Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte

Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege

Objektpolychromie im Spätmittelalter

Analyse der Maltechnik von Steinbildwerken in Bamberg und multimediale Präsentation der Denkmale in ihrem zeitgenössischen Kontext

Doktorarbeit von Dipl.-Rest. (FH) Sybille Woodford

In diesem Forschungsvorhaben werden historische Farbfassungen der Kreuzweganlagen von Bamberg aus der Zeit um 1500-1503 und Nürnberg um 1505-1508 analysiert und anhand zeitgemäßer 3D- Präsentationen dargestellt.

Der Bamberger Kreuzweg ist in Aufbau, Komposition und Entstehungszeit sehr eng mit den Nürnberger Kreuzwegstationen des Bildhauers Adam Kraft verwandt. Die in Bamberg weitgehend an ihrem Ursprungsort verbliebenen Stationen sind in Nürnberg vor Ort durch Kopien ersetzt. Die originalen Reliefs befinden sich heute im Germanischen Nationalmuseum, eingelassen in die Langhauswände der Kartäuserkirche.

Für den Betrachter ist es heutzutage schwer, mittelalterliche Kunstwerke dieses Ranges zu verstehen. Er hat einen anderen Wissenshorizont, ein anderes Bewusstsein gegenüber dem Objekt, eine andere Wahrnehmung von Material und Farbigkeit. Zudem haben sich die Objekte und das Umfeld in dem sie standen, über die Jahrhunderte verändert. Sie waren zum Teil stets der freien Bewitterung ausgesetzt und sind oftmals im Sinne des jeweiligen zeitgenössischen Geschmacks überfasst, überformt oder gereinigt worden. Vielfach ist das Umfeld durch Umbauten oder Verluste der Umgebung oder durch Translozierung des Objektes verändert worden. Die Wahl des Aufstellungsortes, die Integrationen in Bauwerke oder in ein Ensemble, die Positionierung auf einem Platz oder ebenso die Aufstellung in einer Straße oder engen Gasse hinterließ seine eigene Wirkung beim Betrachter.

Diese Veränderungen des Objektes selbst oder seiner Umgebung, verfälschen die einstige Wahrnehmung der Kunstwerke, wie auch die künstlerische Aussage. Was geblieben ist, ist die ästhetische Wertschätzung der zumeist steinsichtigen Einzelobjekte. Das darüber hinausgehende Wissen um die farbige Wirkung mittelalterlicher steinerner Bildwerke in Verbindung mit dem Umfeld, ist bis heute weitestgehend unerforscht. Kleinste Farbreste sind zumeist nur an witterungsgeschützten Bereichen nachweisbar, und für das ungeübte Auge oftmals nicht erkenntlich.

Durch die Auseinandersetzung mit dreidimensionalen Darstellungsmöglichkeiten von Farbfassungen auf den Kreuzwegstationen und deren Eingliederung am historischen Standort, soll dem Betrachter der einstige Glanz und die Wirkung der farbigen Objekte in einem mittelalterlichen Kontext wiedergegeben werden.
Das Vorhaben, die Fassungsbefunde mit Hilfe der Computersimulation zu veranschaulichen, erleichtert auch dem weniger instruierten Betrachter, dem weniger geschulten Auge, sich mit den Zeugnissen der Vergangenheit auseinander zu setzten.

Das Vorhaben der Computersimulation reiht sich in die aktuelle Restaurierungsdiskussion um computergestützte Dokumentation von Bestand und Zustand ein. Es hat mehrfache Auswirkungen auf die Denkmalpflege: Ist die Oberflächenwirkung – erzielt etwa durch Lichtabsorption und –reflektion) und Oberflächenbeschaffenheit (glatt, rau, porös etc.) bisher maximal deskriptiv gewürdigt worden und konnte nicht visuell reproduziert werden, wird man dann zukünftig auch diese wichtigen Aspekte der Fassungswirkung mit berücksichtigen können. Der Fachwelt, die sich dem Erhalt von Kunst- und Kulturgut in seiner historisch überlieferten Form (d.h. auch mit seinen Schäden und Verlusten) verpflichtet fühlt, könnten neue Möglichkeiten aufgezeigt werden: Skulpturen bräuchten in ihren Fassungen nicht mehr so stark ergänzt oder sogar neu gefasst werden.

Das Projekt ist im Grenzgebiet zwischen restauratorischer Befundung, modernster Analytik, kunstgeschichtlicher Forschung und Informatik positioniert.