EfMUN 2022

Als letzte Konferenz vor unserer großen USA-Reise und glücklicherweise auch als eine weitere MUN, die wir in Präsenz erleben durften, war die EfMUN vom 21. bis zum 23. Januar eine wichtige Vorbereitung für New York. Nachdem wir Schnell- und Gurgeltests größtenteils negativ überstanden hatten, machte sich unsere Delegation also an einem Freitagmorgen auf nach Erfurt, wo wir in einem traumhaft schönen Haus unterkamen, dessen kreative Ausgestaltung im Märchen-Stil die meisten Delegierten sehr belustigte. Doch für einen allzu langen Aufenthalt dort blieb gar keine Zeit – es hieß, sich in den Business-Look zu werfen und dann aufzubrechen, um pünktlich zur Eröffnungszeremonie der EfMUN in der Erfurter Innenstadt zu kommen. Nachdem wir in jenem Rahmen ermutigende und inspirierende Reden von ehemaliger MUNlern gehört hatten, ging es für unsere Delegierten in vier verschiedene Komitees:  

Im dritten Komitee der UN-Vollversammlung (General Assembly Third Committee oder kurz GA3) trafen sich die Delegierten, um insbesondere die Menschenrechte von Personen mit Behinderungen und Einheimischen zu besprechen. Die Bamberger Delegation war durch Krankheitsausfälle nur mit zwei Repräsentanten in der GA3 vertreten: als Vereinigtes Königreich der Niederlande und der Afghanischen Republik. Nach kurzer Zeit stimmten die Delegierten ab, sich zuerst mit den Menschenrechten von Personen mit Behinderungen zu beschäftigen. Schnell formten sich zwei Arbeitsgruppen, die verschiedene Ansätze zu dem Problem verfolgten. Der eine Antrag legte einen besonderen Fokus auf Ausbildung und das Gesundheitssystem, während der andere Antrag die Inklusion von Personen mit Behinderungen insbesondere in den Vereinten Nationen fördern wollte. Trotz der unterschiedlichen Ansätze zeigten sich die Delegierten kompromissbereit und nahmen vorgeschlagene Änderungen der anderen Arbeitsgruppe gerne an. So wurden erfolgreich zwei Resolutionen einstimmig akzeptiert. Ein persönliches Highlight der Konferenz war die anschließende kurze Diskussion über das zweite Thema: Die Rechte von Einheimischen. Durch den engagierten Delegierten von Afghanistan wurde trotz der limitierten Zeit von einer Stunde eine weitere Resolution fertig gestellt, welche akzeptiert wurde. Somit hat die GA3 beide Themen erfolgreich bearbeitet.  

Im ECOSOC, vollständig Economic and Social Council, standen die beiden Themen „Die Umsetzung der Sustainable Development Goals in fragilen Kontexten“ und „Gender-Mainstreaming in alle Projekte der UN“ auf der Agenda. Nach nur wenigen Reden entschied das etwa 20-köpfige Komitee, sich zuerst dem ersteren der beiden Sujets zuzuwenden. Die darauffolgenden Diskussionen waren zunächst spannungsreich – zwar waren sich alle Delegationen über die Wichtigkeit des Themas einig und auch der Umstand, dass es mehr Aktion bedürfte, wurde sehr einstimmig bekräftigt, doch dazu, in welcher Form Unterstützung, Austausch und Kooperation zwischen fragilen Staaten und stabileren Ländern ablaufen sollten, gab es die verschiedensten Ansätze und Ideen. Im Laufe der Sitzung bildeten sich dadurch zunächst zwei Arbeitsgruppen heraus: Eine, die sich der Einführung eines neuen UN-Organs für die Behandlung der Problematik widmete, und eine andere, die eher einen erweiternden und verbessernden Ansatz verfolgte, um bestehende Strukturen optimal zu nutzen. Der Meinungsaustausch zwischen den Gruppen verlief entschieden, jedoch stets dem formellen Rahmen entsprechend diplomatisch. Am nächsten Tag fand nach langer Auseinandersetzung eine Annäherung zwischen den beiden Arbeitsgruppen statt – man einigte sich, eine gemeinsame Lösung finden zu wollen, die Ideen aus beiden Gruppen zusammenbringen sollte, um am Ende als gesamtes Komitee eine Resolution verabschieden zu können. Dafür mischten sich die Gruppen noch einmal neu, jede mit dem Auftrag, an einem der entscheidenden Punkte zu arbeiten. Es wurde diskutiert, harmoniert, Kompromisse gesucht und schließlich auch gefunden, sodass am Sonntag, dem letzten Tag der Konferenz, allen Delegierten für die fruchtvolle Zusammenarbeit gedankt werden konnte und das Komitee einstimmig eine Resolution verabschiedete. 

