Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

Professur für Politikwissenschaft, insb. international vergleichende Politikfeldanalyse

Laufende Forschungsprojekte


Finanzmarktregulierung nach der Krise

Wie lässt es sich erklären, dass trotz der größten Krise seit der großen Depression bisher kaum striktere Regulierungen der Finanzmärkte vorgenommen wurden? Dieser Frage wird am Beispiel der fehlenden Regulierung von Schattenbanken und Offshore-Finanzplätzen nachgegangen.

Zugehörige Veröffentlichungen bzw. Manuskripte

Thomas Rixen (2009): Paradiese in der Krise. Transparenz und neue Regeln für Steuer- und Regulierungsoasen. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung. (Link: www.boell.de/downloads/091119_Studie_Steuerparadiese_Steueroasen.pdf )

Thomas Rixen (2012): Shadow Banking, Offshore Financial Centers and Jurisdictional Competition: Why Reregulation after the Crisis is feeble (under review).


Theorien institutionellen Wandels in der Politikfeldanalyse

In dem gemeinsam mit Lora Viola (FU Berlin) und Michael Zürn (WZB) durchgeführten Projekt geht es um zweierlei: Zum einen schlagen wir eine neue Konzeptualisierung der abhängigen Variable „institutioneller Wandel“ vor. Damit soll ein Beitrag zur theoretischen Diskussion geleistet werden. Zweitens soll praktisch demonstriert werden, dass unsere Konzeptualisierung eine bessere Erfassung der empirischen Realität erlaubt. In einem internationalen Verbund – u.a. Tim Büthe (Duke University), Orfeo Fioretos (Temple University) und Jonas Tallberg (Stockholm) – sollen Fallstudien zum institutionellen Wandel auf verschiedenen internationalen Politikfeldern (u.a. Handel, Wettbewerbspolitik, Finanzen, Gesundheit und Ernährung) erstellt werden, für die unsere Konzeptualisierung den einheitlichen Rahmen bildet.

Zugehörige Manuskripte

Thomas Rixen/Lora Viola (2012): Toward a Taxonomy of Institutional Change (under review).

Thomas Rixen/Lora Viola (2012) Conceptualizing International Institutional Change. Prepared for the Workshop “Historical Institutionalism in International Relations”, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, 21.-22. September 2012.


Die Politisierung internationaler Wirtschaftsinstitutionen

In dem gemeinsam mit Bernhard Zangl (LMU München) durchgeführten Projekt geht es um eine empirische Überprüfung der These, dass eine Delegation der Entscheidungsbefugnis an supranationale Institutionen und die damit einhergehende größere Eingriffstiefe in vormals nationale Angelegenheiten zu einer stärkeren Politisierung der jeweiligen internationalen Organisation führt. Außerdem wird die alternative These überprüft, dass es im Zuge gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse zu einer wachsenden Politisierung über die Zeit kommt. Die Untersuchung erfolgt auf der Grundlage eines Fallstudienvergleichs aus dem Bereich der internationalen Steuerpolitik und wird mit Hilfe einer Inhaltsanalyse von Zeitungsartikeln aus amerikanischen Qualitätszeitungen durchgeführt. Als Indikator für den Grad an Politisierung wird die Häufigkeit qualitativ bestimmter Argumentationstypen, die sich in den Texten wiederfinden, erhoben.

Zugehörige Veröffentlichungen bzw. Manuskripte

Thomas Rixen und Bernhard Zangl (2012): Die Politisierung internationaler Institutionen: Legitimation durch Konstitutionalisierung oder durch Souveränität?, Leviathan. Sonderband 27 „Der Aufstieg der Legitimitätspolitik. Rechtfertigung und Kritik politisch-ökonomischer Ordnungen“, hrsg. von Anna Geis, Frank Nullmeier und Christopher Daase, S. 118-134.

Thomas Rixen/Bernhard Zangl (2012): The Politicization of International Economic Institutions in US Public Debates (under review).


