Forschungsprojekte

Forschungsprojekt: Generationenbeziehungen

Die Kindheitsforschung nutzt das Generationenkonzept, um die Differenzen zwischen Kindern und Erwachsenen und deren gesellschaftliche Organisation näher zu bestimmen. Dabei geht es nicht nur um die Frage nach der Generationengerechtigkeit, also der Verteilung von Leistungen, Ressourcen und Chancen zwischen Kindern und Erwachsenen, wie sie bspw. in der Gewährung von sozialen Unterstützungsleistungen evident werden, sondern auch um die Charakterisierung von Prozessen, die Individuen zu Kindern und Erwachsenen machen. Das Konzept des „generationing“ (Honig 2009, S. 46), welches in der sozialstrukturellen Kindheitsforschung diskutiert wird, analysiert die Interaktionsmöglichkeiten von Kindern entlang gesellschaftlicher Strukturen und Konfliktlinien von Alter, Klasse, Gender und Ethnizität. Prozesse kindlichen Aufwachsens gilt es im Kontext des Wandels dieser gesellschaftlichen Strukturen und des Verhältnisses von Generationen zu diskutieren, um Dimensionen sozialer Differenzierung und Mobilisierung wie auch Konfliktlinien darzustellen. Vor diesem Hintergrund wird insbesondere die Bedeutung der kindlichen Beziehungen zu ihren Großeltern in den Blick genommen.

Methodendesign: Interviews mit Kindern und Großeltern, Literaturanalyse der relevanten theoretischen und empirischen Studien zur Situation von Kindern mit und ihren Großeltern und der politischen Dokumente

Forschungsprojekt: Kindheit in Pflegefamilien

Grundlegend für das Forschungsvorhaben ist die Untersuchung des Systems der erzieherischen Hilfen durch Pflegefamilien, um die Angebotsstrukturen für Kinder aus Pflegefamilien mit Gewalterfahrungen – spezifisch nach Alter, Geschlecht, Geschwisterfolgen und -beziehungen wie auch sozialem Milieu – exemplarisch und vergleichend analysieren zu können. Vor dem Hintergrund der möglichen Vermittlungen zwischen den Erkenntnissen der neueren Kindheitsforschung und Kinderpolitik soll die Bedeutung kindlicher Urteilskraft, Reflexivität, Handlungsfähigkeit und Bewusstsein in dem Bedingungsgefüge von Pflegefamilie, Herkunftsfamilie und der Institution Jugendamt herausgearbeitet werden.

Methodendesign: Bildanalyse, Experteninterviews, Literaturanalyse der relevanten theoretischen und empirischen Studien zur Situation von Kindern mit Gewalterfahrungen in Pflegefamilien und der politischen Dokumente

Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2014-2017

Lehrforschungsprojekt: Bildung und Kindheit

In dem Lehrforschungsprojekt werden mit Studierenden forschungsmethodische und forschungspraktische Kompetenzen zur Durchführung empirischer Forschungsarbeiten in der Kindheitsforschung eingeübt und in Projekten erprobt und reflektiert. Die theoretisch-fachwissenschaftlichen Grundlagen für die Ausbildung analytischer und methodischer Kompetenzen im Bereich der Kindheitsforschung sollen eingeübt werden, damit die Studierenden ihr bereits individuell erworbenes sozialpädagogisches Wissen vertiefendend anwenden können, um eigene Forschungsdesigns im Bereich der Kindheitsforschung zu entwickeln. Das Erkenntnisinteresse richtet sich auf die Frage nach den Förderungs-möglichkeiten von frühen Entwicklungs- und Bildungsprozessen in familialen und außerfamilialen Betreuungs- und Bildungskontexten.

Methodendesign: qualitative Interviews mit Familienhebammen, Eltern und Kindern, Bildanalyse von Kinderzeichnungen

Historisch-systematische und international-vergleichende Forschung zu Mary Richmond

Ziel der Analyse ist es, den Wirkungsgrad Mary Richmonds in den wissenstheoretischen und professionspraktischen Auseinandersetzungen der Professionsgeschichte und Disziplin-bildung der Sozialen Arbeit aufzuzeigen und systematisch zu rekonstruieren. Es wird davon ausgegangen, dass die Prozesshaftigkeit des sozialen Lebens als Kriterium in die Darstellungslogik der Position von Mary Richmond eingelassen ist. Neben den Ursachen und Formen der gesellschaftlichen Entwicklung sind auch das herrschaftlich organisierte Beziehungsverhältnis zwischen den gesellschaftlichen Klassen und die Aneignungsmöglichkeiten von Öffentlichkeit im sozialen Raum zentral für die Untersuchung, da davon ausgegangen wird, dass erst wenn der Alltag der Produktion und Reproduktion gesellschaftlicher Kategorien – als Werkzeuge des Urteilens und Wahrnehmens – aufgedeckt wird, eine gesellschaftliche Auseinandersetzung über den Umgang mit Machtstrukturen entstehen kann.