Die Delegierten im Human Rights Council entschieden sich im Agenda-Setting zu Beginn der Konferenz vorerst für das Thema „Combating racism, Xenophobia, Racial Discrimination and other related Intolerances”. Nach verschiedenen Reden und Diskussionen formten sich zwei Arbeitsgruppen, eine fokussierte sich auf Bildung, die andere auf Social Media als Mittel zur Bekämpfung von Rassismus. Nach zwei Tagen voller mitreißender Reden und fleißigem Arbeiten an den Working Papers, präsentierten beide Gruppen am Sonntag ihre draft resolutions. Die Delegierten hatten es geschafft, ihre vielen Ideen und Vorschläge in zwei Dokumenten zusammenzubringen. Im Folgenden wurde über ganze sieben Änderungsvorschläge abgestimmt, bevor das Council dann beide Resolutionen „by acclamation“, also ohne Gegenstimmen, annahm. In den letzten Minuten der Konferenz hatten die Delegierten die Chance, noch ihre Gedanken und Vorschläge zum zweiten Thema, „Business and Human Rights“, zu teilen, bis dann das Meeting auf nächstes Jahr „adjourned“ wurde. 

Im Sicherheitsrat, der bei EfMUN simuliert wurde, waren vier Bamberger Delegierte als Russland, Frankreich, Brasilien und Vereinigte Arabische Emirate vertreten. Die Themen, die hier zur Auswahl standen, waren die Situation im Yemen und der Schutz von Zivilisten in bewaffneten Konflikten, wobei sich das Komitee mit deutlicher Mehrheit für ersteres entschied. Nach den ersten Reden und Sondierungen bildeten sich zunächst zwei Arbeitsgruppen heraus. Jedoch mussten sich die Delegierten aufgrund von Mehrheitsverhältnissen und potentiell eingelegten Vetos auf gemeinsame Vorschläge einigen, um am Ende eine Resolution verabschieden zu können. Aufgrund einiger Meinungsverschiedenheiten kam es so zu leidenschaftlichen Diskussionen über Peacekeeping Missionen, Sanktionen und den Umgang mit Menschanrechtsverletzungen. Schließlich gelang jedoch eine Einigung durch kompromissfähige Annäherungen und der gemeinsamen Resolution wurde von allen anwesenden Delegierten zugestimmt. 

Nachdem die Delegationen drei Tage lang in ihren Komitees ihr Bestes gegeben hatten, versammelten sich alle am Sonntagnachmittag zur Abschlusszeremonie der EfMUN. Es wurde sich gegenseitig über die Höhen und Tiefen der Komiteearbeit ausgetauscht, gelacht und einander gedankt. Zur großen Freude und begleitet vom Jubel der Bamberger erhielten sogar einige unserer Delegierten besondere Auszeichnungen für ihre Leistungen. So konnten wir alle nach einem anstrengenden, aber erfüllenden und lehrreichen Wochenende die Rückreise nach Bamberg antreten, auf der die Delegierten in einem wackligen Zug im Thüringer Wald erfahren durften, dass manchmal auch der eigene Magen einiges an Überzeugungsarbeit braucht, um zu kooperieren. 

Insgesamt nehmen wir viel aus unserer letzten Vorbereitungskonferenz mit – Erfahrungen mit guter und hin und wieder nervenaufreibender Zusammenarbeit mit Delegierten unterschiedlichen Wissenstandes, verbesserte Techniken im Verhandeln und Redenhalten und in jedem Falle viele schöne Erinnerungen an eine gemeinsame Zeit als Bamberger Delegation. An dieser Stelle wollen wir auch noch einmal ausdrücklich allen unseren Tutoren danken, die dieses Erlebnis möglich machten, uns mit leckeren Dinnern überraschten oder in festgefahrenen Situationen während der Konferenz mit gutem Rat zur Seite standen. Danke!