Auf einmal knallt und raucht es, und Bunša und Miloslavskij stehen im Palast von Zar Ivan Groznyj, der seinem Bediensteten gerade einen Brief diktiert. Die Zeitmaschine des ebenso verkannten wie eigenbrötlerischen Erfinders Nikolaj Ivanovič Timofeev hat den gewissenhaften bis pingeligen Hausverwalter Ivan Vasil'evič Bunsa und den Gauner Žorž Miloslavskij aus der Sowjetzeit in das 16. Jahrhundert zurückversetzt. Und der Herrscher des russischen Reiches, dessen ehrfürchtig gemeinter Beiname „Groznyj“ nicht ganz korrekt als „der Schreckliche“ übersetzt wird, muss sich nun in einer gewöhnlichen Moskauer Mietwohnung der 1970er Jahre zurechtfinden.

Weil sich Bunša und Ivan Groznyj auch noch zum Verwechseln ähnlich sehen, nimmt das absurde Schicksal seinen Lauf: Die Untertanen des Zaren wundern sich über Bunšas kleinkariertes Nörgeln an allem, was nicht nach seinen Vorstellungen läuft, während sich die Bewohner der sowjetischen Mietwohnung an die rüden Umgangsformen und das herrische Auftreten des Zaren gewöhnen müssen. Wen wundert es, dass es da zu Anpassungsschwierigkeiten kommt – soll doch Ivan Vasil'evič Groznyj Überlieferungen zufolge die Tötung seiner Widersacher ganz gerne höchstpersönlich übernommen haben. Zunächst scheint es, als habe Regisseur Jakin einfach den perfekten Hauptdarsteller für seinen Film über Ivan Groznyj gefunden – doch irgendwann fliegt die Verwechslung auf. Timofeevs Zeitmaschine hat einfach zu gut funktioniert.

Am Ende erwacht Erfinder Timofeev aus einem langen Schlaf. Alles scheint nur ein Traum gewesen zu sein. Oder etwa doch nicht?

Am 26., 27. und 28. Juni 2014 hat das Ensemble der studentischen Theatergruppe ArtEast im „Treff“ des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters „Иван Васильевич“ von Michail Bulgakov auf die Bühne gebracht. Bekannt ist das Stück nicht zuletzt durch die sowjetische Verfilmung „Иван Васильевич меняет профессию“ („Ivan Vasil'evič wechselt den Beruf“) aus dem Jahr 1973, bei der Jurij Jakovlev sowohl den Zaren als auch Bunša spielte.

Bei allen drei Vorführungen waren alle Plätze des kleinen Theaterraums besetzt. Ausverkauft wäre das falsche Wort, denn die Zuschauer mussten keinen Eintritt bezahlen, sondern beim Erwerb der Eintrittskarte nur zwei Euro Pfand entrichten, die sie am Eingang wieder zurückbekamen. Viele von ihnen drückten ihre Begeisterung über die Leistung der Gruppe nicht nur durch minutenlangen Applaus, sondern auch durch großzügige Spenden aus. So kann es weitergehen. ArtEast plant bereits seinen nächsten großen Auftritt.

ArtEast bedankt sich herzlich beim Institut für Slavistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, insbesondere Frau Prof. Elisabeth von Erdmann – Lehrstuhl für Slavische Literaturwissenschaft – , für die großartige Unterstützung und Hilfe bei der Umsetzung des Theaterstücks.

Darüber hinaus bedankt sich die Gruppe bei der „Schulz BüroTechnikVertrieb GmbH“ für den Druck der Werbematerialien.

Zudem ergeht ein großes Dankeschön an alle, die ArtEast unterstützt und fleißig Werbung für die Gruppe gemacht haben.

PHILIPP DEMLING

 

Fotografien von Carolin Cholotta, Anton Litke und Robert Savu