Deambulando discimus – Erfurt als Peripatos – Lope de Vega

Exkursion der Professur für Romanische Literaturwissenschaft/Hispanistik am Dienstag und Mittwoch, 3. und 4. Dezember 2019

Deambulando discimus ­­– Erfurt als Peripatos – Lope de Vega
Exkursion der Professur für Romanische Literaturwissenschaft/Hispanistik
Dienstag und Mittwoch, 3. und 4. Dezember 2019

Exkursion im Rahmen des Hauptseminars »Lope de Vega« (WS 2019/2020)

Der »Peripatos« (περίπατος) war ein großes Schulgebäude mit Vortragssälen und Säulenhallen, das den Zwecken des Unterrichts sowie der wissenschaftlichen Forschung diente. Dort hielt Aristoteles ab ca. 335 vor Chr. seine Lehre. Angeblich philosophierte Aristoteles mit seinen Schülern beim Spazierengehen, weshalb sie »Peripatetiker« genannt wurden. Im Jahr 1910 stellte Abraham Flexner das sogenannte Flexner Report über die Qualität des medizinischen Unterrichts in Nordamerika vor. Für das Report besuchte er 155 medizinische Hochschuleinrichtungen und etablierte das Syntagma »ambulando discimus«. In ihren Exkursionen aktualisiert die Professur für Romanische Literaturwissenschaft/Hispanistik ihr Peripatos (eine Region, eine Stadt, eine Straße, aber auch ein Gebäude etc.), der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausführlich durchschritten wird, mit dem Ziel, Lernen und Bewegung näher zu bringen: »deambulando discimus«.

Auf dieser Exkursion werden wir Erfurt als Peripatos nutzen, um uns mit dem Theater des sogenannten Siglo de Oro und insbesondere mit der »Tragicomedia« El caballero de Olmedo von Lope de Vega zu beschäftigen. Der Dichter Lope de Vega (1562–1635) war einer der bedeutendsten und fruchtbarsten Autoren des Siglo de Oro. Neben vielfältiger Lyrik, Epik, Dramenkunst, Briefen, Schäferromanen etc. nimmt in seinem Werk die »Comedia Nueva« (1609) einen besonderen Stellenwert ein: Lope de Vega schrieb nicht nur Hunderte »comedias«, sondern theoretisierte auch über die Gattung.

Wir werden an einer Führung mit dem Titel »Martin Luther und die Reformation in Erfurt« teilnehmen und uns so eine Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Gegenreformation in Spanien schaffen. Lope de Vega schrieb literarischen Texte mit einer klaren katholischen Ideologie, die sich im Einklang befanden mit der zeitgenössischen Intoleranz der spanischen Gesellschaft gegenüber der protestantischen Reformation. Wir werden auch die Alte Synagoge und Mikwe besichtigen, was uns an die Verbannung der jüdischen Glaubensgemeinschaft aus Spanien im Jahr 1492 erinnern wird und uns die Verfolgung unorthodoxer Christen bzw. der cristianos nuevos durch die Inquisición vergegenwärtigen kann. Und zuletzt werden wir auch das Schloss Friedenstein in Gotha besuchen, wo sich das Ekhof-Theater befindet, das älteste und weltweit einzige mit einer vollständig erhaltenen Bühnenmaschinerie des Barock. Dort werden wir mit ein wenig Vorstellungskraft und Phantasie in die Illusionierungstechnik des spanischen Barocktheaters eintauchen können. Alle Teilnehmenden werden Referate halten, in deren Zentrum die Interpretation des Theaterstücks El caballero de Olmedo steht.

Das Hauptseminar über Lope de Vega und die Vorlesung über Baltasar Gracián bilden ein Modul mit Schwerpunkt Siglo de Oro.

Alle Interessierten sind sehr herzlich eingeladen!

gez. Prof. Dr. Enrique Rodrigues-Moura