Metallene Grabplatten aus Franken und Thüringen aus dem 15. - 18. Jahrhundert

Eine interdisziplinäre Studie zu dem Denkmalbestand und seiner Gefährdung durch Umwelteinflüsse

Doktorarbeit von Dipl.-Ing. (Univ.) Paul Bellendorf M.A.

Der in Franken und Thüringen noch vorhandene Bestand an metallenen Grabplatten ist, bei unsachgemäßer Handhabung, in seinem Bestand stark gefährdet. Wie die Objekte im Erfurter Kreuzgang zeigen, kann durch einen ungünstigen Aufstellungsort das Metall innerhalb von kurzer Zeit stark korrodieren. Bei fortschreitender Korrosion gehen wichtige Informationen der Tafeln unwiederbringlich verloren. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, den Grund für den dramatisch schnellen Korrosionsfortschritt in Erfurt genau zu verstehen und das gewonnene Wissen zur Erhaltung der Kulturgüter einzusetzen. Die Vorarbeiten, die während des Projektes “Metallgrabplatten” an der Universität Bamberg durchgeführt werden, können diesen Mechanismus nicht endgültig klären. Dafür sind Untersuchungen an einer größeren Anzahl ähnlicher Metallgrabplatten notwendig. Ein Vergleich zwischen den Aufstellungsorten Bamberg Nagelkapelle (innen), Erfurt Kreuzgang (überdacht) und Nürnberg Johannisfriedhof (ungeschützt) wäre für die Ursachenforschung eine enorme Bereicherung. Da sich im Erfurter Dom auch noch Metallplatten befinden, die bisher gar nicht naturwissenschaftlich untersucht wurden, wäre ein Vergleich zwischen diesen und den im Kreuzgang aufgestellten erstrebenswert. Durch die drei Standorte Nürnberg, Bamberg, Erfurt ließe sich der Einfluss der Umweltbelastung, vor allem die, für die Bronze und Messing schädlichen, SO2-Belastungen, nachweisen. Für die Untersuchungen wären u. a. Analysen der Metalle (Methode AAS, RFA), der Korrosionsprodukte (Methode XRD) und des Gefüges (Methode Schliffe, TEM/REM-EDS) notwendig.
Zusätzlich zu den naturwissenschaftlichen Arbeiten soll eine Archivrecherche durchgeführt werden. Ziel dieser ist es, den Handel von Messing- und Bronzeobjekten, von den Ausgangsrohstoffen bis hin zum fertigen Werk, vor allem in Nürnberg zu beleuchten. Weiterhin soll für die einzelnen Objekte die jeweilige Aufstellungsgeschichte erforscht werden. Interessant sind hierbei Fakten, wie ursprünglicher Aufstellungsort, Angaben über Verlegungsmaßnahmen und eventuelle Konservierungs- oder Restaurierungsmaßnahmen.

Die naturwissenschaftlichen und kunsthistorischen Daten sollen in einer Datenbank zusammengefasst werden. Durch den Vergleich der Materialzusammensetzungen, der Abmessungen und des Aussehens der Grabplatten ließen sich die Objekte einander zuordnen. Von besonderem Interesse wäre die Datenbank für den Umweltaspekt. Durch den Vergleich von Objekten mit ähnlicher oder gleicher Zusammensetzung in Regionen mit deutlich unterschiedlichen Umweltbelastungen – Erfurt mit sehr hoher SO2-Belastung in der Zeit vor der Wende und Nürnberg mit durchschnittlichen Werten – könnte die katastrophalen Auswirkungen zu hoher Belastung der Umwelt deutlich gemacht werden.

Die Arbeit wird gefördert mit einem Doktorandenstipendium der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt).

Weiter Informationen zur Doktorarbeit finden Sie unter www.grabplatten.de.

Die Arbeit ist abgeschlossen und veröffentlicht. Sie kann unter http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/136/ eingesehen werden.