Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Philosophie

PD Dr. Marko J. Fuchs

1. Forschungsprojekte

  • Rezeption der Gerechtigkeitstheorie des Aristoteles im Mittelalter

    Das zwei Jahre von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderte Habilitationsprojekt untersucht die Rezeption der aristotelischen Gerechtigkeitstheorie durch verschiedene mittelalterliche Autoren (Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Jakob von Viterbo, Gottfried von Fontaines). Neben dem historischen Forschungsinteresse steht hierbei die systematische Problematik der Konzeption von praktischer Vernunft sowie der Begründung universaler praktischer Normativität im Vordergrund. Die Habilitation wird im Herbst 2015 eingereicht werden.

  • Thyssen-Projekt zur Transformation des Naturrechts im Übergang zur Neuzeit (Vázquez und Spinoza)

    Das von der Thyssen-Stiftung von 2012-2015 geförderte Projekt untersuchte die Umformung des Naturrechtsbegriffs im Übergang von der Spätscholastik zur Neuzeit anhand der beiden Autoren Gabriel Vázquez und Baruch Spinoza. Der Fokus lag hierbei auf der Frage nach dem veränderten Verständnis der systematischen Grundlegung von Ethik und deren Bezug auf Theologie und Philosophie. Wie sich im Zuge der Untersuchungen ergeben hat, weisen beide Autoren am Rande der ‚Epochenschwelle‘ (Blumenberg) vom Mittelalter zur Neuzeit einerseits beachtliche strukturelle Ähnlichkeiten hinsichtlich ihrer Auffassung des Naturrechts auf; andererseits stehen diese Ähnlichkeiten vor systematischen Hintergründen, die teilweise noch in hohem Maße divergieren. Dennoch lässt sich festhalten, dass sich der Übergang zur Neuzeit angesichts dieser beiden untersuchten Autoren weniger, wie oftmals angenommen, als ein Prozess darstellt, in dem die Theologie keine Begründungsansprüche in ethischer Hinsicht mehr beanspruchen kann. Vielmehr ist es der Zug zu konsequenter philosophischer Systematisierung, der sich bei Vázquez zwar in dessen Naturrechtstheorie bereits ankündigt, allerdings erst von Spinoza konsequent vollzogen wird, wodurch dieser Übergang zum neuzeitlichen Denken ausgezeichnet ist. Die Veröffentlichung einer Monographie ist in Vorbereitung und wird voraussichtlich im Frühjahr 2016 mit einem Auslandsaufenthalt verbunden werden.

2. Tagungen, Workshops, Kolloquia

  • Kolloquia und Tagung zum Gesetzesbegriff in der Spätscholastik

    In Kooperation mit Nachwuchswissenschaftlern der Universitäten Halle/Saale, Frankfurt/Main und Hamburg wurde zwischen 2011 und 2013 eine Reihe von Kolloquia durchgeführt, die die Untersuchung der Begründung und der Transformation des Gesetzesbegriffs in der spanischen Spätscholastik zum Gegenstand hatten. Diese Reihe wurde im September 2013 durch eine interdisziplinäre Tagung mit dem Titel Der Gesetzesbegriff in der Moral-, Rechts- und Politiktheorie der ‚Schule von Salamanca‘ – The Concept of Law (lex) in Moral, Legal, and Political Thought of the ‚School of Salamanca‘ in Bamberg abgeschlossen. Der Tagungsband zur Reihe ist im Erscheinen.

  • SOPHISTES: Der platonische Dialog und Heideggers Marburger Vorlesung (WS 1924/25)

    Gemeinsam mit Dr. Diego De Brasi vom Seminar für Klassische Philologie (Gräzistik) der Philipps-Universität Marburg wurde im Frühjahr 2013 eine Tagung zur Rezeption des platonischen Dialogs ‚Sophistes‘ durch Martin Heidegger organisiert. Im Zentrum stand die Frage, ob und inwieweit Heideggers teilweise eigenwillige Lektüren des platonischen Dialogs entgegen der gängigen philologischen Kritik (Beierwaltes, Gonzales) einen wenigstens teilweise textlich, interpretatorisch und philosophisch angemessenen Zugang zum ‚Sophistes‘ und darüber hinaus zu Platons Philosophie überhaupt erlauben. Im Laufe der Tagung hat sich herausgestellt, dass zwar nicht alle Vorwürfe gegen die Gewaltsamkeit von Heideggers Zugriff entkräftet werden können, dass Heidegger aber dennoch einige Einsichten der neueren philologischen Forschung bereits vorwegnimmt und überdies Anregungen zu neuen Deutungen wichtiger platonischer Konzepte (z.B.  dem Begriff der ‚techne‘ oder des ‚heteron‘) anzubieten vermag. Überdies trägt er auch dem philosophischen Problem einer sachlich angemessenen Deutung klassischer Texte methodisch in eindrucksvoller Weise Rechnung. Der Tagungsband wird voraussichtlich im Frühjahr 2016 bei Duncker & Humblot erscheinen.

