Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Philosophie

"Ehre" - Die politische Fabrikation eines Roh und Sprengstoffs bei Homer

Am Donnerstag, 5. April 2012, 20:00spricht Philip Ruch, Humboldt Universität zu Berlin im Philosophischen Salon von Prof. Dr. Helmut Pape (Vinosophia Weinlager, Obrerer Kaulberg 37).

Zum Vortrag:

Eine Lektüre der Ilias könnte den Eindruck erwecken, dass Wort „Ehre“ stünde als Euphemismus für Beute: was den Helden im Krieg zufällt, betrachten sie als „Ehren“. Statt an einer Geschichte symbolischen Ehr-Idealismus' nach modernem Verständnis zu arbeiten, schreibt Homer ein Narrativ um die 'Wahrung' von Ehren zusammen, unter welche für den Dichter nicht zuletzt Frauen zählen. Der Vortrag unternimmt den Versuch, sich den Frauen – d.h. Ehren – als Rohstoff eines politischen Gratifikationssystems zu nähern.

Zur Person:

Philipp Ruch, politischer Philosoph und Menschenrechtler (Gründer des Zentrums für Politische Schönheit). Studium der politischen Philosophie (Prof. Volker Gerhardt), Mitarbeit am Forschungsbereich Geschichte der Gefühle (Max-Planck-Institut), Research Fellow der Kolleg-Forschergruppe Bildakt und Verkörperung. Promotion über „Das Gefühl der Ehre. Ehrbewusstsein und Ehrverletzungen als Grundlagen einer politischen Theorie“ (Prof. Herfried Münkler u. Prof. Hartmut Böhme). DIE ZEIT wählte ihn einst unter die 100 Studenten, „von denen wir noch hören werden“. Für seine Arbeit dankte ihm 2009 sogar der bosnische Außenminister. 2010 gewann er die Unterstützung der über 6.000 Überlebenden des Srebrenica-Genozids für eines der ungewöhnlichsten Mahnmal-Projekte aller Zeiten, den Pillar of Shame gegen die Vereinten Nationen. – Den Überlebenden wird bis heute der Zugang zu einem europäischen Gericht zur Aufarbeitung der Rolle der UNO verweigert.

Moral und Gefühl: Warum in manchen Ethiken kalte Ungerührtheit und nicht spontane Güte moralisch ist

Am Mittwoch, den 25. April 2012, 20:00spricht Prof. Dr. Helmut Pape in seinem Philosophischen Salon (Vinosophia Weinlager, Obrerer Kaulberg 37).

Zum Vortrag:

Ethiken, die Moral zu einer Frage universeller Prinzipien  und Maximen machen, haben ein Problem: Jede spontane moralische Handlung, sie mag noch so gütig, liebevoll, besorgt und hilfreich sein, ist letztlich moralisch völlig belanglos. Doch welche Alternativen gibt es? Zunächst wird geklärt, auf was für einer seltsamen Auffassung von Gefühl, Moral und menschlichen Leben Prinzipien-Ethiken beruhen. Ein anderes Verständnis des Gelingens menschlichen Lebens  schafft Platz für spontane Güte.

Zur Person:

Helmut Pape lehrt seit 2002 Philosophie  an der Universität Bamberg. Er hat viel zuviel über Semiotik, Pragmatismus,  Visualität, Sprachphilosophie und C. S. Peirce geschrieben, und verkauft aber viel zu wenig Wein an Bamberger Kunden.

Schamlos oder unverschämt? Die Neuschöpfung des Menschen im Horizont der Technik

Am Donnerstag, den 21. Juni 2012, 20:00, spricht Alfred Nordmann, TU Darmstadt im Philosophischen Salon von Prof. Dr. Helmut Pape (Oberer Kaulberg 37).

Zum Vortrag:

Es geht um die techno-manischen Perfektion22svisionen, die den Menschen neu designen wollen. (Nähere Angaben folgen noch)

Zur Person:

Alfred Nordmann ist Professor für theoretische Philosophie und Wissenschaftstheorie an der TU Darmstadt, war lange Jahre auch als Theaterregiesseur tätig. (Nähere Angaben folgen noch).

Gefühlte Moral

Am Freitag, den 22. Juni 2012, 20:00, spricht Matthias Kettner, Private Universität Witten-Herdecke im Philosophischen Salon von Prof. Dr. Helmut Pape (Oberer Kaulberg 37)

Zum Vortrag:

Die Frage klingt philosophisch ungewohnt: Wie fühlen Handlungsweisen sich an? Und spezifisch: Wie fühlt es sich an, moralisch richtig (oder falsch) zu handeln - oder von Anderen moralisch richtig (oder falsch) behandelt zu werden? Man wird sich mit Kants Auskunft, das einzige korrekte Leitgefühl der Moral sei die Ehrfurcht vor dem Gesetz, nicht begnügen können. In der Lebenswelt sind die Gefühle, die die guten Handlungsgründe umgeben, viel differenzierter. Der Phänomenologe Max Scheler sah in Liebe und Hass eine emotionale Grundlage der Ethik. Ungerechtigkeit empört uns (und zwar zurecht). Begründete (aber unter Umständen auch grundlose) Schuldgefühle können uns niederdrücken, Scham noch weit stärker. Die Ehre der Familie, Gruppe, Sippe, Religion gilt manchen mehr als ihr eigenes Leben (und leider oft auch als Anderer Leben). Wer von Moral spricht, kann über Affekte nicht schweigen.

Zur Person:

Matthias Kettner ist Professor für Praktische Philosophie und Diplomspsychologe. Hauptforschungsgebiete: Diskursethik, Medizin- und Wirtschaftsethik, Kulturphilosophie, Psychoanalyse und Rationalitätstheorie.