Politikwissenschaft

National Model United Nations

Berlinreise 2017

Unsere Fahrt nach Berlin vom 13.-15. Dezember 2017 stand im Zeichen der bestmöglichen Vorbereitung auf die Simulationskonferenz in New York. Um Malaysia und Kuwait dort möglichst realistisch repräsentieren zu können, haben wir ihre Botschaften sowie verschiedene Stiftungen besucht, die uns neue Perspektiven auf die Länder eröffnen konnten und uns mit vielen Informationen versorgten.

Nach der morgendlichen Zugfahrt von Bamberg nach Berlin am Mittwoch den 13. Dezember, wurden wir im deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) empfangen. Hierbei handelt es sich um eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung, die auf der Grundlage eigener, praxisbezogener Forschung den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung in allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik berät. Im Gespräch mit Herrn Dr. Felix Heiduk konzentrierten wir uns auf seine Forschungsschwerpunkte: Sicherheit und der politische Islam in Südostasien.     
Der wissenschaftliche Blick auf Malaysia stellte einen guten Einstieg dar und deckte einige interessante Widersprüche auf. Da die Staatsreligion der Islam ist, beeinflusst dieser die Politik des Landes und laut Heiduk kann eine wachsende Strenge des politischen Islams beobachtet werden. Diese passe mit der strikten Ablehnung des „Islamischen Staates“ (IS) nicht ganz zusammen. Auch die Reaktion auf die Verfolgung der Muslime in Myanmar und die Behandlung muslimischer Flüchtlinge in Malaysia widersprächen sich. Letztere haben nämlich Schwierigkeiten an gutbezahlte Jobs und Bildung für ihre Kinder zu gelangen.

Mit diesem Vorwissen machten wir uns am Donnerstagmorgen auf den Weg zur Konrad-Adenauer-Stiftung, die sich national und international durch politische Bildung, Dialog und Beratung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt. Hier diskutierte Herr Dr. Ryssel, der unter anderem Berater für Malaysia ist, die Innen- und Außenpolitik dieses Landes mit uns. Wir lernten, dass die Partnerschaften von Malaysia mit anderen Ländern über den wirtschaftlichen Nutzen definiert sind. Besonders interessant war, dass die Regierung sogenannte Wahlkreisschiebung betreibt, die sich durch die vorteilhafte Anpassung der Wahlbezirke zu Gunsten eines Wahlerfolgs für die regierende Partei auszeichnet.

So begleiteten uns einige kritische Fakten als wir die Straße überquerten und zu unserem Termin in der Botschaft von Malaysia gingen. Dort wurden wir herzlich begrüßt und konnten uns die Sicht der Malaysier auf ihr Land aus erster Hand anhören. Zunächst beantworteten zwei Spezialisten für Politik und Wirtschaft unsere Fragen. Etwas später stieß dann die Botschafterin Sarah Al Bakri Devadason hinzu, um ihr Land zu repräsentieren.    
Der Experte von der SWP und die Malaysische Botschaft widersprachen sich hinsichtlich der Existenz von IS Anschlägen in Malaysia. Alle Experten waren sich jedoch einig, dass Terroristen den Islam falsch auslegen, deshalb ist Malaysia der Meinung, dass Muslime über die wahre Bedeutung ihrer Religion aufgeklärt werden müssen. 
Die Malaysier machten begeistert Werbung für die Architektur, das Klima und den Regenwald ihres Landes und empfahlen uns einen Besuch. Die Stimmung war insgesamt sehr freundlich und auch auf kritische Fragen wurde ausführlich und diplomatisch geantwortet. Während Herr Dr. Heiduk von der SWP erklärte, dass die Presse in Malaysia nur teilweise frei ist, antworteten die direkten Vertreter von Malaysia abweichend: Natürlich sei die Presse in Malaysia frei, sie müsse jedoch respektvoll berichten, um keine Religion oder Kultur zu verletzen und dadurch den Frieden im Land zu stören. Hier zeigt sich, dass die malaysische Interpretation der Bedeutung von Pressefreiheit von der deutschen Version abweicht und für die malaysische Kultur offensichtlich andere Aspekte im Vordergrund stehen. Wir erfuhren, dass die gesellschaftlichen Rechte und Bedürfnisse in Malaysia über denen der Individuen stehen, um die Einheit des Staates zu erhalten. In Bezug auf die Situation in Myanmar stellten die malaysischen Spezialist klar, dass Malaysia das ‚Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge‘ nicht unterschrieben hat. Legale Migranten seien jedoch willkommen und dürften arbeiten sowie ihre Kinder zur Schule schicken.

