Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Philosophie

02.11.2008 • Lob des Eros (Interview mit Prof. Dr. Christian Illies)

Zum Welttag der Philosophie am 20. November hat sich der neue Bamberger Philosophieprofessor Christian Illies etwas ganz besonderes einfallen lassen: Er lädt Schülerinnen und Schüler der 12. und 13. Jahrgangsstufen zum Athener Gastmahl in die AULA der Universität. Dort wird dann bei Speis und Trank der Liebe gedacht, über die Liebe nachgedacht und diskutiert. So will Illies den Eros der Philosophie und die Philosophie des Eros lebendig halten. Monica Fröhlich sprach mit ihm über das wörtlich genommene Symposium.

Monica Fröhlich: Lieber Herr Illies, Sie haben den Begriff „Symposium“ einmal ganz wörtlich genommen und laden nun, ganz in der Tradition Platons, zum philosophischen Gastmahl. Finden Sie, dass ein Gelage der philosophischen Auseinandersetzung besser dient als eine klassische Konferenz?

Christian Illies: Klassische Konferenzen können wunderbare Gelegenheiten des Denkens und gedanklichen Austauschs sein, aber manchmal sind sie auch nicht sehr nahrhaft. Oft finden wir da statt des wirklichen philosophischen Gesprächs, und darunter verstehe ich ein gemeinsames Ringen um die Wahrheit, einen bloß ritualisierten Schlagabtausch. Oder, schlimmer noch, sie verkommen zu Jahrmärkten der Eitelkeit. Da kann ein Gelage durchaus der bessere Ort für das Denken sein. Da ein voller Bauch nicht gerne denkt, wollen wir den Welttag zwar nicht mit einem Essen beginnen, sondern mit dem Vortrag von Gedanken und dem Gespräch in kleinen Gruppen. Aber er soll in ein Fest münden. Denken strebt nach der Fülle tiefer Einsichten in einer Gemeinschaft und das verbindet sich gut mit der Fülle guter Speisen, die man dann gemeinsam verzehrt – und bei denen das Gespräch weitergeht.

MF: Sie sprechen mit der Veranstaltung vor allem Schülerinnen und Schüler der 12. und 13. Jahrgangsstufen an, warum? Ist diese Zielgruppe dem Thema Eros zugänglicher als andere oder meinen Sie, dass die jungen Erwachsenen in diesem Alter ganz besonders viel Philosophie nötig haben?

CI: Wenn wir der antiken Mythologie glauben dürfen, hat der Eros in der Tat seine besondere Freude an Jugendlichen – oder diese an ihm. Aber der philosophische Eros ist glücklicherweise weitherziger: Die Begeisterung des Denkens und der Suche nach Einsichten kann den Menschen jeden Alters entflammen. Wenn man sich nur drauf einlässt. Und doch sind es auch hier wieder vor allem Jugendliche, die den Mut dazu haben. Deswegen suchen wir auch das Gespräch mit den Schülern und Schülerinnen: Wir freuen uns auf ihren Mut, die Welt von Oben bis Unten zu durchfragen und sich auf das Abenteuer grenzenlosen Denkens, eben die Philosophie einzulassen.

MF: Mit welchen Inhalten wollen Sie die Schülerinnen und Schüler von der Philosophie überzeugen?

CI: Das Schöne an der Philosophie ist, dass sie selbst die Kraft hat, andere von ihrer besonderen Wichtigkeit zu überzeugen. Allerdings muss man ihr dafür ein wenig Raum und Zeit geben. Das haben wir am 20. November vor – und als Thema wollen wir das philosophische Denken selbst nehmen. Was ist das Denken, was ist das Ergriffensein von Denken, was ist die Suche nach Wahrheit? Am Ende des Tages werden sicher keine fertigen Antworten stehen, aber ein Ahnen davon, was der Eros der Philosophie ist.

Programm zum Welttag

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Anmeldung

Bis zum 10. November bei Dr. Fabian Geier, fabian.geier(at)uni-bamberg.de.