Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Slavische Sprachwissenschaft

Polonistischer Ausflug der Slaw. Sprachwiss. nach Nürnberg 2012

Was hat Dürer mit Polen zu tun? Warum fahren in Krakau Straßenbahnen aus Nürnberg? Wer war Wit Stwosz?

Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema polnisch-deutsche Kulturkontakte erhielten Bamberger Studierende der slavischen Sprachwissenschaft bei einer Halbtagesexkursion in die fränkische Metropole Nürnberg.  

Als anschauliche Ergänzung des Seminares „Polnische Sprach- und Kulturgeschichte“ machten sich die Kursteilnehmer unter der Leitung  ihres Dozenten Armin Gertz auf den Weg ins „mittelalterliche“ Nürnberg. Bereits bei der Ankunft dort fiel die Beflaggung der öffentlichen Gebäude ins Auge: immer in den Farben weiß und rot oder umgekehrt, also den polnischen, bzw. fränkischen Farben… Ein erster Hinweis auf die intensiven Kulturbeziehungen der Stadt zu Polen?

Gemeinsam mit einer Stadtführerin durchstreifte die Truppe zunächst die Gassen der Innenstadt, wo sich besonders an den Innen- und Außenwänden der beiden großen Stadtkirchen St. Lorenz und St. Sebald zahlreiche Hinweise auf die geschichtlichen und kulturellen Verbindungen der ehemaligen Reichsstadt mit Polen und vor allem mit der damaligen polnischen Hauptstadt Krakau finden lassen: steinerne Wappen schlesischer Piastenherzöge, gotische Glasfenster mit den Portraits polnischer Prinzessinnen und immer wieder und überall: Veit Stoß, der große Bildhauer und Bildschnitzer, der in Polen als Wit Stwosz fast noch populärer als in Deutschland ist.

Vor allem die langen Jahre seines künstlerischen Schaffens in Nürnberg und Krakau und die intensiven Handelsbeziehungen beider Städte in früheren Jahrhunderten führten 1979 zu einer der ersten deutsch-polnischen Städtepartnerschaften. Und anlässlich eines Partnerschaftsjubiläums wurden eben auch Nürnberger Straßenbahnen als Geschenk nach Krakau überführt, wo sie noch heute ihren Dienst tun.

Auch das „Krakauer Haus“, eine Einrichtung zur Vermittlung zeitgenössischer polnischer Kultur in Nürnberg, ist ein Kind dieser Partnerschaft: seit 1996 werden Musiker, Schriftsteller und bildende Künstler zu Konzerten, Lesungen und Filmfestivals eingeladen. Alles, was in der polnischen Gegenwartskultur Rang und Namen hat, war wohl schon zu Gast in diesem ausgebauten Wehrturm der Nürnberger Stadtmauer. Im Biergarten auf dem Wehrgang fand die Exkursion bei Pierogi und Piwo ihren passenden Abschluss.

Bleibt noch die Frage nach Dürer. Wer dabei an den berühmten Albrecht Dürer denkt, den das Germanische Nationalmuseum gerade mit einer großen Ausstellung feiert, geht fehl: Sein jüngerer Bruder Hans war es, der viele Jahre am Hof des polnischen Königs Sigismund I. in Krakau lebte und wirkte!

Armin Gertz M.A.