Methodendesign: Archivstudien an der Columbia University New York, Texthermeneutische Analyse

Zur Lebenslage von Kindern in Ein-Eltern-Familien

In dieser Untersuchung wurde von der Vorstellung ausgegangen, dass Kinder über eigene Handlungskompetenzen verfügen und ihre Lebenslagen als autonome Subjekte relativ eigenständig und kreativ ausgestalten können. Aufgrund der strukturellen Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen sind viele Alleinerziehende nicht in der Lage, eine ausreichende Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu gewährleisten und bedürfen deshalb besonderer sozialpädagogischer Unterstützungsleistungen, die derzeit durch die unzulänglichen Angebote – besonders im ländlichen Raum – nicht abgedeckt werden. Die ungleiche Stellung von Männern und Frauen im gesellschaftlichen, politischen und vor allem im Erwerbsleben wird in Zeiten immer knapper werdender Erwerbsarbeit besonders prekär und wirkt auf die Lebenslagen der Kinder in Ein-Eltern-Familien zurück, da diese hauptsächlich bei ihren Müttern leben und von den mütterlichen finanziellen Ressourcen abhängig sind. Die Familie ist ein wichtiges Transfersystem – das um so wichtiger wird, je mehr sich die öffentlichen Sozialkassen leeren. Das Verteilungssystem Familie schafft neue Ungleichheiten innerhalb der jungen Generation und dort werden künftig die sozialen Brüche liegen. Die Forderung nach einer eigenständigen Grundsicherung für Kinder, nach ausreichenden Betreuungs- und Bildungsangeboten für Kinder und nach Beteiligungsrechten von Kindern an allen Entscheidungen, die eine Veränderung ihrer Lebenslagen bedeuten, können als wesentliches Ergebnis dieser empirischen Erhebung angesehen werden.

Methodendesign: Literaturanalyse der relevanten theoretischen und empirischen Situation von Kindern in Ein-Eltern-Familien, leitfadengestützte Interviews mit Kindern in der Altersgruppe von 8-12 Jahren

Jane Addams, Mary Richmond und Alice Salomn: Professionalisierung und Disziplinbildung Sozialer Arbeit

Die wissenschaftstheoretische Auseinandersetzung über die historischen Quellen ­– gewonnen aus den bis in das 20. Jahrhundert hineinreichenden Beiträgen von Jane Addams, Mary Richmond und Alice Salomon – zeigt, dass im Kontext einer internationalen Wissensvermittlung und mit der Entwicklung eines globalen Bewusstseins in bürgerlichen Gemeinschaften drei Entwicklungen zentral sind: erstens illustrieren die empirischen Beiträge der Sozialreformen zur Wahrnehmung, Kommunikation und Integration Sozialer Arbeit in heterogenen Gesellschaften den prozessualen und diskursiven Charakter Sozialer Arbeit, zweitens verweisen die internationalen Beziehungen von Jane Addams, Mary Richmond und Alice Salomon auf Verschränkungen der disziplinären Kontexte und professioneller Praxen mit politischem Handeln, drittens zeigen die Partizipations- und Gestaltungsmöglichkeiten an kommunalen und nationalen Sozialpolitiken – die im Kontext von Sozialer Gerechtigkeit und interkultureller Auseinandersetzung geführt wurden –, dass durch unterschiedliche Akzentuierungen politische Öffentlichkeiten hergestellt werden konnten, die zur Einleitung von sozialen Reformen und der Herausbildung disziplinärer Identität geführt haben. Neben der wissenschaftsgeschichtlichen Erinnerung können zentrale Positionierungen in der Disziplin- und Professionsgeschichte Sozialer Arbeit mit aktuellen Professionsdebatten um Reflexivität und Demokratisierung verschränkt werden, die es möglich machen, gesellschaftliche Verhältnisse in ihren Konsequenzen für die Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft kritisch zu überprüfen.

Methodendesign: Archivstudien an der UIC Chicago, Columbia University New York, der Waterloo University (Kanada), in Edinburgh und Aberdeen (Schottland), Texthermeneutische Analyse