10.08.18: Rückblick auf ein Jahr in Bamberg

Mit dem Ende des Sommersemesters 2018 neigt sich auch die Bamberger Studienzeit der ersten italienischen Studenten, die im Rahmen des Doppelstudiengangs zu uns gekommen sind, dem Ende zu. Nach zwei Semestern in Deutschland kehren sie an ihre Heimatuniversitäten in Triest und Udine zurück, wo sie auch ihren Bachelorstudiengang absolviert haben. In einem letzten Treffen haben sich Andrea F., Alessia M. und Andrea S. bereit erklärt, für zukünftige Studenten auf einige Fragen zu Antworten und von ihren Erfahrungen zu berichten.

 

 

 

Warum habt ihr euch gerade für diesen Masterstudiengang entschieden?

„I was very happy to see this opportunity, because you also get to learn not just information, not just courses, but also a new way to learn, a new way to get familiar with other notions, a new way of what university means, another country.“ (Andrea F.)

Ein Masterstudium fühlt sich in vieler Hinsicht genuso an wie ein Bachelorstudium. Man beschäftigt sich auf dieselbe Art mit ähnlichen Dingen nochmal. Das Doppelabschluss-Programm bietet die Möglichkeit, etwas anderes zu machen, mehr zu machen: Neben den Inhalten lernt man gleichzeitig auch eine neue Herangehensweise, eine andere Art universitären Arbeitens, ein neues Land.  Außerdem ist der Auslandsaufenthalt eine gute Gelegenheit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Man lebt an einem anderen Ort, mit anderen Menschen, weit entfernt von der Familie und der gewohnten Unterstützung. Man muss sich selbst organisieren und alleine zurechtkommen – das ist ein guter Weg, ins Leben zu starten.

 

Wie ist es, in Triest und Udine zu studieren?

„In Triest ist man am Meer, in Udine gibt es einen schönen Ausblick auf die Berge.“ (Alessia M.)

Beide Städte sind sehr schön, aber auch sehr verschieden und haben jeweils ihre eigenen Vorzüge. Triest liegt an der Küste und hat eine lange Universitätstradition. Dort gibt es viele kulturelle, künstlerische und sportliche Events. Udine ist etwas kleiner und ruhiger und liegt im Herz der Region. Dort hat man unterschiedliche Freizeitangebote und man kann einfach schöne Landschaften erreichen, von den Bergen bis zum Meer.

Die Art des Unterrichts ist in Italien in der Regel anders als in Bamberg. Hier gibt es mehr Seminare, an denen die Studenten teilnehmen müssen und in denen sie diskutieren müssen. Auch Besprechungen mit den Dozenten sind vorgesehen. In Italien gibt es dagegen fast nur Vorlesungen. So kann man sehr viel lernen, aber man muss nicht kritisch Stellung nehmen. Allerdings hängt die Unterrichtsmethode sehr vom Dozenten ab. Manche Professoren in Italien machen auch Unterricht wie in Deutschland, lesen mit den Studenten die originalen Werke und diskutieren darüber. Es kommt auf den Dozenten an.

Dabei werden in Italien die Kurse für Master- und Bachelorstudenten klarer unterschieden als in Bamberg. Masterkurse sind schwieriger und erfordern mehr aktive Teilnahme der Studenten. In Bamberg gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Kursen und oft finden sich Studenten aus dem ersten und aus dem letzten Semester gemeinsam in einem Kurs. Da kann es für Masterstudenten schon mal etwas langweilig werden, wenn Grundlagen wiederholt und Einführungen gegeben werden. Aber es hat auch Vorteile, weil die Erstsemester von den erfahreneren Studenten lernen können. Ihre Meinungen und Fragen regen außerdem manchal ganz neue Perspektiven und Überlegungen an. Insgesamt wiegt das Positive das Negative auf.

 

Habt ihr euch leicht in Bamberg einleben können?