Globale Steuergerechtigkeit: Normative Prinzipien und institutionelle Ausgestaltung

Die gestiegene Kapitalmobilität im Zuge technischen Fortschritts und der Abschaffung von Devisenkontrollen hat zu Steuerwettbewerb zwischen Nationalstaaten geführt. Regierungen versuchen, durch das Senken von Steuern für Unternehmen und Kapitalerträge ausländische Investitionen anzulocken. Empirische Forschungen haben gezeigt, dass dies nicht für alle Länder von Vorteil ist, sondern dass sie sich durch internationale Kooperation zur Regulierung des Steuerwettbewerbs besser stellen könnten. In dem gemeinsam mit Peter Dietsch (Université de Montreal) durchgeführten Projekt geht es darum, herauszufinden, wie diese Kooperation gestaltet werden sollte. Dabei geht es insbesondere um die folgenden beiden Fragen: (1) Welchen normativen Prinzipien sollte die internationale Steuerkooperation folgen? Welche anderen, möglicherweise konfligierenden, normativen Prinzipien, wie z.B. Souveränität oder ökonomische Effizienz, müssen dabei respektiert werden? (2) Bei welchen steuerpolitischen Instrumenten ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass sie in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden können?

Zugehörige Veröffentlichungen bzw. Manuskripte

Peter Dietsch/Thomas Rixen: Two Challenges for Global Taxation. To be presented at the workshop “Global Tax Governance – Normative and Institutional Issues” (convened by Peter Dietsch and Thomas Rixen at the ECPR Joint Sessions of Workshops in Mainz, March 11-16, 2013).

Peter Dietsch/Thomas Rixen (2012): Tax Competition and Global Background Justice, Journal of Political Philosophy, Early View: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1467-9760.2012.00419.x/abstract


Wohlfahrtsstaatliche Strukturen und Parteiendifferenzen (Dissertationsprojekt, Frank Bandau)

Ob politische Parteien in der Sozialpolitik noch einen Unterschied machen (können), ist eine vieldiskutierte Frage in der Wohlfahrtsstaatsforschung. Dieser Frage wird auch im Rahmen des Promotionsprojekts nachgegangen, im Unterschied zu vergleichbaren Studien liegt der Fokus der Betrachtung allerdings auf dem Einfluss bereits vorhandener wohlfahrtsstaatlicher Strukturen auf die Reformbemühungen unterschiedlicher Regierungen. Die zentrale These der Dissertation lautet, dass die (selbst aus Auseinandersetzungen zwischen Parteien resultierenden) wohlfahrtsstaatlichen Institutionen den Reformprozess strukturieren, d.h. das Auftreten, den Inhalt und die Intensität der Parteienkonflikte prägen und damit Art sowie Stärke der tatsächlichen Parteieneffekte maßgeblich beeinflussen. Die zu beobachtenden Konfliktmuster variieren demnach zwischen Staaten in Abhängigkeit von der institutionellen Ausgestaltung wohlfahrtsstaatlicher Programme. Diese These wird mit Großbritannien, Schweden und Deutschland anhand dreier Wohlfahrtsstaaten untersucht, die sich hinsichtlich ihrer Strukturen deutlich voneinander unterscheiden.

Zugehörige Veröffentlichungen bzw. Manuskripte

Frank Bandau (2011): Do Parties Still Matter in Protecting the Unemployed? A Contextualized Comparison of Great Britain, Sweden and Germany. Arbeitspapier präsentiert auf der Jahrestagung der DVPW-Sektion Politische Ökonomie „Der Wandel politischer Intervention“, Bamberg, 15./16. September Haushaltskonsolidierung nach der Finanzkrise(243.8 KB)


Haushaltskonsolidierung nach der Finanzkrise

Die Rettungs- und Stabilisierungsmaßnahmen im Rahmen der Finanzkrise führten in fast allen westlichen Demokratien zu einem deutlichen Anstieg der Staatsverschuldung. Während unter den meisten Ökonomen und Politikern Einigkeit darüber herrscht, dass eine Reduzierung der Staatsschulden unumgänglich ist, sehen sich alle betroffenen Regierungen mit der Frage konfrontiert, wer die Lasten der Finanz- und Schuldenkrise tragen soll. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, ob politischen Faktoren wie die ideologische Ausrichtung der Regierung einen Einfluss auf die Lastenverteilung haben.

