Programm Symposion (01.03.2019)

14:30 Uhr

Begrüßung
Dr. h.c. Gernot Erler, Präsident der Südosteuropa-Gesellschaft, Dr. Jutta Lauth Bacas, Stellv. Vorsitzende des Wiss. Beirats, Köln

14:45 Uhr

Einführung und Moderation
Dr. Michael Hein, Georg-August-Universität Göttingen

Geschlechterpolitische Diskurse und (Verfassungs-)Rechtsentwicklung in Südosteuropa im Überblick
Dr. Damir Banovic, Universität Sarajevo

Einstellungen zu geschlechterpolitischen Fragen im gesamteuropäischen Vergleich
Dr. Petra Ahrens, Universität Antwerpen

Emanzipation sexueller Differenz und homophobe Gegenbewegungen im postjugoslawischen Raum
Dr. Martin Mlinarić, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Rolle der EU und des Europarats für die Gleichstellung der Geschlechter in Südosteuropa: das Beispiel Kroatien
Dr. Roswitha Kersten-Pejanić, Universität Rijeka

16:15 Uhr Kaffee und Tee

16:45 Uhr Offene Diskussion und Fragen aus dem Publikum

Ende der Veranstaltung gegen 17:30 Uhr

Zum Thema

Nord-, West- und Mitteleuropa sind seit geraumer Zeit durch eine fortschreitende Liberali-sierung der Geschlechterpolitik gekennzeichnet. Dies zeigt sich etwa in der mittlerweile nahezu flächendeckenden Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe, dem Ausbau der Grund-rechte im Bereich der geschlechtlichen und sexuellen Selbstbestimmung und einem relativ hohen Maß öffentlicher Toleranz gegenüber nicht-traditionellen Familien und Beziehungs-modellen.
Demgegenüber ist Südosteuropa durch einen gegenläufigen Trend geprägt: Kroatien (2013) und die Slowakei (2014) haben per Verfassungsänderung die Einführung einer „Ehe für alle“ verboten; in Rumänien ist kürzlich ein entsprechendes Verfassungsänderungsverfahren erst in einem Referendum gescheitert. Eingetragene Lebenspartnerschaften sind nur in einer Minderheit der Staaten etabliert worden. In vielen Ländern kommt es regelmäßig zu homophober Gewalt. So können etwa die jährlichen „Gay-Pride-Paraden“ meist nur unter starkem Polizeischutz und gegen starke Gegenproteste durchgeführt werden. Weite Teile der politi-schen Eliten und einflussreiche gesellschaftliche Gruppen (wie etwa die christlichen Kirchen) bekämpfen alle Schritte zu einer Liberalisierung der Geschlechterpolitik. Zuletzt führte dies etwa dazu, dass Bulgarien und die Slowakei die sogenannte „Istanbul-Konvention“, ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt, nicht ratifizierten.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen diskutiert das Symposion verschiedene Aspekte der Geschlechterpolitik und der Rechtsentwicklung in Südosteuropa. Dabei werden nicht nur die Differenzen zu den nördlichen und westlichen Teilen des Kontinents, sondern auch die zum Teil stark variierenden Trends innerhalb Südosteuropas beleuchtet. Zudem wird den Ursachen und Folgen des skizzierten illiberalen Trends nachgegangen.