Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft

Promotionsprojekt von Zafer Sen, Dipl.-Rom.

Funktionalität und Form der Modi im venezianischen Verb

Aus linguistischer Sicht weist das Venezianische im Vergleich zu manch anderen Dialekten Italiens und zum Toskanisch-Italienischen eine Besonderheit auf. So ist beim Studium venezianischer Texte aus unterschiedlichen Epochen die Verwendung verschiedener Verbalparadigmata für dieselbe Funktion auffällig. Beispielsweise konkurriert insbesondere in Bedingungssätzen der Konditional Präsens mit dem Konjunktiv Präteritum in der Protasis zum Ausdruck des Irrealis.

Anhand eines Korpus, bestehend aus einer repräsentativen Anzahl verschiedener Textsorten, sollen im Rahmen des Dissertationsvorhabens Verbalmodi von der Funktion ausgehend (onomasiologisch) auf ihre formale Realisierung hin diachronisch untersucht werden. Die Untersuchungsschwerpunkte bilden dabei besonders das Spannungsfeld zwischen Konditional und Konjunktiv in Konditionalgefügen sowie u.a. auch die Frage, wie Evidentialität bzw. volitive und dubitative Funktion morphologisch im Laufe der Zeit wiedergegeben werden. Ferner verfolgt die Arbeit das Ziel, textsortenspezifische Charakteristika und epochentypische Besonderheiten in Bezug auf den Gebrauch bestimmter Modi näher zu beleuchten.

Zentrale Fragestellungen der Untersuchung sind auch die Eruierung der Gründe für die Verdrängung eines Verbalparadigmas durch ein anderes sowie diejenige, welche Rolle dabei der Toskanisierung zukam.