut verpflichtet? Oder muss eine Institution, die in einer durch ökonomische Zwänge und Realitäten geprägten Welt agiert, nicht auch über ein Minimum an finanziellen Mitteln verfügen, um ihre Aufgaben, die sich aus ihrem Auftrag heraus ergeben, wahrzunehmen? Kurz: Führt »Armut« als Programm einer Institution, diese nicht zugleich in performative Widersprüche? Und wenn das so ist, was folgt daraus in institutionsethischer Perspektive für die Katholische Kirche wie für den öffentlichen Diskurs?
Es lässt sich zeigen, dass diese Fragen im öffentlichen wie wissenschaftlichen Diskurs nur anfangshaft formuliert und bearbeitet werden und dringend einer systematischen Bearbeitung bedürfen. Zurückgegriffen werden kann dabei zum einen auf die Reden und Ansprachen des neuen Papstes, die auf ihren systematischen Gehalt hin untersucht werden können, sowie auf die im lateinamerikanischen Kontext entwickelte »Theologie der Befreiung«, die sich einerseits der Armutsthematik in besonderer Weise angenommen hat, sozialethische Fragen dabei aber nur teilweise in den Blick genommen hat. Darüber hinaus sind ethischerseits Auseinandersetzungen mit der sozialethischen breit gestreuten Debatte um Armut zu implementieren.

Aus dem Forschungsprojekt gingen u. a. folgende Publikationen hervor:

Laubach, Thomas/ Wahl, Stefanie A. (Hg.): Arme Kirche? Die Botschaft des Papstes in der Diskussion, Freiburg 2014. (zur Publikation)

Laubach, Thomas: Aus Solidarität arm – oder reich? Papst Franziskus über Solidarität, Armut und die Kirche, in: Jahrbuch für Recht und Ethik 22 (2014) 315-328. (zur Publikation)

Mehr Informationen zum Forschungsprojekt gibt der ausführliche Forschugsbericht.(217.8 KB)