Universität

Aktuelles

Die Neuedition der Matrikelbücher ermöglicht vielfältige Forschungsarbeiten. (Fotos: Andrea Lösel)

Viele Institutionen hatten zum Gelingen der Publikation beigetragen. Heinrich Frhr. von Pölnitz (Erster Vorsitzender der Gesellschaft für fränkische Geschichte), Bernhard Schemmel (ehemaliger Leiter der Staatsbibliothek Bamberg) Godehard Ruppert, Margrit Prussat, Bernhard Spörlein, Christoph Schlieder u. Sigrid Strauß-Morawitzky (WiKomm-Verlag) (v.l.) freuten sich über die Neuedition.

Im Anschluss an das Programm ließen sich interessierte Gäste die Datenbanknutzung von Universitätsarchiv-Leiterin Margrit Prussat (re.) erklären.

Eine Quelle vielfältiger Forschungsarbeiten

Printedition und Datenbank der Matrikelbücher erschienen

Zurück zu den Ursprüngen der Bamberger Universitätsgeschichte: Am 14. November 1647 wurde die Academia Ottoniana gegründet. Ein knappes Jahr später wurde die Akademie eröffnet, der Lehrbetrieb nahm seinen Anfang. „Die heutige Otto-Friedrich-Universität steht nicht nur in der Rechtsnachfolge der Academia Ottoniana“, betonte Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert anlässlich der Vorstellung von Dr. Bernhard Spörleins Edition der Matrikelbücher am 21. April 2015: „Wir verstehen uns auch als in deren Tradition stehend.“ Seit 2012 finden sich sämtliche Matrikelbücher der Universität und ihrer Vorläufer-Institutionen im Universitätsarchiv.

Matrikelbücher als Rechtsdokumente

Doch was sind Matrikelbücher überhaupt? „Es handelt sich um ein Verzeichnis aller Personen, die der Rechtsgemeinschaft der Universität angehören“, betonte Spörlein. „Die Mitglieder der Universität waren mit bestimmten Privilegien ausgestattet“, führte Spörlein weiter aus: Sie waren vom Wachdienst befreit; auch Steuern mussten sie nicht bezahlen. Zudem unterstanden sie der akademischen Gerichtsbarkeit. Zweifelte jemand die Universitätszugehörigkeit an, konnte die Universität mit Hilfe des Matrikeleintrags das Gegenteil beweisen. „Matrikeln waren also Rechtsdokumente“, fasste Spörlein zusammen.

Die von Spörlein untersuchten Handschriften decken den Zeitraum von 1648 bis zur Säkularisation im Jahre 1803 ab. Insgesamt 1531 Seiten stark ist seine Ende 2014 erschienene zweibändige Edition. „Die Quellen sind auf eine Weise erschlossen, die sie komfortabel nutzbar machen“, so Dr. Margrit Prussat, Leiterin des Universitätsarchivs. Zu der Publikation trugen viele Förderer ihren Teil bei: Neben der Gesellschaft für fränkische Geschichte und der Universität Bamberg sind darunter die Stadt Bamberg, die Oberfrankenstiftung, das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg, der Historische Verein Bamberg und die Staatsbibliothek Bamberg zu nennen.

Vielfältige Forschungsprojekte denkbar

Der große Gewinn der Edition liegt vor allem darin, dass die in ihr versammelten Daten für vielfältige Forschungsprojekte nutzbar gemacht werden können. Zum einen ermöglichen sie biografische Recherchen. Die Matrikelbücher enthalten nämlich weit mehr als eine bloße Namenslistung der Studierenden. Daneben ist der Herkunftsort der Studierenden verzeichnet, sowie oftmals ihr sozialer Status. Auch Begleitverzeichnisse zu den Matrikelbüchern wertete der Historiker aus. In seiner Edition finden sich daher zusätzlich Informationen zum weiteren Studienverlauf und Lebensweg der Studierenden.

Für Forschungsprojekte zur Sozialgeschichte der Universität leistet die Edition ebenfalls einen wertvollen Beitrag. Beispielsweise können Informationen zum Einzugsbereich der Universität und zur Entwicklung der Studierendenzahlen entnommen werden. Und auch für vergleichende, universitätsübergreifende Studien liefert die Edition eine Ausgangsbasis. „Forschungen zur studentischen Mobilität in der Frühen Neuzeit sowie zur Ausbreitung von geistesgeschichtlichen Strömungen wie der Aufklärung sind denkbar“, so Spörlein.

Digitale Recherchemöglichkeiten

Begleitend zur Printedition wurde eine Datenbank erstellt. Hierbei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt: Der Lehrstuhl für Angewandte Informatik in den Kultur-, Geschichts- und Geowissenschaften von Prof. Dr. Christoph Schlieder erstellte die Datenbank in Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv und dem Rechenzentrum. „Die erste Version der Datenbank enthält die Grunddaten aller Matrikeleinträge“, erläuterte Prussat.

Die Datenbankabfrage ist noch nicht frei online verfügbar, soll jedoch in den nächsten Jahren weiter ausgearbeitet und zur freien Nutzung im Internet bereit gestellt werden: „Mit digitalen Angeboten dieser Art werden wir den veränderten Erwartungen der Archivnutzerinnen und -nutzer begegnen. Es reicht längst nicht mehr aus, lediglich die handschriftlichen Quellen zur Einsichtnahme im Lesesaal vorzuhalten.“

Schlieder erörterte die Vorteile der Datenbanklösung: „Über das Web kann auf die Datenbank zugegriffen werden – der Benutzer ist also unabhängig von Gerät und Betriebssystem.“ Auch seien Datenbankpublikationen gegenüber digitalen Texteditionen zweckmäßiger: „Datenbanken bieten bessere Suchfunktionen: Zum Beispiel lassen sich die Ergebnislisten einer Suche nochmals neu filtern.“

Technologisch sei künftig noch viel mehr möglich: „Es wird immer wichtiger, Datenbanken untereinander zu vernetzen.“ Schlieder verwies in diesem Zusammenhang auf Linked-Data-Technologien und die Integration von Archivalien in das EU-Kulturportal Europeana. Auch eine Weiterentwicklung der Matrikeldatenbank in diese Richtung sei möglich. Dies jedoch immer, so betonte er, in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Fachwissenschaftlern.

Hinweis

Diesen Text verfasste Andrea Lösel für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.

Bei Fragen oder Bilderwünschen kontaktieren Sie die Pressestelle bitte unter der Mailadresse medien(at)uni-bamberg.de oder Tel: 0951-863 1023.