Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Slavische Kunst- und Kulturgeschichte

Forschungsschwerpunkte

Prof. Dr. Ada Raev

Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit von Frau Prof. Dr. Ada Raev steht die Kunst-und Kulturgeschichte Russlands der Neuzeit und der Moderne mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der mannigfaltigen, dabei aber auch von Abgrenzungsstrategien gekennzeichneten Verknüpfung der russischen Kunst und Kultur mit gesamteuropäischen Phänomenen und Prozessen. Im Zusammenhang mit der Rezeption russischer Kunst im Westen und deutscher Kunst in Russland wird das Verhältnis von Selbst- und Fremdwahrnehmung, wie es in nationalen Stereotypen in Wort, Bild und in anderen Formen der kulturellen Repräsentation zutage tritt, untersucht.

Ein eigenständiger Schwerpunkt der Forschung liegt im Bereich der Genderforschung. Ausgehend von der Präsenz von Künstlerinnen in der russischen Moderne und Avantgarde, werden sowohl Fragen nach den sozial- und mentalitätsgeschichtlichen, politischen und institutionellen Voraussetzungen für das Wirken von künstlerisch tätigen Frauen als auch zu ihrer Positionierung in den Gattungen Kunsthandwerk, Graphik und Buchkunst, Malerei, Plastik und Szenographie behandelt.

Ein weiteres Forschungsfeld betrifft den hohen Stellenwert des Theaters einschließlich des Balletts in der russischen Kultur der Neuzeit im Hinblick auf ihren ausgeprägten Schaucharakter. Die Wurzeln dieses Phänomens reichen offensichtlich weiter zurück. Untersucht werden Langzeitwirkungen des von der Ikone ausgehenden Bildverständnisses und -gebrauches im orthodoxen Glauben russischer Prägung in Verbindung mit westlichen Formen von Theatralität. Sie betreffen die komplexen Inszenierungspraktiken, wie sie in höfischen Ritualen, aber auch in Bildern, Aktionen, Ausstellungsgestaltungen und Theaterkonzepten der Moderne und Avantgarde, bei sozialistischen Feierlichkeiten und postsozialistischen Selbstdarstellungen Russlands auf den unterschiedlichsten Bühnen des gesellschaftlichen Lebens zutage treten.
Ada Raev: „Denn die Russen trennen nicht die Künste in ihrem Spiel“. Die Bühnenkunst der Präavantgarde. In: Russland 1900. Kunst und Kultur im Reich des letzten Zaren. Hrsg. von Ralf Beil. Ausst.-Kat. Mathildenhöhe Darmstadt. Köln 2008, S. 54-81.