Während wir bei der Botschaft erfuhren, dass Malaysia zwischen April und Juni unter trockenem Dunst, genannt „Haze“, leidet, lernten wir beim folgenden Termin im Auswärtigen Amt, dass dieser „Haze“ durch Brandrodung von Urwald und Torfböden zur Palmöl Gewinnung verursacht wird. Herr Gescher vertrat hier die Interessenslage des deutschen Außenministeriums und ergänzte unser Wissen über Malaysia durch eine weitere Perspektive. Er erklärte uns, dass die finanzielle Abhängigkeit Malaysias von den Arabischen Emiraten zu der Praktizierung eines strengeren Islam in Malaysia geführt hat. Außerdem führte er auf, dass 25% der Studenten in Malaysia Sympathien für den IS haben. Zusätzlich gab Herr Gescher uns Tipps für die Verhandlungen in New York: Wir sollen standhaft bleiben und die Interessen von Malaysia vehement vertreten. Nur wenn sich eine win- win Situation ergäbe, sollten wir diese wahrnehmen. Nach einer Führung durch das Auswärtige Amt, samt dem Saal, in dem die Öffnung der Mauer versehentlich bekannt gegeben wurde, bekam jeder Delegierte ein Gastgeschenk. Zum Abschluss eines ereignisreichen Tages traf sich die Delegation mitsamt der Tutoren im indonesischen Restaurant Tuk Tuk, um sich auch kulinarisch auf die Region einzustellen. Bereits jetzt hatte sich unser Blick auf Malaysia stark erweitert. Letztlich wartete noch ein weiteres Highlight der Reise auf uns:

Da zwei unserer Delegierten Kuwait im Weltsicherheitsrat vertreten werden führte unser letzter Termin uns am Freitag den 15. Dezember in die kuwaitische Botschaft, wo wir noch einmal die Möglichkeit hatten echte Diplomaten im Umgang mit kritischen Fragen zu sehen. Der stellvertretende Botschafter Hamad Al-Hazeem konnte unter anderem viele interessante Details über die Beziehungen Kuwaits zu den Nachbarstaaten benennen.Alle unsere Fragen wurden ausführlich beantwortet und uns wurde unter anderem auch erzählt, dass alle Kuwaitis sehr wohlhabend sind. Allerdings sind von den ca. 4 Mio. Einwohnern nur ca.1 Mio. Kuwaitische Staatsbürger. Am Ende wurde uns ein großzügiges Gastgeschenk in Form von einem Kunstwerk im goldenen Bilderrahmen überreicht, das wir in unserer Universität aufhängen dürfen.

Alles in allem war es sehr interessant, so vielen verschiedenen Perspektiven auf ein Land zu begegnen und verschiedene Antworten auf die gleichen Fragen zu bekommen. Besonders wichtig für uns war es, zu erleben, wie echte Diplomaten auf kritische Fragen reagieren und die Einstellung ihres Landes in jedem Fall stolz vertreten. Wir waren beeindruckt, dass wir bei allen Terminen sehr ernst genommen wurden und es besonders den Botschaftern wichtig zu sein schien, dass wir ihr Land realistisch und problemlos vertreten können. Denn sie nahmen sich beide nach dem offiziellen Gespräch noch die Zeit uns auf mögliche schwierige Themen aufmerksam zu machen, weitere Fragen zu beantworten und uns hilfreiche Bücher zu schenken. Müde doch erfüllt von zahlreichen Erinnerungen ging es abends zurück von der Bundeshauptstadt in das winterliche Bamberg.