Zugehörige Veröffentlichungen bzw. Manuskripte

Frank Bandau (2012): Wer zahlt für die Krise? Die Politik der Schuldenbekämpfung in Island und Großbritannien. Arbeitspapier präsentiert auf dem DVPW-Kongress „Die Versprechen der Demokratie“, Sektion „Politische Ökonomie“, Tübingen, 24.-28. September 2012.   

Frank Bandau (2013): Sparen linke und rechte Parteien anders? Die Konsolidierungspolitik Islands und Großbritanniens im Vergleich. Arbeitspapier präsentiert auf der IPÖ-Nachwuchstagung "Dominanz der Wirtschaft, Wiedererwachen der Politik?", Heidelberg, 21.-22. März 2013
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Programmatischer Parteienwandel

In dem gemeinsam mit Reimut Zohlnhöfer (Heidelberg) durchgeführten Projekt wird der Frage nachgegangen, weshalb politische Parteien sich gezwungen sehen, ihre programmatischen Positionen zu verändern. Während nach Downs ‚office-‘ und ‚vote-seeking‘, also beispielsweise Misserfolg bei Wahlen, den Auslöser eines solchen Wandels bildet, betrachten andere Autoren Parteien eher als ‚policy-seeker‘. Demnach führen gewandelte Einstellungen seitens der Parteimitglieder bzw. der Parteiführung zu programmatischen Veränderungen. Beide Hypothesen werden anhand von Fallstudien zu sozialdemokratischen und bürgerlichen Parteien in mehreren westeuropäischen Ländern untersucht.

Zugehörige Manuskripte

Reimut Zohlnhöfer/Frank Bandau (2012): Policy or Office and Votes? The Determinants of Programmatic Change in West European Political Parties. Prepared for 38th Annual Conference of the International Association for the Study of German Politics (IASGP), London, 21./22. Mai.(190.5 KB)


Der deutsche Niedriglohnsektor im wohlfahrtsstaatlichen Vergleich (Dissertationsprojekt, Valeska Gerstung)

Die Bundesrepublik Deutschland gehört innerhalb der Wohlfahrtsregimetypologie von Esping-Andersen zu der Gruppe der konservativen Wohlfahrtsstaaten. Dieser Typus weist ein mittleres Dekommodifizierungsniveau auf, während sich sozialdemokratische Regime durch ein hohes, und liberale Regime durch ein geringes Dekommodifizierungsniveau auszeichnen. Aus der Typologie lässt sich die theoretische Erwartung ableiten, dass der Niedriglohnsektor, dessen Größe als ein Indikator für staatliche Dekommodifizierungsbemühungen betrachtet werden kann, in sozialdemokratischen und konservativen Wohlfahrtsstaaten kleiner sein müsste, als in liberalen Regimen. Die empirischen Beobachtungen im Fall Deutschlands entsprechen jedoch nicht der theoretisch begründeten Annahme über den Zusammenhang zwischen konservativem Wohlfahrtsregime, Dekommodifizierungsniveau und der Ausdehnung des Niedriglohnsektors. Anstelle eines geringen bzw. moderaten Ausmaßes an Niedriglohnbeschäftigung, weist Deutschland, trotz eines relativ hohen Dekommodifizierungsgrads, einen Niedriglohnsektor von der Dimension der liberalen Wohlfahrtsstaaten auf. In der Gruppe der konservativen Wohlfahrtsregime stellt Deutschland ein untypisches Phänomen dar und begründet somit das Puzzle des Promotionsvorhabens, das nach den politisch-institutionellen Determinanten des Niedriglohnsektorwachstums fragt. Der Fokus liegt dabei einerseits auf der Frage, welche materiellen Politikinhalte die Entwicklung der Niedriglohnbeschäftigung beeinflussten und andererseits, weshalb entsprechende Policies implementiert wurden. Die Forschungsfrage wird mithilfe eines most similar systems designs untersucht, welches im Rahmen eines qualitativen Vergleichs die Fälle Deutschland, Belgien und Frankreich umfasst.