Wir sind ungefähr einen Monat vor Semesterbeginn nach Bamberg gekommen und hatten schon vor der Vorlesungszeit einen Deutschkurs.  Deutsch und Philosophie zusammen zu lernen ist sehr anstrengend. Wenn man sich intensiv mit Philosophie beschäftigen und viel lesen will, braucht man viel Zeit dafür. Eine Sprache zu lernen braucht aber auch viel zeit und Übung, vor allem um Vokabeln zu lernen. Am Anfang ist es schwer. Aber dann, wenn die Grundlagen der Grammatik da sind, wird es leichter. Wörter zu lernen ist ja nicht schwer, es kostet nur Zeit. Je mehr Zeit man investiert, desto leichter lernt man die Sprache.

Aber wir haben uns sehr schnell und leicht in Bamberg zurechtgefunden, vor allem weil es hier viele ausländsche Studenten gibt. Wir haben viele Erasmus-Studenten getroffen und mit diesen Leuten ist es enfach. Man erfährt schnell, wie man alles bekommt, was man zum Wohnen und Leben braucht, und auch, wo man in der Freizeit hingehen und was man machen kann. Was man nicht weiß, kann man zusammen herausfinden. Die Stadt ist für Studenten sehr angenehm, wir haben uns schnell wohl gefühlt.

„Es ist wirklich eine Studentenstadt, Bamberg.“ (Alessia M.)

 

War es schwierig, Philosophie in Bamberg zu studieren?

Schwierig war es nicht. Die Sprache ist natürlich ein Hindernis – wenn man kein Deutsch kann, ist es anstrengend, den Kursen zu folgen, vor allem wenn man mit dem Thema nicht vertraut ist. Wenn man zu einem Thema schon einiges weiß, geht es viel leichter. Die meisten Dozenten nehmen Rücksicht und sprechen langsam und deutlich, aber wenn andere Studenten etwas sagen, sprechen sie sehr schnell und es ist schwer, sich mit ihnen zu unterhalten. Man sollte die Grundlagen der deutschen Sprache gut beherrschen, bevor man herkommt. Außerdem muss man sich hier besser selbst organisieren können als in Italien. In Italien gibt es zu festen Terminen Prüfungen, aber hier schreibt man Essays. Man hat dadurch mehr Möglichkeiten und mehr Freiheiten, sich die Arbeit selbst einzuteilen. Aber wenn man sich Zeit lässt, kann es schon mal passieren, dass man auf einmal feststellt, dass das Semester bald vorbei ist und man noch kein Essay geschrieben hat... nun, man sollte die Arbeit gut planen.

Wirklich gut war allerdings, dass alle Dozenten sehr offen waren für die Anliegen der Studenten. Sie waren bereit, alles zu besprechen und sie waren auch immer gut per Mail erreichbar.

„Here you’re given a lot of freedom, but freedom can sometimes be tricky.“ (Andrea F.)

 

Wie geht es jetzt für euch weiter?

Wir müssen noch ein paar Essays abgeben, aber Ende August fahren wir nach Italien zurück. Wir haben uns in Bamberg Zeit gelassen, weil es so schön war. Die Masterarbeit muss noch geschrieben werden – bis März soll alles fertig sein. Was danach kommt, steht noch nicht fest. Mit dem Doppelabschluss ist es auf jeden Fall leichter, einen Job zu finden, vor allem wenn wir dann wieder nach Deutschland kommen wollen. Aber erstmal muss jetzt der Master abgeschlossen werden.

„Ich werde jetzt meine Masterarbeit schreiben, aber ich weiß noch nicht, was danach kommt. Aber es wäre schön, wenn wir in Kontakt bleiben könnten.“ (Andrea S.)

 

Wie würdet ihr rückblickend euren Studiengang bewerten? Wie war für euch eure Zeit in Bamberg?

„Wunderschön. Ich würde es jedem empfehlen, das zu probieren. Total. Es wäre schön, nochmal anzufangen.“ (Alessia M.)

„I’d like to start all over, do it again for another year. I dindn’t find anything that made me say: Oh, I really didn’t like this as a student in Bamberg. No. I think everything works very well.“ (Andrea F.)

