Die metallenen Grabplatten im Kreuzgang des Erfurter Doms: Bestandsaufnahme und Erarbeitung eines präventiven Konservierungskonzeptes


Kooperationspartner:
Dombauamt Erfurt;
Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege

Mitarbeiter der Universität Bamberg:
Prof. Dr. Rainer Drewello
Dipl.-Ing. (Univ.) Paul Bellendorf M.A.

Förderer:
Deutsche Bundesstifung Umwelt

Externe Analysen:
Rathgen-Forschungslabor, Berlin;
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Werkstoffwissenschaften III;
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Zentrallabor, München;
Labor im Germanischen Nationalmuseum GmbH, Nürnberg

Inhalt und Ziele:

Die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Untersuchungen an den Grabplatten im Kreuzgang des Doms zu Erfurt haben gezeigt, dass der Bestand vor Ort in starkem Maße von Korrosion betroffen ist. Die in den Korrosionsprodukten nachgewiesenen Phasen deuten auf eine ehemals immense Umweltbelastung in Erfurt hin. Anzeichen hierfür sind, das im hohen Maße angetroffene schwefelreiche Antlerit, bei einem gleichzeitigen Fehlen des schwefelärmeren Brochantit, und das Vorhandensein von Kupfer-Zinksulfathydroxidhydrat. Als Hauptschadensverursacher wurden die ehemaligen Kraftwerke in Erfurt ausgemacht. Nach Schließung des Kraftwerks in der Iderhoffstraße und Umstellung von Erfurt-Ost auf Gas im Jahre 1995 hat sich die Schwefeldioxidbelastung in Erfurt deutlich verbessert. Somit ist eine weitere Schädigung der Grabplatten durch SO2 vorerst ausgeschlossen. Die Chloridbelastung geht vor allem auf den ehemaligen, in Domnähe gelegenen, Galvanobetrieb Optima zurück.

Als Maßnahmen zur Sicherung der Objekte ist eine gründliche Reinigung und Hydrophobierung der Oberfläche anzuraten. Die in den Korrosionsprodukten nachgewiesenen Kupfer-Zinksulfathydroxidhydrate sind laut aktueller Literatur ein Anzeichen für einen noch intakten Korrosionsprozess. Aus diesem Grund ist die Entfernung der Korrosionskrusten empfehlenswert, um ein weiteres Fortschreiten der Materialschädigung zu unterbinden. Da auf der Oberfläche Chloride nachgewiesen wurden, wird eine Entsalzung der Oberfläche mit BTA und Ethanol notwendig. Zur Konservierung der Metalle sollten anschließend mehrere Schichten aus Wachs aufgetragen werden. Die Abschließung eines Wartungsvertrages zur Kontrolle und gegebenenfalls zur Erneuerung des Wachsauftrags ist dringend anzuraten.

Die Grabplatten sollten aus denkmalpflegerischen Gründen an ihrem heutigen Aufstellungsort im Kreuzgang verbleiben. Sie befinden sich dort seit mindestens 50 Jahren und wurden somit Teil der Geschichte des Kreuzgangs. Bei einer gründlich durchgeführten Konservierung der Oberflächen und einer regelmäßigen Wartung dieser ist eine weitere Gefährdung der Objekte am heutigen Aufstellungsort ausgeschlossen. Die Objekte können also auch aus konservatorischer Sicht im Kreuzgang, bzw. in der Kunigundenhalle, stehen bleiben.

Die Ergänzung der Grabplatte von Heinrich Brampach, mit den Teilen die sich derzeit im Archiv befinden, ist wünschenswert. Eine solche „Wiedervereinigung“ ist aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten unproblematisch, wenn als Vorlage das Foto aus dem Bissingerarchiv dient. Als Aufstellungsort könnte die heutige Lage des Wappens der Grabplatte in der Kreuzgangsüdwand dienen.

Um die Grabplatten im Kreuzgang und in der Kunigundenhalle den Besuchern näher zu bringen, wäre die Aufstellung von kleinen Hinweistafeln mit Namen und Todesjahr möglich. Zusätzlich könnte eine Übersetzung der Inschriften und die ursprüngliche Lage im Dom mit verzeichnet sein. Informativ wäre weiterhin eine zentrale Tafel auf der die Geschichte und der Zweck der Objekte kurz wiedergegeben werden.

Die hier vorgeschlagenen denkmalpflegerischen Maßnahmen gewährleisten ein an die Korrosionsprodukte angepasstes Konzept zur Reinigung und Konservierung der Oberflächen. Zusammen mit einer langfristigen Kontrolle der Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen durch einen Fachmann kann der bedeutende Bestand an historischen metallenen Grabplatten in Erfurt für die Zukunft erhalten werden.