Die Wandmalereien der Dominikaner in Bamberg

Kunsttechnologische Analyse des Malereibestandes von 1400 bis zur Säkularisation und beispielhafte Vermittlung komplexer Zeitschichten.

Doktorarbeit von Dipl.-Rest. (FH) Stephanie Hoyer M.A.

Die ehemalige Dominikanerkirche St. Christoph gehört zu den herausragenden Bauwerken des Spätmittelalters des Weltkulturerbes der Stadt Bamberg. Die Dominikanerkirche, erbaut im frühen 14. bis 15. Jahrhundert, besitzt einen reichen Bestand aus Wandmalereien und Architekturfassungen aus fünf Jahrhunderten von höchster künstlerischer Qualität. Der Jahrhunderte lang währende Brauch der Klosterbrüder des Hl. Dominikus, die Raumschale der Kirche nach und nach mit einzelnen Bildfeldern zu füllen, führte zu Schmuckwänden, die den ansonsten nur sparsam mit Verzierungen ausgestatteten Kirchenraum zu einem prachtvollen Gotteshaus wandelte. Im Laufe der Zeit hinzukommende Bildfelder wurden über und in bestehende Wandmalereien eingesetzt. Diese Verfahrensweise führte zu einem vielschichtigen Bestand von mehreren, sich höchst komplex überlagernder Dekorationsebenen aus ganz unterschiedlichen Epochen.

Die konzeptionslose Freilegung der 1930er Jahre, jahrzehntelange Vernachlässigung sowie schädigende klimatische Einflüsse haben dem Wandmalereibestand, der insgesamt eine Fläche von 210m2 umfasst, schweren Schaden zugefügt und zu enormen ästhetischen Beeinträchtigungen geführt. Derzeit bietet sich für den Betrachter der Dominikanerkirche ein schwer durchschaubares, äußerst verwirrendes Bild von sich überlagernden Ausmalungsphasen, die sich in ihrem schlechten Erhaltungszustand in einem Konglomerat aus verschiedenen Fragmenten gegenseitig in ihrer künstlerischen Wirkung und Lesbarkeit stark beeinflussen, ja regelrecht stören. Ein unmittelbares Schönheitserleben der hochwertigen Bildprogramme als wesentliches Gestaltungselement der Dominikanerkirche ist dem Besucher nicht, oder nur sehr begrenzt, möglich. Die Verständlichkeit der Kunstwerke ist jedoch die unmittelbare Voraussetzung für den langfristigen Erhalt von Zeugnissen aus einer vergangenen Epoche. Erstes Anliegen eines denkmalpflegerischen Erhaltungskonzeptes ist daher, neben der Sicherung des Bestandes, eine ansprechende Präsentation und Vermittlung der Kunstwerke.

Der verantwortungsbewusste Umgang mit den Folgen der Restaurierung der 1930er Jahre erfordert eine ganzheitliche Betrachtung des betroffenen Objekts und seiner individuellen Geschichte. Der bis heute großflächig erhaltene Malereibestand der ehem. Bettelordenskirche bietet einen Einblick in die Maltechnologie von 1400 bis zur Säkularisation. Das zentrale Anliegen des Forschungsvorhabens ist daher eine umfassende kunsttechnologische Analyse der Wandmalereien und Dekorationsphasen der Dominikanerkirche. Die kunsttechnologische Untersuchung des vielschichtigen Malereibestandes lässt einen wichtigen Beitrag zur Maltechnologie von  Wandmalereien in Nordbayern erwarten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem ästhetischen Umgang mit den vielschichtigen und fragmentarischen Kunstwerken. Die Vielzahl möglicher ästhetischer Eingriffe und deren Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Malereien soll anhand virtueller Varianten dargestellt und ausführlich diskutiert werden. Ein weiteres Forschungsfeld beschäftigt sich mit der Vermittlung der höchst komplexen und schwer verständlichen Zeitschichten an den Besucher der Dominikanerkirche. Ziel ist es, dem Besucher einen Zugang zu den Wandmalereien zu verschaffen. Hierzu soll ein didaktisch-methodisch und mediales Konzept entwickelt werden, das den Besucher dazu ermuntert, sich mit den Kunstwerken auseinander zu setzen. Für diesen Zweck ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Angewandte Informatik und dem Institut für Theoretische Psychologie geplant. Interdisziplinäres Arbeiten ist hier die Voraussetzung, um sowohl den Erhalt der Wandmalereien als auch eine ansprechende Präsentation zu gewährleisten.