  • Workshop: Funktion und Normativität bei Darwin und Aristoteles: Natur als Entstehungsrahmen von Moral?

    In Zusammenarbeit mit Annett Wienmeister fand im Frühjahr 2014 ein interdisziplinärer Workshop zum Thema: ‚Funktion und Normativität bei Darwin und Aristoteles: Natur als Entstehungsrahmen von Moral?‘ statt, in dem die Frage diskutiert wurde, inwieweit die Vorgaben der Evolutionstheorie darwinscher Prägung mit teleologischen und moralphilosophischen Problemlagen auf der Grundlage der aristotelischen Philosophie vermittelbar sind. Vortragende waren – neben den beiden OrganisatorInnen – Jörn Müller, Christian Spahn, Christoph Kummer, Uwe Voigt, Peter Heuer, Martin F. Meyer, Gabriele De Anna und Georg Toepfer. Die Ergebisse des Workshops werden voraussichtlich im Herbst 2015 bei University Press Bamberg erscheinen. 

  • Jahrestagung 2015 der Deutschen Comenius-Gesellschaft

    In Zusammenarbeit mit der Deutschen Comenius-Gesellschaft e.V. sowie der Fränkischen Gesellschaft für Philosphie e.V. veranstaltete die Forschungsstelle vom 23. bis zum 25. Oktober 2015 auf Schloss Schney in Lichtenfels die Tagung „Vom Kleinkrieg zum Weltfrieden? Regionale Erfahrungen mit dem Konflikt um Jan Hus und die globale Hoffnung des Johann Amos Comenius“. Veranlasst durch das „Hus-Jahr 2015“, die vierhundertste Wiederkehr der Verbrennung des tschechischen Reformators Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz, ging es in jener Tagung um die historischen, theologischen und philosophischen Dimensionen der Entwicklung von den kriegerischen Auseinandersetzungen im Gefolge dieser Hinrichtung bis hin zu dem auf universalen Frieden durch kreativen Ausgleich religiöser und kultureller Gegensätze abzielenden Werk und Wirken des mährischen Universalgelehrten Johann Amos Comenius (1592-1670). Comenius wird dabei nicht von ungefähr mit Hus in Verbindung gebracht, sondern steht als Angehöriger der Böhmischen Brüder in einer sich auf diesen beziehenden konfessionellen Traditionslinie und beruft sich auch ausdrücklich auf Hussens Forderung einer Verinnerlichung und zugleich vertieften Außenwirksamkeit christlicher Glaubensüberzeugungen. Nicht zuletzt macht Comenius in seiner Zeit aufgrund der Zugehörigkeit zu einer religiösen Randgruppe vielfache Gewalterfahrungen, die gerade seine Sehnsucht nach Frieden für Menschen verschiedenster Überzeugungen und Einstellungen sowie seine entsprechende Arbeit an weitgefächerten Programmen für den Weg zu einem solchen Frieden motivieren. Diese Thematik reflektierte die Tagung auch im Spiegel der konkreten Erfahrungen, die mit dem Konflikt um Jan Hus in der Region Franken gemacht worden sind. Sprecher waren Prof. Dr. Heinrich Beck, Prof. Dr. Erwin Schadel, Dr. Hans-Jürgen Wunschel, Prof. Dr. Andreas Lischewski, Dr. Martin Steiner sowie Prof. Dr. Henk Woldring.

3. Übersetzungen

  • Gabriel Vázquez, De lege – Das Gesetz

    Im Zusammenhang mit dem genannten Thyssen-Projekt zur Transformation des Naturrechts im Übergang zur Neuzeit entsteht eine Übersetzung von ausgewählten Stellen von Gabriel Vázquez’ Kommentar zum Gesetzestraktat aus der Summa theologiae des Thomas von Aquin.

     

Mitgliedschaften und Funktionen in akademischen Gesellschaften

  • Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Philosohie
  • Mitglied der Gesellschaft für antike Philosophie (GANPH)
  • Mitglied der Gesellschaft für Philosophie des Mittelalters und der Renaissance
  • Mitglied der Unibundes Bamberg
  • Präsident der Fränkischen Gesellschaft für Philosophie

Kooperationen

  • Universitäten Halle/Saale, Frankfurt/Main, Hamburg – Dr. Dominik Recknagel, Danae Simmermacher M. A., Dr. Andreas Wagner, Kirstin Bunge M. A., Anselm Spindler M. A., Stefan Schweighöfer M. A., Annica Grimm M. A. – Der Gesetzesbegriff in der Spanischen Spätscholastik
  • Universität Marburg – Seminar für Klassische Philologie (Gräzistik), Dr. Diego de Brasi – Tagung: SOPHISTES: Der platonische Dialog und Heideggers Marburger Vorlesung (WS 1924/25)