„Vor einer Weile hat mich ein Kommilitone aus Italien angerufen. Er fragte, ob er am Doppelabschluss-Programm teilnehmen soll. Er wollte wissen, was ihn in Deutschlang erwartet. Ich sagte ihm, er soll es auf jeden Fall machen, denn es ist eine wundervolle Erfahrung.“ (Andrea S.)

 

Vielen Dank an Andrea F., Alessia M. und Andrea S. Wir freuen uns sehr über das positive Feedback und wünschen unseren italienischen Masterstudenten alles Gute für ihren Abschluss und ihren weiteren Weg. Wir würden uns freuen, auch in Zukunft von euch zu hören. Bis dahin: Auf Wiedersehen!

Prof. Giuliana Parotto unterrichtet zur Zeit politische Philosophie an der Universität Triest. Am 26.06.18 war sie bei uns zu Gast für ein Oberseminar, in dem Bamberger Studierende und Dozierende mit ihr über ihren Aufsatz zu Voegelins Deutung der Ideengeschichte diskutieren konnten. Wir haben ihren Besuch genutzt, um uns mit ihr über den deutsch-italienischen Austauch in der universitären Philosophie und unseren Doppelabschluss-Studiengang zu unterhalten. Da sie auch schon in München als Dozentin tätig war, kann sie aus eigener Erfahrung vergleichen, wie sich universitäre Lehre in Deutschland und Italien gestaltet.

In Deutschland, so Parotto, steht die aktive Teilnahme der Studierenden in den Seminaren im Vordergrund, während in Italien die Vorlesungen, in denen Studierende eine passivere Rolle übernehmen, wichtiger sind. Außerdem wird in Deutschland hauptsächlich an Originaltexten gearbeitet, während in Italien die Sekundärliteratur mehr Berücksichtigung findet. Sie selbst ist bemüht, ihre Veranstaltungen in Italien so zu gestalten, dass die Studierenden zur Mitarbeit angeregt werden. Die Lehre in Italien könnte, so Parotto, viel von deutschen Universitäten lernen.

In beiden Ländern allerdings hat die Philosophie es momentan nicht leicht, da der globalisierte Arbeitsmarkt einen Trend aufzuweisen scheint, der dem Fach nicht entgegenkommt. Die Wissenschaft, in Forschung wie auch Studium, wird auf ihren Nutzen - vor allem im Hinblick auf wirtschaftliches Wachstum - geprüft und hinterfragt. Aufgrund der digitalen Informationsflut ist das höchste Ziel nicht länger eine allgemeine Bildung, sondern eine Spezialisierung, durch die optimale Lösungen für spezifische, hoch komplexe Probleme geleistet weden können. Für diese Orientierung an Zweck- und Nutzenrationalität eignet sich eine individualisierte Ausblidung weit besser als die grundlegende Reflexion allgemeinster Prinzipien und Werte. Vor allem auf die theoretische Philosophie wird so ein Rechtfertigungsdruck ausgeübt. Doch gerade in dieser Marktorientierung der Bildung steht die Philosophie in der Pflicht, die Reflexion der Zwecke selbst nicht zu vernachlässigen.

Der Double-Degree-Master bietet eine Möglichkeit, dieser spezialisierten Qualifizierung vor allem in kultureller und sprachlicher Hinsicht nachzukommen und sich gleichzeitig im ursprünglichen Sinne philosophisch zu bilden. Dabei hat, so Parotto, die italienische Philosophie momentan sehr viel zu bieten, darunter auch eine interessante Debatte, die als Reaktion auf den deutschen Idealimus entstand. Das Problem ist, dass viele Texte noch nicht übersetzt sind und einiges nur vor dem entsprechenden kulturellen Hintergund verständlich wird. Das Doppelabschluss-Programm eröffnet hier Zugänge und erschließt so für Institute und Studierende neue philosophische Bereiche. So stellt es nicht nur philosophisch-inhaltlich sondern auch mit Blick auf persönliche Erfahrung und Entwicklung einen Gewinn für die Teilnehmenden beider Länder dar.

Auf der facebook-Seite der Philosophie Bamberg findet ihr auch ein kurzes Video, in dem Prof. Parotto direkt über einige Themen unserer Unterhaltung spricht: www.facebook.com/PhilosophieBamberg/