Michail Bulgakows Opus Magnum, der surreal-satirische Roman "Der Meister und Margarita", gehört zu den Schlüsselwerken der Weltliteratur. Der stark dialogische Text bietet sich wie wenige andere Romane dazu an, für die Bühne adaptiert zu werden – dennoch eine Herausforderung, die freilich schwer zu realisieren ist.

Am Abend des 13. und 14. Julis 2012 legte die studentische Theatervereinigung der Slavistik an der Universität Bamberg mit ihrer Interpretation des teuflisch wie brillanten Werkes alles daran, die Herzen ihrer Zuschauer zu erobern. So verwandelte sich an zwei Abenden die Bühne des ETA-Hoffmann-Theater TREFFs in einen Hexenkessel voller schwarzer Magie, bitterböser Satire und dramatischer Liebe. Auch an eine Brise Humor sollte gedacht sein.

Ein ganzes Jahr lang bereiteten sich Slavisten und Slavistik- Interessierte auf die Aufführung des Stückes vor. In zahlreichen Treffen wurde kontrovers diskutiert, geplant, verworfen, Russisch Kenntnisse vertieft und schließlich geprobt.

Die Zeit wurde gen Ende gar knapp,  die Premiere des Stückes rückte bedrohend näher. Die Mühe der Schauspieler und ihrer engagierten Helfer sollte sich aber freilich lohnen. Am Tag der Vorstellung der nun Bamberger Produktion „Meister und Margarita“ bekamen es dann auch die kühnsten Akteure mit dem berüchtigten Zustand des viel beschworenen Lampenfiebers zu tun. Es war so weit, Vorhang auf für des Teufels Verse:

Voland, der Leibhaftige persönlich, der sich anmaßt, mit Gott zu wetten, betritt die Bühne. Er begibt sich auf die Reise in das Moskau der 30er Jahre. Stalinismus: Die sovjetische Gesellschaft ist zensiert, denunziert und korrumpiert. Zunächst sind es der unfähige Autor Bezdomnij und sein Chefredakteur Berlioz, die an einem sonnigen Nachmittag an  mit dem Teufel und seinen Schergen Bekanntschaft schließen. Was folgt ist eine Debatte über Gott, Glaube und Religion, in der die atheistische Weltvorstellung der etablierten Sovjetliteraten mit Volands Anekdoten über Gottes Sohn aufs schärfste kollidieren. Voland ahnt plötzlich den bevorstehenden Tod des Redakteurs. Bezdomnij und auch der Redakteur selbst schenken der merkwürdigen Voraussicht des unbekannten „Ausländers“ jedoch keinen Glauben. Doch als Bezdomnij tatsächlich Zeuge des seltsamen wie spektakulären Todes seines Freundes wird, gerät die Welt gänzlich aus den Fugen.

In Moskau bahnen sich sogleich weitere kuriose Ereignisse an. Die Enthauptung des Berlioz gibt den Auftakt zu phantastischen Ereignissen und stürzt Moskau in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung - die Heimsuchung für Heuchelei und Korruption. Eine Ausnahme bilden der namenlose Meister, der geniale Autor eines Pilatus-Romans, und seine Geliebte Margarita. Sie verloren einander aus den Augen, als der Meister, dessen Roman von eben jenem Literaturfunktionär Berlioz als konterrevolutionär eingestuft und für den Druck abgelehnt wurde, einen Nervenzusammenbruch erlitt, das Manuskript verbrannte und in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wurde. In der Hoffnung, etwas über ihren Geliebten zu erfahren, ist Margarita bereit, die Gastgeberin auf des Satans Ball zu spielen... die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita kann vielleicht noch ein gutes Ende finden ... Und siehe da, mit Volands Hilfe kommt Margarita auf die Spur ihres geliebten Meisters zurück, die sie, dramatischer könnte es kaum sein, erst im Tode zur vollkommenen Einheit finden lässt.

Mit Hilfe  düsterer Musikelemente, finsterer Farbgestaltung, Kulisse und kreativer Kostümwahl versuchte die russisch-sprachige Schauspielergruppe einen effektvollen Eindruck auf die Zuschauer zu hinterlassen. Der großartige Beifall zu Ende der Aufführung dankte den Schauspielern ehrenvoll ihre Anstrengungen und dient bis heute als Motivation für neues Schaffen.

Noch während der Aufführung des gemeinsamen Stückes „Der Meister und Margarita“ kam man sehr bald zu der Feststellung, dass sich aus der anfänglich sehr heterogenen Gruppe Gleichinteressierter über die Zeit ein starkes Kollektiv neuer Freunde zusammengewachsen war. Alle Teilnehmer waren fasziniert von Teamgeist und schauspielerischem Erlebnis und so entschloss man sich, das Projekt „russischsprachiges Theater“ keinesfalls aufzugeben. Ganz im Sinne von „jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft“, sind auch wir dem Zauber Volands erlegen. Ganz davon abgesehen, dass wir ohnehin stets nur das Beste im Sinne hatten ;).

Wir möchten allen überaus danken, die sich mit an der Verwirklichung des Projektes beteiligt haben und uns somit motiviert, unterstützt und gefördert haben!

Valerija Levin und Paul Sander