"1967 als Meilenstein in der Identitätsbildung des Kroatischen"

Am Donnerstag, 29.11.2007, hält Dr. Ljiljana Reinkowski einen Vortrag zum Thema "1967 als Meilenstein in der Identitätsbildung des Kroatischen". Zeit: 18.15 Uhr. Raum: U5 / 222.        

Der Vortrag widmet sich einem Abschnitt in der neuesten Geschichte der Standardisierung des Kroatischen, der 1967 verfaßten "Deklaration". In dieser Erklärung kündigten kroatische Sprachwissenschaftler das Projekt einer gemeinsamen serbokroatischen Sprache auf und lösten damit einen schweren politischen Konflikt in Jugoslawien aus. Seit rund einem Jahrhundert waren eine unitaristische Sprachpolitik und die enge Bezugnahme auf das Serbische ein wichtiger Orientierungspunkt in der sprachlichen Identität der Kroaten gewesen. In der Deklaration wurde dieser Unitarismus das erste Mal ausdrücklich verworfen; die spätere Sprachpolitik des unabhängigen Kroatiens der 1990er Jahre kündigt sich an.

Die Interpretation der Deklaration von 1967 durchlief in den letzten 40 Jahren unterschiedliche Phasen, die sich sowohl in Intensität als auch politischer Färbung deutlich voneinander abheben: Sie reichen von den Extremen der Tabuisierung hin zur Glorifizierung. Heute gilt in Kroatien die Deklaration als einer der wichtigsten Meilensteine der modernen kroatischen Sprachgeschichte. Der Vortrag versucht, die politischen und kulturellen Umstände der Entstehung dieses Dokuments und die damit verbundenen Geschehnisse darzustellen, wie auch den gesellschaftlichen Einfluß der Deklaration – damals und heute – auf die Identitätsbildung der kroatischen Sprache.

Der Vortrag wird von der Zweigstelle Bamberg-Erlangen der Südosteuropa-Gesellschaft und dem Lehrstuhl für Slavische Literaturwissenschaft veranstaltet. Er findet im Rahmen des Bamberger Kolloquiums "Europas Südosten" statt.

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