Qualitätsmanagement von Werkstoffen im Museumsumfeld

Eine Doktorarbeit von Elise Spiegel

Die Gefährdung von Kunst- und Kulturgut durch negative Umgebungseinflüsse stellt im musealen Bereich ein schwerwiegendes Problem dar. Nicht nur Umgebungsparameter wie Licht, Temperatur und relative Luftfeuchte, sondern gerade die zur Präsentation, Lagerung und Aufbewahrung verwendeten Materialien können als potenzielle Emissionsquelle zahlreicher Fremdstoffe eine entscheidende Rolle bei irreversiblen Schadensprozessen spielen. Zu den als kritisch eingestuften Fremdstoffen gehören insbesondere die so genannten „flüchtigen organischen Verbindungen“ (Volatile Organic Compounds, VOC) wie synthetische Lösemittel (Ester, Alkohole, Ketone, aliphatische, aromatische und chlorierte Kohlenwasserstoffe, etc.), Aldehyde, organische Säuren, Flammschutzmittel und Weichmacher. Der präventive Schutz von Exponaten und Sammlungsstücken kann nur über eine Minimierung dieser über die Ausstattungsmaterialien eingetragenen Fremdstoffe erfolgen. Im konservatorischen Interesse muss deshalb eine gezielte Auswahl und Verwendung von Materialien mit unbedenklichen Inhaltsstoffen erfolgen. Zur Beurteilung museumsgeeigneter Werkstoffe im Sinne präventiven Konservierungsstrategien fehlen jedoch Daten, Richtlinien und Grenzwerte.

Durch die Entwicklung bzw. Einführung eines Museumssiegels für geprüfte museumstaugliche Materialien könnte ein wichtiger Beitrag zur Schadstoffvermeidung im Museum und nicht zuletzt zum Erhalt unseres kulturellen Erbes geleistet werden.

In einem ersten Schritt ist die Analyse des Status quo erforderlich. Hierzu soll eine umfangreiche Recherche zu bestehenden Gütesiegeln und Zertifizierunsverfahren erfolgen. Parallel dazu soll anhand von empirischen Studien die Schadstoffbelastung in Museen erkundet werden. Die erhobenen Daten werden im Anschluss statistisch ausgewertet und dienen zur Erstellung eines Anforderungskatalogs. Dieser bildet die Basis zur Erarbeitung von Zertifizierungsverfahren zum erreichen des neuen Prüfsiegels bzw. Ökolabels. Eine Zertifizierung von ersten Materialien geschieht darauf hin in Zusammenarbeit mit den Herstellern und Prüfinstituten. Die Evaluation der verschiedenen Ökolabel geprüften Materialien erfolgt anschließend in Vitrinen, in denen der Gehalt emittierter und als kritisch erachteter Schadstoffe überprüft wird. Dies soll anhand von Luftschadstoffmessungen in Zusammenarbeit mit Umwelt- und Prüflaboratorien geschehen. Methodisch kommen die klassischen Verfahren der Umweltanalytik zum Einsatz (GC-MS; HPLC; Nasschemie mit IR/Raman- Spektroskopie, Kolorimetrie; etc.).